Kleinkind mit drei Jahren stillen?

Auf dem aktuellen Cover des US-Magazins Time ist eine Mutter abgebildet, die ihren fast vierjährigen Sohn stillt. Damit entfacht das US-Magazin eine alte Debatte neu: Wie lange sollte ein Baby gestillt werden, das bereits ein Kleinkind ist?

Das Foto von Jamie Lynne Grumet (26) und ihrem Sohn Aram (3) aus Los Angeles befindet sich gerade auf einer kleinen digitalen Weltreise. Denn die beiden haben es auf das Cover des US-Magazins Time geschafft: Unter dem Titel „Are you mother enough?“ zeigt Grumet auf dem provokanten Titelbild, dass sie Aram noch stillt, obwohl er fast vier Jahre alt ist. Spiegel.de und time.com berichten.

Ein großes Kleinkind stillen: geschmacklos oder natürlich?

Die vielfältigen Reaktionen der Leser auf time.com zeigen, dass sowohl das Stillen in der Öffentlichkeit als auch das Langzeitstillen noch immer umstrittene Themen in den USA sind. Manche kommentieren das Bild als „geschmacklos” oder sogar „pornografisch“, andere bezeichnen das lange Stillen eines Kleinkindes als „natürlich.“

Grumet erklärte dem TV-Sender NBC, dass sie mit dem Foto ganz klar zeigen wollte, dass langes Stillen eine normale Option für eine Mutter sei. Deshalb stillt sie mit der vorhandenen Milch auch ihren fünfjährigen Adoptivsohn Samuel, der schon längst kein Kleinkind mehr ist.

Stillen stärke das Selbstbewusstsein des Kleinkindes

Die Entscheidung zum langen Stillen sei aus eigener Erfahrung entstanden: Auch Grumets Mutter habe sie über das Kleinkind-Alter hinaus bis zum sechsten Lebensjahr gestillt – bis sie sich „von alleine entwöhnte“. Gerne erinnert sich die 26-Jährige an das Gefühl, gestillt zu werden: „Es ist sehr warm, als würdest Du Deine Mutter umarmen. Ich hatte sehr viel Selbstvertrauen als Kind und ich weiß, ich hatte es deshalb.“

Für viele ein irritierender Anblick: Ein dreijähriger Junge steht neben seiner Mutter auf einem Stuhl und nuckelt an ihrer entblößten Brust.

Dies ist ein Ersatzbild. Das Titelbild des Time Magazines ist weitaus irritierender: Ein dreijähriger Junge steht neben seiner Mutter auf einem Stuhl und nuckelt an ihrer entblößten Brust.


Auch der US-Kinderarzt Dr. William Sears (72) ist der Auffassung, dass die Bindung der Kinder zu den Eltern eine wichtige Grundlage für emotionale Stabilität sei. Körperliche Nähe, z.B. durch gemeinsames Schlafen oder verlängertes Stillen, spiele dabei eine besondere Rolle. Dieses Verhalten beschreibt der Arzt „bindungsorientierte Elternschaft“ („attachment parenting“).

Kleinkind: Langzeitstillen selten in Deutschland

In Deutschland sind langzeitstillende Mütter selten, das zeigen die Zahlen der „Deutschen Stillkommission“. Nach der Geburt geben 90% der Mütter ihren Babys die Brust, nach zwei Monaten sind es noch 70%, nach sechs Monaten nur noch etwa die Hälfte. Kleinkinder werden kaum noch gestillt in Deutschland.

Weder die Kommission noch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennen jedoch ein Höchstalter, ab dem das Stillen abgebrochen werden sollte. Die WHO rät, Kinder bis zum Kleinkind-Alter von zwei Jahren zu stillen „oder darüber hinaus“.

Bildquelle: Yulya Shilova / Dreamstime.com


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Was denkst du?

  • yocolita am 14.09.2012 um 10:27 Uhr

    In meinen Augen ist es nicht so natürlich, wenn ein Kind von 3,4,5 Jahren, das schon laufen und sprechen kann und bereits den Kindergartenbesucht noch gestillt wird. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist das Kind einfach schon zu "alt". Könnte mir vorstellen, dass sich da irgendwelche psychischen Störungen entwickeln und es als Erwachsener seltsame Vorlieben und sonst was hat. Man kann ja auch auf andere Weise körperliche Nähe zum Kind haben, durch Kuscheln, zusammen spielen, etc. Genauso finde ich es nicht gut, wenn 3-Jährige noch mit einem Schnuller im Mund rumlaufen!!!

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  • utesagthallo am 25.05.2012 um 18:36 Uhr

    Ich finde, das sollte jede mutter selbst entscheiden!

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  • Mami_von_2 am 14.05.2012 um 16:38 Uhr

    Dieser Artikel hat mich auf die Palme gebracht. Ich habe 2 Kinder, eins konnte ich nicht stillen (Frühchen, Kaiseschnitt, etc.....) und das andere 3 Jahre lang bis er eines morges sagte, Mami, Millie alle, alle. Ich persönlich finde das stillen viel praktischer als die Zubereitung von Fläschen ist. Meine beide Kinder haben sich prächtig entwickelt. Das ist eine Entscheidung zwischen Mutter und Kind.

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