Lebensmittel graue Haare
Nina Rölleram 05.02.2018

Dass wir unsere Gesundheit über die Ernährung beeinflussen, steht außer Frage. Daher konnte ich mir auch gut vorstellen, dass der Verzehr bestimmter Lebensmittel zum frühzeitigen Ergrauen der Haare beitragen kann. Viele Frauen- und Gesundheitsmagazine nennen vier Lebensmittelgruppen, die für graue Haare verantwortlich sein sollen – allerdings ohne jegliche Angaben von Quellen und Studien. Ich zeige dir, warum ich diese Behauptungen anzweifle und was laut wissenschaftlichen Erkenntnissen wirklich graue Haare begünstigt.

Zweifelhafte Erkenntnisse

Eins vorweg: Ich habe selbst weder Medizin, noch Ernährungswissenschaften studiert. Ich würde jedoch von mir behaupten, ziemlich gut belesen in Sachen Ernährung zu sein. Daher habe ich sofort meine Stirn in Falten gezogen, als ich von den Lebensmitteln las, die angeblich frühzeitig zu grauen Haaren führen und welche diese vorbeugen sollen. Denn es schien mir, als würden hier einfach Behauptungen aufgestellt, hinter denen keine langjährigen Studien stehen. Noch dazu widersprachen sich einige der Artikel ziemlich. Deshalb habe ich mir angeschaut, wie der Stand der Wissenschaft wirklich ist.

Auch über das Vollkornbrot gibt es viele Fehlannahmen. Nicht alle Wissenschaftler halten es für gesünder als Weißbrot!

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Das führt angeblich alles zu grauen Haaren

Bei meiner Recherche fiel sofort auf, dass immer die gleichen vier Lebensmittel genannt werden, die zu grauen Haaren führen sollen. Doch nicht nur das: Egal ob in den deutschen Frauenmagazinen Bunte, Freundin oder Cosmopolitan oder im amerikanischen Gesundheitsmagazin Cure Joy, sie alle führen genau die gleichen Begründungen auf, ohne diese zu belegen. Es kann natürlich sein, dass diese Behauptungen stimmen. Mir fehlen dafür jedoch handfeste wissenschaftliche Beweise.

Darum bezweifle ich, dass diese Lebensmittel ein frühzeitiges Ergrauen bewirken:

#1 Zucker

Zucker graue Haare

Zucker: der böse Vitaminräuber?

Laut der Cosmopolitan sollte Zucker vermieden werden, wenn man nicht schon in seinen Zwanzigern graue Haare haben möchte. Denn dieser soll die Aufnahme von Vitamin E in die Haarstruktur hemmen. Alternativ solle man daher auf von Natur aus süße Lebensmittel wie Obst zurückgreifen.

Meine Zweifel: Zucker mag zwar nicht sonderlich gesund sein, dass er die Aufnahme von Vitaminen verhindert, ist ein überholter Mythos, wie der Mediziner Prof. Hans Hauner in einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin Spektrum erklärt. Darüber hinaus wird hier nicht genauer definiert, von welchem Zucker überhaupt die Rede ist. Wenn zum Beispiel Glukose der angebliche Übeltäter sein soll, so ist dieser ebenfalls in Früchten enthalten, zu denen hier geraten wird.

Anstatt auf Zucker zu verzichten, solltest du dir deine grauen Haare vielleicht lieber blond färben!

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#2 Farb- und Süßstoffe

lebensmittelfarbe graue haare

Kann bunte Nahrung wiklich zu grauen Haaren führen?

Angeblich sollen auch künstliche Farb- und Süßstoffe zu grauen Haaren führen. Die Cosmopolitan behauptet sogar, dass diese den Haaren ihre natürliche Farbe entziehen. Da isst man also genüsslich einen kunterbunten Cupcake und wird selbst grau – klingt ein bisschen wie in einem Märchen!

Meine Zweifel: An dieser Stelle werden die Artikel noch ungenauer als beim Zucker. Denn es wird einfach mal alles irgendwie Künstliche in eine Kategorie geworfen. Mich würde aber interessieren, welcher chemische Stoff, für das Entziehen der Farbe verantwortlich sein soll. Wirkt ein Süßstoff wie Aspartam also genauso wie der blaue Farbstoff auf einem Galaxy Donut? Mir scheint, dass hier einfach nach Bauchgefühl künstliche Lebensmittel aufgeführt wurden, ohne wirklich zu wissen, wie diese graue Haare bewirken sollen.

#3 Tierisches Eiweiß

Tierisches Eiweiß graue Haare

Macht Hähnchen die Haare nun grau oder nicht?

Auch hier wird gleich eine ganz große Lebensmittelkategorie aufgemacht, die man bei Angst vor grauen Haaren meiden sollte. Jegliches tierische Eiweiß von Fleisch über Fisch bin hin zu Eiern und Milchprodukten führe laut Bunte und den anderen Magazinen dazu, dass Harnsäure im Überschuss produziert wird. Das soll wohl auch graue Haare begünstigen – wer auch immer das behauptet.

