Schutz vor Krebs durch die HPV-Impfung

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 6000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Aktuelle Studien belegen die Wirksamkeit der HPV-Impfung gegen diese Krankheit.

Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) sind weit verbreitet. Einige sogenannte Hochrisiko-HPV-Typen können durch Geschlechtsverkehr übertragen werden und Gebärmutterhalskrebs auslösen. In Deutschland und 32 weiteren Ländern existieren daher
Impfkampagnen, die sich an Mädchen und Frauen im Alter von 9 bis 26 Jahren richten, die noch nicht sexuell aktiv sind. Zwei aktuelle Studien aus Schweden und Australien belegen die gute Wirksamkeit des HPV-Impfstoffes. Dennoch herrscht bei vielen jungen Frauen und ihren Eltern Unsicherheit darüber, ob eine Impfung ratsam ist. In Deutschland lag die Impfrate 2009 bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren je nach Region zwischen 20 und 46 Prozent.

Wie gut schützt die HPV-Impfung wirklich?

Laut Denise Nardelli-Haefliger vom Universitätsspital CHUV in Lausanne lassen sich aktuell noch keine konkreten Aussagen zur Wirksamkeit der HPV-Impfung machen. Der Impfstoff schützt nicht direkt vor Gebärmutterhalskrebs, sondern gegen eine Infektion mit humanen Papillomviren durch Geschlechtsverkehr, die jedoch für 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Junge Frauen, die sich vor 5 Jahren impfen ließen, kämen jetzt erst in das Ansteckungsalter und es könne weitere Jahre oder Jahrzehnte bis zur Bildung von tumorartigen Veränderungen dauern, so Nardelli-Haeflinger.

Zurzeit ist eine Prognose zur Wirksamkeit der HPV-Impfung deshalb nur anhand von mathematischen Modellrechnungen möglich. Rafael Mikolajczyk vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern auf diese Weise die möglichen Auswirkungen der HPV-Impfung in Deutschland für die nächsten 100 Jahre berechnet. Laut seinem Modell wird die Anzahl an Krebsfällen in diesem Zeitraum um etwa 37 Prozent absinken, vorausgesetzt, dass die Impfrate bei jungen Frauen um 50 Prozent liegt.

Eines der ersten sichtbaren Merkmale, an denen sich die Effekte der HPV-Impfung ermitteln lassen, ist die gute Wirksamkeit des Impfstoffs gegen Genitalwarzen, die durch aktuelle Studien aus Schweden und Australien belegt wird. Laut einer Studie von Rebecca Guy (University of South Wales, Sydney) sank die Anzahl der unter Genitalwarzen leidenden Frauen aller Altersgruppen in Australien zwischen 2007 und 2011 durch die Impfung von 9,6 auf 2,7 Prozent.

Impfung gegen humane Papillomviren

Die HPV-Impfung schützt junge Frauen vor einer Infektion mit humanen Papillomviren.


HPV-Impfung – in Zukunft auch für Männer?

In den USA und Australien wird zusätzlich empfohlen, auch Jungen zwischen 11 und 13 Jahren gegen HPV impfen zu lassen. Auf diese Weise soll die Immunität der Bevölkerung insgesamt erhöht werden. Anders in Deutschland. Aus gesundheitsökonomischer Sicht sei es nur dann sinnvoll, zusätzlich Jungen zu impfen, wenn die Impfraten der Mädchen sehr gering seien, sagt der Epidemiologe Mikolajczyk. Zudem ist ungewiss, ob es in Deutschland überhaupt gelingen würde, das andere Geschlecht einzubeziehen. Laut einer Umfrage der Universität München haben weniger als ein Drittel der deutschen Männer jemals etwas über HPV gehört, nur 14 Prozent der Befragten wussten über den Impfstoff Bescheid.

Die HPV-Impfung schützt junge Frauen vor einer Infektion mit humanen Papillomviren, die für 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Wie sich die Impfung tatsächlich auf die Anzahl der Krebsfälle auswirkt, kann nur durch Langzeitstudien ermittelt werden. Neue Studien aus Schweden und Australien geben allerdings erste Anhaltspunkte für die gute Wirksamkeit der HPV-Impfung.

Bildquelle: Austinadams

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