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Russland will Lebensmittel vernichten

Essen verbrennen?

Russland will Lebensmittel vernichten

Ab heute sollen in Russland Nahrungsmittel aus dem Westen vernichtet werden: Joghurt, Käse, Fleisch, Obst und Gemüse. Im vergangenen Jahr verhängte Staatspräsident Wladimir Putin ein Einfuhrverbot für Lebensmittel aus dem Westen. Seitdem wurden tausende Tonnen an der russischen Grenze abgefangen und konfisziert. Diese Sanktionsware soll nun vernichtet werden – zum Leidwesen der eigenen Bevölkerung.

Das Einfuhrverbot umfasst Lebensmittel aus Ländern, die auf Grund der Ukrainepolitik Moskaus Wirtschaftssanktionen gegen juristische wie natürliche Personen aus Russland verhängten. Zu ihnen zählen neben der Europäischen Union auch die USA, Kanada, Australien und Norwegen. Den Erlass, diese eingeschmuggelten Lebensmittel nun zu vernichten, unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin kürzlich. Wie die „Tagesschau“ berichtet, soll die Umsetzung am heutigen Donnerstag beginnen. Der Regierung stellt sich nun die Frage, wie die großen Mengen – der Zoll soll 26.000 Tonnen Sanktionsware beschlagnahmt haben – vernichtet werden sollen. Allerdings ist gibt es bislang keine konkreten Aussagen dazu, wie groß der Anteil dieser Waren ist, die letztlich tatsächlich unschädlich gemacht werden sollen.

Präsident Putin bei einer Pressekonferenz im Dezember 2014
Der russische Präsident Putin will illegal importierte Lebensmittel vernichten und zieht damit den Zorn seiner Bevölkerung auf sich

Die Vernichtung von Lebensmitteln erinnert an den Zweiten Weltkrieg

Mit diesem Vorgehen will die russische Regierung verhindern, dass die illegal eingeführten Lebensmittel auf dem Markt verkauft werden. Doch mit diesem Beschluss ziehen die Verantwortlichen den Unmut ihrer eigenen Bevölkerung auf sich, denn in der Föderation leben 20 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. Sie trifft das Embargo besonders hart, denn seit das Einfuhrverbot verhängt wurde, sind die Lebensmittelpreise deutlich gestiegen – und das Angebot ist rar. Im Interview mit der „Tagesschau“ sagt eine Moskauerin: „Ich denke, das ist Blödsinn, völliger Blödsinn. Wie kann man es sich leisten, Lebensmittel zu vernichten? Die sollen an Menschen in Heimen verteilt werden. Lebensmittel zu verbrennen – das verhöhnt die, die sich kein Essen leisten können.“ In Russland ist das Bild vom Hunger tief in das Gedächtnis der Gesellschaft eingebrannt. So kritisiert der Handelsexperte Wasilij Izkow das Vorgehen als Wiederbelebung des Hungers im Zweiten Weltkrieg: „Das ist ein großes moralisches Problem, diese Lebensmittel zu verbrennen. Denn wir erinnern uns an Leningrad und Stalingrad, zu dritt hatte man da eine Woche lang eine einzige Brotkruste zu essen. Für diese Menschen und für ihre Nachkommen ist es barbarisch, Essen zu verbrennen.“

Während in Frankreich ein Gesetz erlassen wurde, das es Supermärkten verbietet, ihre verwertbaren Lebensmittel zu vernichten, spielen sich in Russland ganz andere Szenarien ab. Politische Schachzüge und Machtdemonstrationen hin oder her, moralisch ist es recht fragwürdig, in einem Land mit 20 Millionen unter der Armutsgrenze lebenden Menschen Nahrungsmittel zu vernichten.

Bildquelle: iStock/NickolayV

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