Bye Photoshop
Miriam Bektasi am 02.06.2017

Oh mein Gott! Ein riesiger Hintern in einem Bikini – und dann auch noch mit Delle! Für die aktuelle Swimwear-Kampagne verzichtet Desigual komplett auf Photoshop – und macht Cellulite damit zum Mode-Statement. Begeisterungsstürme inklusive! Warum ich mir in Zukunft mehr von der ungeschönten Werbung wünsche, erfährst du hier.

Ob wir nun durch unsere Lieblingszeitschrift blättern, durch Instagram scrollen oder morgens zur U-Bahn laufen – Bikiniwerbung mit bis zur Makellosigkeit trainierten, operierten und retuschierten Körpern ist im Sommer allgegenwärtig. Das spanische Modelabel Desigual wollte dagegen ein Statement setzen und hat für seine aktuelle Kampagne die gängigen Schönheitsideale über Bord geworfen.

Doutzen Kroes

So kannten wir Bikiniwerbung bisher: Mit perfekter, sonnengebräunter Haut und makellosen Körpern.

Dellen und Dehnungsstreifen in voller Schönheit

In der neuen Swimwear-Kampagne verzichtet das Label auf den Einsatz von Photoshop – und zeigt genau das, wofür wir uns manchmal schämen, wenn das Licht in der H&M-Umkleidekabine wieder einmal erbarmungslos ist: jede Pore. Zu sehen gibt es die wunderschönen, weiblichen Rundungen des britischen Models Charli Howard in fröhlich-bunter, knapper Beachwear. Und zwar unretuschiert, in realen Lichtverhältnissen und mit deutlichen Dellen und Dehnungsstreifen am Po und an den Oberschenkeln. Wir haben natürlich Tipps für dich, wie du Dehnungsstreifen vorbeugen kannst.

Was im ersten Moment nach einer peinlichen Panne aussieht, ist durchaus gewollt. Das Modeunternehmen hat sich bewusst für die für manche vielleicht unperfekte Darstellung des Models entschieden. Und für die Kampagne „Sommer ohne Komplexe“ hätte sich Desigual kaum ein geeigneteres Gesicht aussuchen können als das der schönen Britin.

''Beauty doesn’t only come in size zero. Diversity is the key to changing that”.@charlihoward

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Desigual im Kampf gegen den Perfektionswahn

Das Model mit den heißen Kurven ist bekannt dafür, dem Perfektionswahn der Modeindustrie die Stirn zu bieten und sich dem Magertrend zu widersetzen. Seit sie sich öffentlich weigerte, für Aufträge weiterhin an Gewicht zu verlieren, wurde sie zu einer der wichtigsten Galionsfiguren des Body-Positivity-Movements. Eine Bewegung, die gegen die gängigen Schönheitsideale ankämpft und prägend für den modernen Feminismus ist.

Wake up call for summer ☀☀☀

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Die 26-Jährige ist überzeugt: „Schönheit gibt es nicht nur in Form von Size Zero. Diversität ist der Schlüssel, um das zu ändern.“ Die Desigual-Kampagne ist nun die Belohnung für Charlis Mut, selbstbewusst für sich und ihre Makel einzustehen – und somit ein Vorbild für Tausende von Mädchen zu sein. Bei Modefans sorgte die Kampagne bereits für ordentlich Beifall. Die Bilder des Shootings ernteten auf Instagram zahlreiche Likes und positive Kommentare, wie: „Macht weiter so!“ oder „Wie schön! Endlich eine richtige Frau!“.

Das Ende der Ära Superfrau?

Model Ashley Graham machte Bauchröllchen sexy

Immer mehr Labels bilden statt Size-Zero-Models vermehrt ganz normale Frauen in ihrer Kommunikation ab. Bestes Beispiel dafür ist das Kosmetik-Label Dove, das seit Jahren auf Diversität setzt. Auch Sportlabels wie jüngst Nike, das kürzlich eine Kampagne zum Launch einer neuen Plus-Size-Linie veröffentlichte, ziehen nach. Es scheint fast, als hätten die großen Labels endlich verstanden, dass Frauen heute stärker und selbstbewusster sind als je zuvor. Seit dem Aufstieg von Normalo-Models wie etwa Ashley Graham dürfen wir wieder Kurven haben, Schwäche und unsere Makel zeigen – und uns trotzdem gut fühlen. Sogar eine eigene Barbie hat die US-Amerikanerin.

Als sich diesen Sommer die ganze Modewelt in Berlin versammelte, um sich die neuesten Trends anzusehen, waren wir für dich unterwegs, um herauszufinden, was die Promiwelt von dem „Ja“ zur Cellulite in der Werbung hält. Was Inka Bause, Katja Burkard oder Rolf Scheider zu ungeschönten Bildern in der Werbung zu sagen haben, siehst du in unserem Video.

Wie stehst du zu ungetunten Bildern? Wünschst du dir auch mehr davon in der Werbung oder findest du sie unästhetisch? Teile deine Meinung mit uns in den Kommentaren.

Bildquellen: iStock/William87/Hunkemöller/Getty Images/Trevor Collens/Andrew Toth

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Bitte in Zukunft mehr davon!

Miriam Bektasi

Mit ehrlicher und ungeschönter Werbung zu zeigen, dass die ständig propagierte, künstliche Werbe- und Instagram-Perfektion nicht gerade der Realität entspricht, ist für mich auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Diese Form von völlig unbearbeiteter Werbung könnte nicht nur unsere Sehgewohnheiten verändern, sondern vielleicht auch dazu beitragen, unser Schönheitsideal etwas mehr in Richtung Normalität geradezurücken. Modeunternehmen dürften sich durchaus noch mehr gegen die völlig illusorischen und überzogenen Schönheitsbilder wehren und Frauen so zeigen, wie sie wirklich aussehen. Nämlich wie Menschen. Mit Narben, Muttermalen, Dellen, Dehnungsstreifen und allem, was dazu gehört. Auch auf Werbeplakaten. Denn wenn selbst die Körper von Supermodels künstlich manipuliert und bis zum Gehtnichtmehr perfektioniert werden, um dem Schönheitsideal zu entsprechen, wie sollen ihm dann reale, menschliche Körper entsprechen?

 

 


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