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Wegwerf-Verbot für Lebensmittel?

Erste Schritte

Wegwerf-Verbot für Lebensmittel?

Diese Woche entscheidet das europäische Parlament darüber, ob der Einzelhandel in ganz Europa aussortierte Lebensmittel einfach entsorgen darf oder nicht. Auslöser war ein im Mai erlassenes Gesetz in Frankreich, das Supermärkte dazu verpflichtet, seine aus dem Verkauf genommenen Lebensmittel nicht mehr wegzuwerfen. Stattdessen müssen Brot, Obst und Co. nun an karitative Einrichtungen abgegeben oder recycelt werden. Für den Initiator Arash Derambarsh (35) war Frankreich allerdings nur der erste Schritt: Er möchte, dass kein europäischer Supermarkt noch genießbare Lebensmittel wegwirft.

Nach seinem Erfolg in Frankreich hat Arash Derambarsh, Stadtverordneter aus Courbevoie, nun ganz Europa auf dem Schirm. Er will, dass nicht nur in Frankreich, sondern auch im Rest Europas weniger noch genießbare Lebensmittel von den Supermärkten entsorgt, sondern anderweitig verwertet werden. Wie „The Guardian“ berichtet, hat er gemeinsam mit Aktivisten aus anderen europäischen Ländern eine weitere Petition gestartet, die innerhalb weniger Wochen mehr als 540.000 Menschen unterzeichneten.

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Jeden Tag werfen Supermärkte Unmengen Lebensmittel weg

Damit schafften er und sein Team es diese Woche bis zum europäischen Parlament: Stimmt es der Petition zu, landet der Fall bei der Europäischen Kommission, die anschließend Gesetzesvorschläge an die einzelnen Länder verschickt. Dann könnte es bald in ganz Europa heißen: Kein Supermarkt wirft mehr Lebensmittel weg. In Deutschland, so die „tz München“, bekommt Arash Derambarsh unter anderem Unterstützung von Claudia Ruthner (50). Die Verwaltungsangestellte des Tutzinger Gesundheitsamtes war schockiert über die Lebensmittelverschwendung und startete auf der Petitionsplattform change.org ihren eigenen Aufruf, um der unnötigen Lebensmittelentsorgung in Deutschland ein Ende zu setzen. Bis heute unterstützen über 26.200 Bundesbürger ihre Petition. Wegen der europaweiten Petition von Arambash könnte Ruthner ihre eigene Unterschriftenaktion eigentlich beenden, doch sie will sie weiter laufen lassen: „Wenn wir in Deutschland 100.000 Unterschriften gesammelt haben und sich eine Mehrheit der Bevölkerung bei einer repräsentativen Umfrage dafür ausspricht, muss sich der Bundestag damit beschäftigen“. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, dass Deutschland nicht auf den Gesetzesvorschlag der Europäischen Kommission warten muss, wenn er denn kommt.

Abgelaufene Lebensmittel im Supermarkt – was passiert damit?

Jeden Abend prüfen die Angestellten im Supermarkt die Waren in den Regalen, ob Brot, Butter und Bratwurst das aufgedruckte Mindeshaltbarkeitsdatum erreicht haben oder nicht. Ist es überschritten, werden die Lebensmittel aussortiert. In Deutschland und in anderen Ländern ist es bis heute größtenteils so, dass diese Produkte dann im Müll landen. Schlimmer noch: Einige Supermärkte übergießen diese Lebensmittel zusätzlich mit Chlor, um sie unbrauchbar zu machen und so zu verhindern, dass ihre Mülltonnen nach Verwertbarem durchsucht werden. