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Widersprüchliche Ergebnisse

Kinder und Corona: Wie sieht es mit der Ansteckungsgefahr aus?

Kinder und Corona: Wie sieht es mit der Ansteckungsgefahr aus?

Schrittweise eröffnen Schulen und Kitas wieder. Während die einen darin ein großes Risiko sehen, sind andere erleichtert. Befeuert wird die Diskussion noch dadurch, dass bisher nicht wirklich klar ist, wie groß die Ansteckungsgefahr für Kinder ist und wie wahrscheinlich es ist, dass sie den Erreger mit nach Hause bringen. Diesen Fragen hat sich Virologe Christian Drosten nicht nur im NDR-Podcast „Coronavirus Update“ gewidmet, an der Charité führte er auch eine eigene Studie durch, um offene Fragen zu klären.

Von „Kinder können sich nicht anstecken“ bis zu „Kinder sind der größte Risikofaktor, weil sie das Virus unbemerkt weitergeben“ hat man in den letzten Wochen alles gehört. Dass Kinder sich sehr wohl infizieren können, ist mittlerweile klar. Trotzdem sind nur wenige Fälle von erkrankten Kindern bekannt. Bedeutet das, dass die Ansteckungsgefahr für sie besonders niedrig ist oder eher, dass sie nur so leichte Symptome haben und entsprechend seltener getestet werden? Und wenn letzteres der Fall ist, wie wahrscheinlich ist es dann wiederum für Erwachsene sich bei einem nicht getesteten Kind anzustecken? Das alles sind Fragen, die Forscher aktuell zu klären versuchen.

Infizieren Kinder sich seltener als Erwachsene?

Im NDR-Podcast stellte Christian Drosten zunächst eine interessante Haushaltskontaktstudie vor. Darin untersuchten Forscher, wie das Virus sich in Haushalten mit einer infizierten Person verbreitet. Das Ergebnis: Auch wenn die Infizierten sich größtmögliche Mühe geben, das Virus nicht an ihre Verwandten oder Mitbewohner weiterzugeben, liegt die Infektionsrate doch bei rund 15 Prozent – und das unabhängig vom Alter. Kinder stecken sich demnach genauso häufig an wie Erwachsene. „Es ist nichts Besonderes bei den Kindern zu beobachten. Das ist ein wichtiger Parameter“, fasste Drosten die Erkenntnisse aus der Studie zusammen.

Update: Doch schon in der nächsten Podcast-Folge gab es neue Informationen. Eine chinesische Studie kam zu ganz anderen Ergebnissen. Demnach steige die Gefahr, sich anzustecken mit dem Alter. Für Kinder könnte laut dieser Studie runtergebrochen nur ein Drittel des Infektionsrisikos eines Erwachsenen bestehen. Zu diesem Schluss kam das Forscherteam, nachdem über 1000 Menschen befragt wurden. Wenn zwei wissenschaftliche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, heißt das vor allem eins: Es muss noch weiter geforscht werden. Zudem haben die Studien nur untersucht, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kind sich ansteckt. Das klärt jedoch nicht die Frage, wie infektiös ein krankes Kind für einen Erwachsenen ist.

Zunächst gab es aus wissenschaftlicher Sicht nicht genügend Daten, um diese Frage mit Sicherheit beantworten zu können. Drosten erklärte, dass man davon ausgeht, dass die meisten erstinfizierten Personen in einem Haushalt diejenigen sind, die auch rausgehen. Also Erwachsene, die zur Arbeit müssen oder Einkäufe erledigen. Auch in der Anfangszeit des Virus waren es vor allem Heimkehrer aus dem Skiurlaub, die das Virus mit in die Haushalte brachten. „Wenn man jetzt Analysen von Übertragungsketten macht, dann kann man durchaus beobachten: Die Kinder stehen immer am Ende einer solchen Übertragungskette in Haushalten“, erklärt der Virologe. Nach der Öffnung von Schulen und Kitas, könnte sich dieses Muster jedoch schnell ändern.

Solange noch nicht alle Kinder wieder in die Schule oder in die Kita gehen dürfen, haben wir hier noch ein paar Tipps, wie du sie in der Quarantäne beschäftigen kannst:

Wie hoch ist die Viruskonzentration im Hals infizierter Kinder?

Solange Kinder sich meist nur über die eigenen Familienangehörigen infizieren, ist schwer zu sagen, wie ansteckend sie für nicht Infizierte Menschen sind. Zumindest, wenn man Übertragungsketten als Grundlage nimmt. Drosten geht jedoch auf eine weitere Messgröße ein: Die Konzentration von Viren im Rachen der infizierten Kinder. Bei vielen Viruserkrankungen wie der Grippe oder einer gewöhnlichen Erkältung ist diese vor allem bei kleinen Kindern wesentlich höher als bei Erwachsenen. Schließlich ist das Immunsystem der Kinder noch unerfahren, die Viren können sich also problemlos vermehren. Allerdings zeigen diese Krankheiten bei den jungen Patienten meist auch entsprechende Krankheitsverläufe und Symptome.

Wenn starke Symptome bei Corona ausbleiben, könnte man daraus auf eine geringere Virenkonzentration im Rachen und damit auch auf ein geringeres Potenzial, die Viren durch eine Tröpfcheninfektion weiterzugeben, schließen. Das war bisher aber eine rein hypothetische Annahme, da nur wenige Kinder überhaupt auf Corona getestet und Daten über die Virenkonzentration bisher nicht ausgewertet wurden.

Diesem Problem hat Drosten selbst sich nun mit seinem Team in der Charité angenommen. Das Ergebnis: Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern. Die Kinder haben demnach weder mehr, noch weniger Viren im Rachen und sind somit genauso ansteckend wie Erwachsene. Da sie jedoch oft keine Symptome zeigen, könnte die Chance, sich unbemerkt anzustecken höher sein. Experten raten deshalb von übereilten Kita-Öffnungen ab.

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istock/welcomia

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