Interview mit Karoline Herfurth über Frauen in der Filmbranche

Interview

Karoline Herfurth über Frauen in der Filmbranche

Josephina Treff am 15.02.2019

Zwei Frauen, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten, ein Diamantenraub und eine Liebesgeschichte. Das ist das Setting von Karoline Herfurths neuem Film „Sweethearts“, der am 14. Februar in die deutschen Kinos kommt. Wir haben mit ihr über Emanzipation, Work-Life-Balance und ihren Lieblings-Diamanten gesprochen.

Karoline Herfurth führt in Sweethearts” nicht nur Regie, sondern spielt an der Seite von Hannah Herzsprung eine der beiden Hauptrollen.

desired: Wenn ich die 6-jährige Karoline vor mir sitzen hätte, hätte die mir auch schon gesagt, dass sie gerne Regisseurin geworden wäre?

Karoline Herfurth: Nein! Sie hätte gesagt, dass sie gerne Ballerina geworden wäre. Obwohl … Mit sechs wollte ich sogar noch Lehrerin werden, weil meine Mami Lehrerin war. Erst danach wollte ich Ballerina werden. Allerdings hat meine Mutter mir das nicht erlaubt, weil sie bei Ballett Sorge hatte, dass ich mir meinen Körper kaputtmache.

Die Branche wird von Männern dominiert. War es für dich als Frau schwer, Fuß zu fassen?

Ich habe tatsächlich, von männlicher Seite, das Angebot bekommen Regie zu führen und falle da eher ein bisschen aus den Statistiken raus. Aber dass es eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern gibt, ist einfach so. Das kann man gar nicht schönreden. Ich glaube allerdings, dass das überhaupt kein brancheninternes Phänomen ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

Hast du schon einmal eine Situation erlebt, in der du dachtest, dass du es als Frau schwerer hast, als deine männlichen Kollegen?

Ich kann nicht sagen, dass ich das erlebt hätte oder diese Erfahrung machen musste. Ich bin in einem sehr toleranten Elternhaus aufgewachsen und immer in dem Glauben groß geworden, dass wir alle die gleichen Chancen haben. Dass das nicht so ist, habe ich tatsächlich erst im Studium gelernt und verstanden. Und je älter ich werde, desto mehr erlebe ich das natürlich auch.

Die Tatsache, dass Frauen in den gleichen Berufen wie Männer schlechter bezahlt werden lernt man ja eher, als dass man sie erlebt. Ich weiß ja schließlich gar nicht, ob mein Kollege mehr verdient als ich. Das bekommt man erst jetzt durch diese ganzen Debatten mit. Durch die Me-too-Debatte und die Debatte um die Ungleichheit der Geschlechter ist es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion geworden. Das finde ich total spannend, weil mich das seit Anbeginn des Studiums schon so umgetrieben hat, und mir da die Augen geöffnet wurden. Ich glaube, dass man einfach an diese Geschlechterrollen gewöhnt ist. Das Schöne an dieser Diskussion ist, dass man dafür sensibilisiert wird.

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Hast du als Regisseurin mal die Erfahrung gemacht, dass ein männlicher Kollege sich von dir nichts sagen lassen wollte?

Nein. Gar nicht. Ich war sehr überrascht, wie wahnsinnig selbstverständlich die Bereitschaft war, sich auf mich und meine Regieanweisung einzulassen. Nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich noch keine Erfahrung in diesem Beruf hatte. Katja Riemann ist z.B. eine Schauspielerin, von der ich alle Filme so geliebt und als Jugendliche verschlungen habe, und jetzt darf ich plötzlich mit ihr zusammenarbeiten.

Genauso ist es bei Katrin Sass, die an meinem allerersten Drehtag, den ich je hatte, meine Mutter gespielt hat. Ich werde das nie vergessen, wie sie mit der Regisseurin gesprochen hat, wie die gearbeitet haben. Das war so ein prägender Moment für mich! Diese Stimmung und der Ton, den die hatten, das hat sich total eingebrannt. Deswegen habe ich gedacht: Sie muss in diesem Film wieder meine Mutter spielen. Ich habe ihr einen Brief geschrieben und sie hat tatsächlich zugesagt!

