Bumble
Jessica Tomalaam 07.02.2017

Dating-Apps gibt es wie Sand am Meer. Doch die App Bumble hat ein besonderes Merkmal, das sie von den anderen unterscheidet. Den ersten Schritt der Kontaktaufnahme kann hier nämlich nur die Frau machen, nicht der Mann. Bereits über zwölf Millionen Nutzer kann Bumble derzeit verzeichnen, vor allem in Amerika steigen die Beliebtheitswerte. Nun soll die kostenlose App mit Premium-Funktionen auch den deutschen Markt erobern. Wir haben Whitney Wolfe (27), Bumble-Gründerin und frühere Mitgründerin der Dating-App Tinder, im Hotel de Rome in Berlin zum Interview getroffen und uns mit ihr über die Besonderheit der App, Frauenbilder in der heutigen Gesellschaft und Männer auf der Jagd unterhalten.

desired: Whitney, wie bist Du auf die Idee für Bumble gekommen?

Bumble entstand eigentlich aus einer anderen Idee heraus. Ich wollte eine Plattform gründen, die „Merci“ heißen sollte: ein soziales Netzwerk für gutes Benehmen. Man sollte dort einfach nett und lieb zueinander sein, sich gegenseitig Komplimente machen, um Mobbing zu vermeiden. Die Idee war, dass die Plattform überwiegend von jungen Frauen genutzt werden sollte. Etwa zur selben Zeit kontaktierte mich mein jetziger Business-Partner [Anm. d. R.: Andrey Andreev, Gründer der Dating-App Badoo], der davon begeistert war, dass ich einfach etwas Positives im digitalen Bereich aufbauen wollte. Er ermutigte mich jedoch dazu, einer Dating-App eine Chance zu geben.

Zuerst hab ich noch gezögert, weil ich zuvor in sehr viel mediale Aufmerksamkeit in diesem Bereich hatte [Anm. d. Redaktion: Whitney Wolfe war Mitgründerin der beliebten Dating-App Tinder, verklagte das Unternehmen nach ihrer Trennung von Mitgründer und Freund Justin Mateen allerdings wegen sexueller Belästigung. Dadurch rückte sie sehr in den öffentlichen Fokus in Amerika. Die beiden fanden letztlich eine außergerichtliche Einigung, Mateen verließ danach allerdings das Unternehmen.] Deshalb war die erneute Aufmerksamkeit im Dating-Bereich das Letzte, was ich wollte, aber dann habe ich verstanden, dass es einfach eine enorme Nachfrage nach einer App wie Bumble gibt.

Whitney Wolfe Interview

Bei Bumble müssen Frauen den ersten Schritt machen. Außer Ihr seid am gleichen Geschlecht interessiert, dann ist es egal, wer zuerst schreibt.

Was ist der Vorteil von Bumble gegenüber anderen Dating-Apps? Warum sollte ich mich registrieren?

Ich denke, dass Frauen sich bei Bumble anmelden sollten, weil es endlich, zum ersten Mal in ihrem Leben, einen Ort gibt, der genau das Gegenteil von dem sagt, was uns immer eingetrichtert wurde als Frau. Wir sollten darauf warten, dass ein Mann zu uns kommt. Lieber still sein und nicht zu forsch vorgehen. Wir sollten nicht zu viel Zuneigung und Aufmerksamkeit zeigen, da der Mann uns sonst nicht mögen würde. Ich denke, es ist das erste Mal im Leben derjenigen, die ungefähr in meinem Alter oder auch etwas älter sind, dass es akzeptiert oder man sogar dazu animiert wird, den ersten Schritt zu machen. Damit hat man die Kontrolle über die Gespräche, die man führt und auch darüber, wie man behandelt wird. Außerdem wissen die Menschen, die Du über Bumble kontaktierst, mit einer selbstbewussten Frau umzugehen. Und das sind ja eigentlich auch die Menschen, mit denen Du Dich wirklich abgeben willst.

Denkst Du, dass Bumble mit diesem speziellen Anspruch die Welt des Online-Datings verändern wird?