Meine Zweifel: Ich konnte auf Anhieb keine Studie finden, die ein erhöhtes Harnsäurelevel mit grauen Haaren in Verbindung bringt, wohl aber eine, die keinen Zusammenhang zwischen den beiden gefunden hat. Viel interessanter fand ich jedoch auch hier, was in dem Artikel der Bunten geraten wurde: Um graue Haare zu vermeiden, solle man doch Fisch und Hühnchen essen. Hat da jemand vielleicht nicht verstanden, was tierisches Eiweiß ist? Oder passiert einfach gar nichts, wenn Hähnchen einerseits graue Haare bewirken und verhindern soll?

#4 Glutamat

Glutamat graue Haare

Verstärkter Geschmack = grauere Haare?

Auf der Liste der Lebensmittel-Bösewichte darf Glutamat natürlich nie fehlen. Nun soll der Geschmacksverstärker also nicht nur für Kopfschmerzen, sondern auch für graue Haare sorgen.

Meine Zweifel: Hier konnte ich einfach nur mit dem Kopf schütteln, weil die Begründungen derart schwammig sind: Laut Freundin bekommt man nämlich von Glutamat graue Haare, weil der „Stoffwechsel beeinflusst“ wird, laut Cosmopolitan gerät dieser sogar „aus dem Gleichgewicht“. An dieser Stelle würde ich mir von den Autoren gerne mal definieren lassen, was sie überhaupt unter Stoffwechsel verstehen und wie nun genau die grauen Haare zustande kommen. Und was ist mit Glutamat, das zum Beispiel von Natur aus in Tomaten vorkommt? Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass nach Gutdünken einfach einige vermeintlich ungesunde Lebensmittel aufgeführt wurden, die vielleicht nicht sonderlich gut für die Haare sind. Nur weil Haare jedoch nicht geschmeidig sind, werden sie ja aber noch lange nicht grau.

Hier widerlege ich einige Mythen um den Geschmacksverstärker Glutamat, der besser ist als sein Ruf.

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Auf diese Nährstoffe solltest du wirklich achten

Als Veganerin könnte ich über die Empfehlung, möglichst wenig tierisches Eiweiß zu essen, eigentlich froh sein. Die Behauptungen waren mir jedoch zu schwammig, weshalb ich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu dem Thema recherchiert habe. Es scheint noch relativ wenige Langzeitstudien zu dem Zusammenhang von Ernährung und frühzeitigem Ergrauen zu geben, ich habe jedoch eine indische Studie gefunden, die einige der Behauptungen widerlegt.

Denn aus der Studie mit unter 25-Jährigen, die bereits graue Haare bekamen, konnten zwei Thesen abgeleitet werden: Menschen, die frühzeitig graue Haare bekommen, haben sowohl niedrige Eisen- als auch Vitamin B12-Werte. Als Langzeit-Veganerin klingelten da natürlich sofort meine Alarmglocken, denn genau diese beiden Nährstoffe stecken vor allem in tierischen Lebensmitteln. Während es auch einige pflanzliche Lebensmittel mit viel Eisen gibt, steckt verwertbares Vitamin B12 sogar ausschließlich in tierischen Produkten und muss von Veganern daher unbedingt supplementiert werden.

In diesen 21 Lebensmitteln steckt besonders viel Vitamin B12.

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Ich empfehle dir bei einem Mangel hoch dosierte Lutschtabletten*, da Vitamin B12 am besten über die Schleimhäute aufgenommen werden kann. Ganz schön erstaunlich, wie sich die Ergebnisse dieser Studie mit den Behauptungen der aufgeführten Artikel widersprechen, oder?

Egal, ob du nun graue Haare vermeiden willst, oder nicht, ist es immer ratsam, auf deine Nährstoffversorgung zu achten. Unser Test kann dir Hinweise auf einen Vitaminmangel geben, den du dir anschließend von einem ärztlichen Bluttest bestätigen lassen solltest:

Teste, ob du ausreichend Vitamine zu dir nimmst

Lass dir nichts vorschnell verbieten!

Anhand dieses Themas lässt sich wunderbar verdeutlichen, wie ernährungswissenschaftliche Mythen verbreitet werden. Solche schlecht recherchierten Artikel verfestigen die Annahme, dass wir bereits alles über die Zusammenhänge zwischen unserer Ernährung und den Körperfunktionen verstanden haben. Die Ernährungswissenschaften sind aber noch längst nicht so weit, dass sie den komplexen menschlichen Körper vollends begreifen. Wir sind eben keine Maschinen, in die man einen bestimmten Stoff hineingibt und am Ende graue Haare herauswachsen.

Ich kann dir nur dazu raten, beim Fehlen von Quellen immer kritisch zu hinterfragen, ob das denn auch wirklich stimmt und dir bloß nicht vorschnell dein Lieblingsessen verbieten zu lassen. Vielleicht kennst du aber auch wissenschaftliche Studien, die meine Zweifel entkräften. Ich lasse mich von dir in den Kommentaren gerne eines Besseren belehren!

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Bildquelle:

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