Es gibt gerade eine große Debatte über die Einführung genderneutraler Sprache. Findest du diese Debatte gerechtfertigt?

Ich finde diese Debatte extrem gerechtfertigt. Ich dachte immer, das ist totaler Quatsch. Ich hatte eine Freundin, die hat Genderstudies im Nebenfach studiert und ich habe diese Debatten immer als ein bisschen übertrieben angesehen. Mittlerweile ist es in meinem Institut, Sozialwissenschaften, gang und gäbe, dass alle Professoren und Professorinnen genderneutrale Sprache nutzen.

Diese Normalität ändert tatsächlich etwas. Das ist auch etwas, das ich mit dem Älterwerden begriffen habe. Denn diese Aufteilung der Geschlechter, z.B. bei Eintritt in die Elternschaft (meiner Meinung nach die größte Ursache für Ungleichheit) kommt automatisch, weil man in diesen Geschlechterrollen steckt. Ohne, dass man sich darüber große Gedanken macht. Ich finde, dass die Sprache und die Bilder, mit denen man groß wird, in vielen Berufen tatsächlich eine unterbewusste Wirkung hat, Geschlechterrollen zu reproduzieren.

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Glaubst du, dass du vor 20 Jahren auch schon die Möglichkeit gehabt hättest, als Frau Regie zu führen, oder hat sich in Sachen Frauenrechten gar nicht so viel verändert?

Das kann ich tatsächlich schwer beantworten. Ich bin groß geworden mit Filmen, die Frauen gemacht haben: Doris Dörrie, Caroline Link, Sherry Hormann, Katja von Garnier – wir hatten schon immer starke Regisseurinnen, die mich sehr geprägt haben. Wahrscheinlich, weil sie Geschichten über und mit Frauen gemacht haben. Deswegen waren das die Filme, die ich geliebt habe.

Ich glaube, dass sich erstaunlich wenig getan hat. Deswegen gibt es ja auch politische Maßnahmen wie die Frauenquote. Man kann tatsächlich sagen, dass sich viel mehr hätte tun können. Vielleicht erreicht man die nächsten 20 Jahre mehr als die letzten 20 Jahre.

Man erlebt dich als totale Powerfrau. Wie schaffst du es denn, zwischen deinem Beruf und deinem Privatleben einen guten Ausgleich zu erreichen?

Ich bin jemand, der seine Wochenenden wirklich bewacht. Das heißt, dass ich wirklich nur sehr selten und im absoluten Notfall am Wochenende arbeite. Ich lasse total gerne mein Handy liegen, tatsächlich auch das ganze Wochenende.

Wenn du nur noch ein Lieblingsstück mit auf deine Reisen nehmen könntest, welches wäre es?

Ich trage ja nicht so viel Schmuck, aber ich habe mir einen Diamantring mit dem Schriftzug „Love“ selbst gekauft. Das war in New York, als ich dort für „SMS für Dich“* zum Stony Brook Film Festival eingeladen war. Das war eine ganz irre Reise für mich, weil ich da das erste Mal nach neun Jahren wieder geflogen bin. Der letzte Flug, neun Jahre zuvor, war auch nach New York für Gretel Bergmann für den Film „Berlin 36“*. Neun Jahre später, einen Tag bevor ich abgeflogen bin, hat mir der Sohn von Gretel Bergmann geschrieben, dass sie gerade verstorben sei. Das war für mich so eine schicksalhafte Verbindung. New York und Gretel Bergmann und mein erster Film als Regisseurin, das war miteinander verbunden. Ich kann das gar nicht beschreiben.

Mit diesem Gefühl stand ich am Central Park und wollte mich, für das, was ich da geschafft habe, belohnen. Dann habe ich mir diesen Ring gegönnt, den ich tatsächlich auch trage, wenn ich die Herzenskraft von diesem Moment und diesem schönen Erlebnis brauche.

Vielen Dank für das interessante Interview, Karolin!

Bildquelle:

Warner Bros. Inc.


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