Weltmädchentag
Nina Rölleram 07.10.2018

Am 11. Oktober werden in Deutschland zahlreiche bekannte Gebäude pink angestrahlt, um ein Zeichen für bessere Chancen von Mädchen auf der ganzen Welt zu setzen. Auch bei anderen Aktionen anlässlich des Welt-Mädchentags dominiert die Farbe. Für die Wahl hagelt es alljährlich Kritik: Pink stehe für Barbies und Geschlechterklischees anstatt für Gleichberechtigung. Ich kann diese Farbe zwar nicht ausstehen, finde sie für das Anliegen aber genau richtig.

Seit 2012 findet am 11. Oktober der Welt-Mädchentag statt – und seitdem werden jedes Jahr Gebäude, Wahrzeichen und Denkmäler pink angestrahlt. Die Aktion geht auf die Hilfsorganisation Plan Internationalzurück, die den Welt-Mädchentag zusammen mit den Vereinten Nationen ins Leben gerufen hat. Die Illuminierung soll laut Plan International darauf aufmerksam machen, „dass es noch viel zu tun gibt, bis Mädchen und Frauen auf dieser Welt gleichberechtigt sind.“

Pink = mädchenhaft = niedlich?

Klar, Farben wecken Assoziationen. Im Fall von Pink sind das bei mir geschlechterstereotype, „mädchenhafte“ Dinge, mit denen ich mich schon als Kind nicht identifizieren konnte. Ich fand alles, was pink und rosa ist, so abstoßend, dass ich als Kindergartenkind lieber eine schwarze Erwachsenenuhr anstelle einer pinkfarbenen Flic-Flac-Uhr tragen wollte (wahrscheinlich bin ich deswegen auch heute noch so mies im Uhren lesen, aber mein Style war mir damals eben wichtiger). Ich wollte lieber ein Tomboy sein und bloß nicht mit pinkfarbenem Prinzessinenkram in Verbindung gebracht werden.

Wie mir geht es sicherlich auch vielen anderen Mädchen und Frauen. Dennoch ist die Symbolfarbe des Welt-Mädchentags ausgerechnet Pink. Die Organisation Pinkstinks hat die Aktion von Plan International schon 2013 scharf kritisiert: Das Anstrahlen von Gebäuden zum Welt-Mädchentag in dieser Farbe legitimiere Gender-Marketing. In anderen Worten: Wenn Hilfsorganisationen Pink zur Symbolfarbe von Mädchen erklären, werden sich Geschlechterstereotype zusehends in unseren Köpfen festsetzen. Pink werde somit auch verstärkt zum Tabu für Jungen, die nicht mit der Farbe in Verbindung gebracht werden möchten.

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Pink umdeuten!

Die Kritik unterstellt jedoch Initiativen wie Plan International, dass sie sich nicht mit der Symbolik der Farbe auseinandergesetzt hätten. Zugegeben, die Antwort auf die Kritik von Pinkstinks seitens Plan International fiel 2013 nicht sonderlich reflektiert aus: „(…) in den Programmländern von Plan, wo Diskriminierung auf ganz anderen Ebenen stattfindet und eben nicht in der Spielzeugwarenabteilung, führt das Pink unserer Kampagne zum Ziel: Es sorgt für Aufmerksamkeit für die Belange von Mädchen.

Wäre Aufmerksamkeit das einzige Kriterium, hätte man doch eigentlich auch eine andere knallige Farbe wie Gelb oder Neongrün verwenden können – dachte ich, bis mich eine Sprecherin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) umgestimmt hat. Weil auch in der DSW-Kampagne #PussyIsPower die Farbe Pink dominiert, hatte ich die DSW-Redakteurin Mareike Döring gefragt, warum sie diese Farbe für richtig hält:

Pink steht oft für das Weibliche und damit für Barbie-Klischees. Wenn man das ändern möchte, muss man sich fragen, worauf man abzielen will: Man kann bei der Farbe selbst ansetzen, bis sie keiner mehr verwendet. Aber dann kommt der nächste um die Ecke und sagt: ‚Gelb ist jetzt weiblich, denn Frauen sind warm und sanft wie der Sonnenschein.‘ Gewonnen hat man dadurch nicht. Wenn Pink mit Macht und Entscheidungsstärke assoziiert wird, findet das auch niemand mehr diskriminierend. Da wollen wir hin.

Mareike Döring, DSW

Genauso wie hier also die Bezeichnung „Pussy“ positiv umgedeutet wird, die oft abwertend für schwächlich und weiblich verwendet wird, soll dies auch mit der Farbe Pink geschehen.

Pink = Mädchenrechte!

Auch wenn Pink bestimmt nie meine Lieblingsfarbe wird, gefällt mir der Ansatz, sich die Farbe selbstbewusst anzueignen. Natürlich wird sie durch den Welt-Mädchentag noch stärker als ohnehin schon mit Mädchen assoziiert. Vielleicht kommen wir aber mit der Zeit dahin, Pink nicht mehr mit Barbiepuppen, sondern mit Gleichberechtigung zu assoziieren. Wenn diese „verhasste“ Farbe eine andere Bedeutung bekommt, finden womöglich irgendwann weder kleine Jungs, noch ich es schlimm, mit ihr in Verbindung gebracht zu werden.

Was hältst du davon, dass Pink die Symbolfarbe des Welt-Mädchentags ist? Verrate mir deine Meinung in den Kommentaren!

Bildquelle:

iStock/Rawpixe


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