Frauen verdienen langsam mehr
Anett Pohlam 21.03.2018

Am 18. März war der Equal Pay Day. Ein Aktionstag, der auf Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern aufmerksam machen will. Eine Auswertung von 50.000 Arbeitnehmern zeigt nun: Männer verdienen mit 50 Jahren durchschnittlich 100.000 Euro. Frauen kommen an diesen Wert jedoch nie heran. Was können Politik, Firmen und jeder Einzelne gegen diese ungleiche Bezahlung tun?

Gender Pay Gap und Equal Pay Day: Wie war das nochmal?

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich es verstanden hatte, deshalb hier auch nochmal für dich erklärt: Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen quasi umsonst arbeiten, da sie durchschnittlich weniger Gehalt bekommen als Männer. In Deutschland lag der Gender Pay Gap zuletzt bei 21 Prozent. Der unbereinigte Gender Pay Gap, muss man sagen. Denn diese vergleicht schlicht die Durchschnittsgehälter der Geschlechter – ohne Rücksicht auf Branchen, Karrierestufen und Teilzeit-Modelle. Der bereinigte Gender Pay Gap des Statistischen Bundesamtes lässt die genannten strukturellen Faktoren außen vor und kommt zu einem Unterschied von „nur“ 6 Prozent. Mit dieser Prozentzahl als Grundlage hätte der Equal Pay Day also schon am 22. Januar sein sollen.

Wird der Gender Pay Gap kleiner?

Ich finde es wichtig, dass es Aktionstage wie diese gibt, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen. Denn wie eine Auswertung der Jobsuchmaschine Adzuna von 50.000 Lebensläufen zeigt, geht die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern im Alter immer weiter auseinander:

Altersgruppedurchschnittliche Gender Pay Gap
20-2914,83 %
30-3915,95 %
40-4928,68 %
50-5933,25 %

 

Es sieht so aus, als ob meine Generation in Sachen Gehaltsgleichheit besser da steht als die unserer Mütter. Aber ist das wirklich so? Oder liegt es weniger an der Generation, als mehr an den verschiedenen Lebensphasen? Stichwort Kindererziehung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein großes Thema. Zurecht. Denn immer noch sind es vor allem Frauen, die nach der Geburt des Kindes zu Hause bleiben oder nur in Teilzeit in den Job zurückkehren, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Ändert sich das nicht, wird die Gehaltsschere auch in Zukunft mit dem Alter weiter auseinandergehen. Hier ist neben der Politik und den Arbeitgebern, die flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen sollten, auch jedes Elternpaar gefragt, die Kinderbetreuung fair aufzuteilen.

Wie schwer es auch heute noch ist, einen Kita-Platz zu bekommen, erzählt meine Kollegin Anna im Interview.

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Das Gehaltslimit ist für uns Frauen schnell erreicht

Schockiert hat mich die Aussage der Studie, dass Männer durchschnittlich mit 50 Jahren ein Jahresgehalt von 100.000 Euro erreichen. Wir Frauen pendeln uns dahingegen schon ein paar Jahre zuvor bei 70.000 Euro ein. Unser beruflicher Aufstieg scheint also früher vorbei zu sein.

berufstätige Frauen

Auch wenn der Gender Pay Gap bei jüngeren Frauen kleiner ist, scheint sie uns mit steigendem Alter wieder einzuholen.

Kann mehr Transparenz beim Gehalt helfen?

Ein Ansatz, den Adzuma anbietet, um den Gender Pay Gap zu schließen, ist die Forderung nach mehr Lohntransparenz. Gerade in Deutschland wird ungern über das Gehalt gesprochen und auch Stellenausschreibungen enthalten nur in den wenigsten Fällen bereits Angaben zum Gehalt. Auch ich habe mich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn gesträubt, über das Gehalt zu sprechen. Inzwischen hat sich die Scheu jedoch gelegt. Denn ich weiß, dass nur die Firma gewinnt, wenn man nicht darüber redet. In Deutschland soll jetzt das neue Lohntransparenzgesetz Abhilfe schaffen und für mehr Gehaltsgerechtigkeit sorgen. Warum die angekündigten positiven Effekte nur bedingt eintreffen werden, erklärt meine Kollegin Nina in diesem Artikel:

Was muss passieren, damit Frauen gleich verdienen?

Wollen wir den Gender Pay Gap – egal ob bereinigt oder nicht – wirklich verstehen und bekämpfen, reicht Transparenz bei Gehältern nicht aus. Es müssen gesamtgesellschaftlich die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Frauen in der Arbeitswelt die gleichen Chancen haben wie Männer. Denn während es zwar selbstverständlich ist, dass Frauen berufstätig sind, kämpfen viele noch mit fehlender Akzeptanz und Sexismus im Job, wie zum Beispiel diese Tweets zeigen. So wird Frauen der berufliche Aufstieg oft erschwert.

Sexismus im Job: Diese Tweets sind unfassbar!

Wir brauchen endlich eine Lösung!

Die Gründe für den Gender Pay Gap kann man nicht nur im Berufsleben suchen. So sehr mich Aktionstage und die Vorstöße zum Thema Transparenz erfreuen, fehlt mir dennoch der Blick aufs große Ganze. Der Kampf um gleiche Bezahlung kann nicht gewonnen werden, wenn wir uns nicht auch für bessere Kinderbetreuung, mehr Gleichberechtigung in der Beziehung und gegen Sexismus einsetzen. Auch wenn viele diese Ansicht teilen, habe ich dennoch das Gefühl, dass viele nur an einer Front kämpfen. Ohne ein ganzheitliche Bewusstsein werden wir jedoch noch einige Equal Pay Days begehen müssen.

Was denkst du? Wo sollten wir ansetzen, um gleiche Bezahlung für alle zu erreichen? Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

Bildquellen:

Getty Images/wachira khurimon/UberImages


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