Ich denke, dass es Dating generell verändern wird, nicht nur online. Wenn wir die Art und Weise, wie wir Menschen kennenlernen, auf digitalen Plattformen ändern können, dann kann das auch einen positiven und bedeutungsvollen Effekt in der realen Welt haben. Unsere Nutzeranzahl wächst stetig in Amerika und Bumble ist dort auch ziemlich bekannt. Und wir bekommen die Rückmeldung von vielen unserer Nutzer, dass sie sich jetzt auch trauen, im realen Leben den ersten Schritt zu machen. Sie haben nicht mehr das Gefühl, dass sie sich veralteten Standards unterwerfen müssen. Selbst wenn wir nur im Kleinen anfangen, kann es vielleicht einen riesigen Einfluss darauf haben, wie Frauen sich selbst sehen und wie sie ihre Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen.

Hast Du bereits erste Auswirkungen in der realen Welt bemerkt?

Whitney Wolfe Interview

Angezeigt werden die Personen in Deiner Umgebung, die für Dich interessant sein könnten.

Ja, absolut. Ich kann Euch eine Nachricht vorlesen, die ich von einem Mann bekommen habe. Ich sage nicht von wem, aber er ist sehr bekannt in Los Angeles. Normalerweise datet er nur Models und Stars! Also: ‘Hey Whitney, ich hoffe, es ist nicht unangebracht, wenn ich Dich hier kontaktiere. Ich wollte Dir nur sagen, dass meine Freunde und ich einen Wandel in der Dating-Kultur sehen: Frauen fragen Männer nach Dates! Das ist etwas, was ich noch nie in meinem Leben erfahren habe. Wir glauben, dass Bumble da einen großen Anteil dran hat. Und auch, wenn ich diese App momentan noch nicht selbst nutze, kann dieser Wandel nur positiv für unsere Gesellschaft sein. Ich danke Dir.’ Das ist eine Nachricht, die ich als großen Gewinn ansehe.

Also fühlen sich nicht alle Männer davon eingeschüchtert, wenn Frauen auf sie zugehen?

Nein, absolut nicht! Als wir mit Bumble gestartet sind, befürchteten wir, dass Männer die App nicht mögen werden. Für uns war klar, dass Frauen sie auf jeden Fall lieben werden. Es ist interessant zu sehen, dass es jetzt genau andersrum ist. Und den Grund dafür empfinde ich persönlich als sehr traurig. Denn ich musste realisieren, dass Frauen Angst davor haben, den ersten Schritt zu machen, weil sie einfach darauf trainiert wurden, dass sie sich von Männer jagen lassen sollten.

Ich weiß, dass ich früher auch so gedacht habe. Nach dem US-Launch von Bumble im Jahr 2014 haben wir die Erfahrung gemacht, dass Männer sich komplett anders verhalten, als wir gedacht haben. Sie waren begeistert davon, dass sie sich nicht mehr auf die ‘Jagd’ machen mussten. Eigentlich sind Männer darauf trainiert, dass es komisch ist, wenn Frauen auf sie zugehen oder sie nach einem Date fragen. Das ist ein Problem der Gesellschaft. Natürlich ist nichts falsch an solchen Frauen. Bumble ist in dem Fall so etwas wie ein Puffer. Die Gesellschaft ist noch nicht bereit, ohne ihn auszukommen. Als wir Bumble vor zwei Jahren gelauncht haben, war die Situation noch schlimmer. Wir haben heute schon einen gewaltigen Unterschied in der Dating-Kultur erreicht.

Ist Bumble eine App für Feministinnen?

Ich hatte den Begriff Feminismus gar nicht im Kopf, als ich Bumble gegründet habe. Der Grund für das Entwickeln der App war eigentlich, dass ich mir so eine gewünscht habe, als ich noch Single war. Ich wollte den Männern zuerst schreiben, ich wollte nicht warten, ob er mir vielleicht schreibt. Aber wenn ich den Männern zuerst geschrieben habe, fühlte ich mich anschließend schlecht, weil meine Freunde mich angeschaut haben, als ob ich verzweifelt oder verrückt sei. Ich wollte eine Ausrede dafür haben, warum man dem Mann zuerst schreiben kann. Frauen und Männer müssen sich klar machen, dass man immer noch eine klassische, feminine, tolle Frau sein kann, wenn man den ersten Schritt macht. Generell gilt: Man kann sagen, was man denkt und schlafen, mit wem man will, solange man auf Sicherheit achtet und sich dabei gut fühlt. Das ist nichts, weswegen man sich schämen muss.

