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Interview

Julia Becker über Frauen im Film: „Bis wir auf 50:50 kommen, ist es noch ein langer Weg.“

Julia Becker

Julia Becker ist Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin. Ihr neuster Film „Over & Out“ kam gerade in die Kinos, eine Geschichte mit vier ganz unterschiedlichen Frauen in den Hauptrollen. Und genau das ist im Kino leider noch immer eine Seltenheit. Frauen sind in der Filmbranchen sowohl vor als auch hinter der Kamera unterrepräsentiert. Mit Julia haben wir darüber gesprochen, warum das so ist und ob sich nicht langsam etwas ändert.

Dies ist eine gekürzte Fassung des Interviews. Das vollständige Interview kannst du dir in unserer Podcast-Folge anhören!

desired: Du hast als Schauspielerin gestartet, bei deinem neuesten Film „Over&Out“ hast du auch Regie geführt und das Drehbuch geschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

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Julia Becker: Das habe ich auch schon bei meinem Debut-Film „Maybe, Baby“ gemacht. Das kam vor allem durch Unzufriedenheit. Als Schauspielerin bist du so darauf angewiesen, dass dich irgendwer castet und musst immer warten, dass dich jemand anderes besetzt. Dazu habe ich zu viel Energie und zu viel Kreativität in mir. Also habe ich irgendwann angefangen selbst zu schreiben.

Du hast auch das Drehbuch zu „Over&Out“ geschrieben. Worum geht es in dem Film und was macht die Geschichte für dich so besonders?

Es geht um vier Freundinnen, die sich aus Kindheitstagen kennen und die mit 12 einen Schwur geleistet haben, dass sie all ihre Hochzeiten zusammen feiern werden. Nun ist es so weit, dass eine Tribut zollt und die anderen drei zur ihrer Hochzeit nach Italien einlädt. Die Freundinnen haben sich in der Zwischenzeit ziemlich auseinanderentwickelt, sehen sich nur noch hin und wieder mal zu Ostern oder Geburtstagsfeiern. Als die drei Freundinnen bei der vermeintlichen Hochzeit ankommen, müssen sie feststellen, dass ihre Freundin gelogen hat. Sie feiert nicht Hochzeit, sondern ist tot und bittet die anderen sie ans Meer zu bringen. So beginnt eine ganz besondere Reise, denn den anderen entschließen sich tatsächlich, ihr diesen letzten Wunsch zu erfüllen.

Hier kannst du dir den Trailer zu „Over&Out“ ansehen:

Over & Out - Trailer Deutsch

In dem Film werden die Hauptrollen also von vier Frauen gespielt. Tatsächlich ist das für den deutschen Film leider noch immer ungewöhnlich. Studien zeigen, dass Frauen hier noch immer unterrepräsentiert sind. Ist das etwas, wo du bewusst gegenwirken wolltest?

Absolut. Wir Frauen machen 51 Prozent der Gesellschaft aus, ich verstehe nicht, wieso es im Film anders sein soll. Hinzukommt, dass die Protagonistinnen in meinem Film für Fernsehverhältnisse „alt“ sind, also kurz vor 40. Das war mir ganz wichtig, dass wir erwachsene Frauen haben, die etwas miteinander erleben. Ich hoffe, dass in Zukunft ganz viele solcher Rollen für Schauspielerinnen gibt und auch Identifikationsfiguren für die Zuschauerinnen.

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Hast du das Gefühl, dass es sich gerade auch in diese Richtung entwickelt?

Ich habe schon das Gefühl, dass sich da etwas tut, aber wir sind noch lange nicht am Ende der Fahnenstange. Als ich angefangen habe mit der Schauspielerei hieß es, wenn du es mit 30 noch nicht geschafft hast, kannst du einpacken und dir einen anderen Job suchen. Ich bin jetzt 40 und ich finde, es geht gerade erst los. Ich finde das ist etwas, was die Verhältnisse ganz gut repräsentiert. Aber bis wir wirklich zu 50:50 kommen, ist es leider noch ein langer Weg.

Das Thema Alter wird bei Frauen und Männern im Film tatsächlich ganz anders gesehen. Das sieht man ja auch bei den großen Hollywood-Schauspielern, Männer gelten mit dem Alter als reifer…

.…und Frauen sollen eigentlich am besten gehen, wenn sie am schönsten sind. Bloß nicht irgendwie eine Falte kriegen, dann wird es kritisch. Das ist etwas, was ich nie so richtig verstanden habe. Wenn ich dann wieder einen Film sehe, in dem der 55-jährige Mann mit der 25-jährigen Frau anbandelt, macht mich das schon ein bisschen sauer.

Da sprichst du noch ein wichtiges Thema an. Denn wenn Frauen dann in der Hauptrolle zu sehen sind, ist es ganz oft in einem Liebesfilm.

Das war mir bei „Over&Out“ auch sehr wichtig, dass es eben mal nicht darum geht, die große Liebe zu finden. Das ist schließlich nicht das Hauptthema im Leben einer Frau. Wenn ich mit meinen Freundinnen spreche, dann geht es so selten um Männer. Und wenn im Film immer nur das thematisiert wird, vermittelt das ein ganz falsches Frauenbild.

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Dies ist eine gekürzte Form des Interviews. Hier kannst du dir das komplette Interview im Podcast anhören:

Im Film „Over&Out“ gibt es gleich vier starke Frauenrollen, noch mehr davon findest du in diesen Filmen:

Starke Frauenrollen: 27 feministische Filme & Serien, die wir lieben

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Bilderstrecke starten (28 Bilder)

Bildquelle: 2022 Warner Bros. Ent., Mathias Bothor

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