Kinderarmut Studie
Nina Rölleram 23.10.2017

Bestimmte Personengruppen sind in Deutschland überproportional von Armut betroffen. Neben Altersarmut ist auch die Lebenssituation vieler Kinder ein großes Problem: Eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt nun, wie viele Kinder in prekären Verhältnissen aufwachsen. Woran es ihnen fehlt und welche Kinder besonders bedroht sind, erfährst du hier.

Ab wann man in Deutschland als arm gilt

Armut ist natürlich Definitionssache. In einem reichen Land wie Deutschland bedeutet Kinderarmut meist nicht, dass diese kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zur Verfügung hätten. Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland leben jedoch über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren in einem Zustand, in dem sie auf vieles verzichten müssen.

In der aktuellen Studie wurden alle Familien als arm eingestuft, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens (2016 waren das 3132 Euro) auskommen müssen (also weniger als 1253 Euro) oder auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Das betrifft in Deutschland vor allem drei Gruppen: Kinder alleinerziehender Eltern, Kinder mit mindestens zwei Geschwistern oder geringqualifizierten Eltern. Mehr über die Gründe von Kinderarmut in Deutschland erfährst du in diesem aktuellen Buch.*

Daran fehlt es armen Kindern

Allein durch diese Zahlen bekommt man nur schwer ein Gefühl dafür, wie sich Armut bei Kindern bemerkbar macht. Leichter wird dies anhand von Beispielen: Dafür wurden in der Studie 23 Güter und Aspekte sozialer Teilhabe definiert, die ärmeren Familien fehlen.

Darunter fallen zum Beispiel:

  • ein internetfähiger Computer
  • eine Waschmaschine
  • eine ausreichend große Wohnung
  • monatlich etwas Geld zur Seite legen
  • Freunde zum Essen nach Hause einladen
  • Kinobesuch einmal im Monat

Die Infografik verdeutlicht, auf wie viele dieser Dinge – die für die meisten von uns selbstverständlich sind – Kinder aus armen Familien verzichten müssen:

Kinderarmut Definition

Jedes fünfte Kind bleibt auch arm

Armut kann auch ein temporärer Zustand sein, wenn ein Elternteil zum Beispiel über einen kürzeren Zeitraum arbeitslos ist. Dies betrifft aber lediglich 10 Prozent aller Kinder in Deutschland. Für 21 Prozent bleibt die wirtschaftliche Notsituation ein dauerhaftes Problem. Durch den Verzicht auf Lebensaspekte, die für Andere ganz selbstverständlich sind, können arme Kinder laut Jörg Dräger, dem Vorsitzenden der Bertelsmann Stiftung, nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Das führt auch dazu, dass sie schulischen Leistungen sinken und sie nicht die gleichen Chancen haben, sich später ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Armut aufzubauen. So entsteht eine Art Spirale, die dazu führt, dass der soziale Status der Eltern auf die Kinder vererbt wird.

Die Lebenssituation der Kinder wird auch von der Politik mitbestimmt, Wie sich die Parteien in Sachen Familien- und Sozialpolitik voneinander unterscheiden, erfährst du hier.

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Die Studie zeigt nicht nur das Problem der Kinderarmut in Deutschland auf, sondern bringt auch Lösungsvorschläge: Die aktuelle Sozialpolitik soll sich nach den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen richten. Dafür müssten noch mehr kostenlose Freizeit- und Bildungsangebote geschaffen und über eine unbürokratische finanzielle Bezuschussung betroffener Familien nachgedacht werden. An welchen Strukturen mangelt es deiner Meinung nach in Deutschland? Teile deine Vorschläge mit uns in den Kommentaren!

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Bildquelle:

iStock/KatarinaGondova, Bertelsmann Stiftung


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