Welche Schwierigkeiten siehst Du bei der Einführung der App auf dem deutschen Markt?

Ich denke, wir werden dieselben Schwierigkeiten wie in Amerika haben. Dort tauchte natürlich auch die Frage danach auf, warum wir noch eine neue Dating-App brauchen. Aber Bumble kann tatsächlich einen Unterschied bewirken, in der Art und Weise, wie wir unser Leben leben und auch, wie wir auf andere Menschen zugehen. Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass ich den deutschen Markt noch nicht kenne. Wir müssen also Mitarbeiter finden, die unser Produkt verstehen, aber sich gleichzeitig auch hier in Deutschland auskennen.

Nach welchen Kriterien werden mir meine potenziellen Matches bei Bumble angezeigt?

Wir zeigen Dir Menschen, die in Deiner Nähe sind. Wir zeigen Dir außerdem solche basierend darauf, wer Dir in der Vergangenheit gefallen hat. Und die Menschen, von denen wir glauben, dass Du sie sehen willst. In diesem Jahr werden wir noch weiter daran arbeiten und die App verbessern.

Whitney Wolfe Interview

Über die Bumble for Friends-Funktion kannst Du vielleicht sogar neue Freundschaften in Deiner Nähe knüpfen.

Eine weitere Besonderheit der App ist ja auch die BFF-Funktion. Was steckt dahinter?

Die Bumble-for-Friends-Funktion war eine Anfrage der User. Wir hatten viele Leute, die bei uns ihre große Liebe gefunden haben oder ihren derzeitigen Partner, aber immer noch in der Bumble Community bleiben wollten. Über dieses Feature können Frauen jetzt Frauen treffen oder Männer eben Männer. Wir wollen damit das Freundschaftenschließen erleichtern. Das funktioniert besonders gut in großen Städten, wo man anfangs sonst vielleicht einsam wäre.

Hast Du noch einen Rat für junge Frauen wie uns, die einen Business Plan haben, aber nicht sicher sind, ob und wie sie ihn durchsetzen können?

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn Dein Business Plan ein Problem löst, dann wirst Du es schaffen. Denn wenn Du versuchst, etwas zu verändern, etwas besser zu machen, dann arbeitest Du härter und die Menschen merken das. Du hast dann den Antrieb, die Idee wirklich umsetzen zu wollen. Und Dein Selbstbewusstsein wächst mit der Zeit, wenn Du siehst, dass jemand Dein Produkt benutzt. Ich selbst war anfangs sehr unsicher und ich bin es auch immer noch. Aber dann erreicht mich eine Nachricht, dass jemand über Bumble seinen Ehemann kennengelernt hat und absolut glücklich ist und sich auch im wahren Leben einfach mehr traut. Und dann denk ich mir: irgendwie ist das ein ziemlich guter Tag heute.

Wir danken Dir für das Interview, Whitney!

Die Bumble-App gibt es kostenlos hier für Android und hier für iOS.

 

Das Interview führten Jessica Tomala und Susanne Faller.

Bildquellen: Bumble


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  • Trax am 08.06.2018 um 18:27 Uhr

    "Whitney Wolfe war Mitgründerin der beliebten Dating-App Tinder, verklagte das Unternehmen nach ihrer Trennung von Mitgründer und Freund Justin Mateen allerdings wegen sexueller Belästigung." Danke. Das reicht schon un zu wissen, welchen Character diese Frau hat. Dazu kommt, wenn man sich die Vorschaubilder im App Store anschaut: Nur Rausgeputzte Business-Frauen mit Angaben wie "Marketing-Analystin", "Geschäftsführerin"… da weiß man auch gleich an welche Zielgruppe sich das richtet. Nein Danke. Nicht, dass ich mit Frauen in solchen Berufen probleme hätte, ganz und garnicht. Aber wer es nötig hat, das raushängen zu lassen und damit öffentlich die Einstellung vetritt: "Ich bin was besseres und bilde mir was drauf ein." Das ist einfach unsympathisch. Genau so ekelhaft wie "Elitepartner" … "Akademiker ubd singles mit Niveau". Pfui Teufel! Weil Akademiker mehr als Menschen sind und Menschen in schlechter bezahlten Jobs kein Niveau haben, oder was?

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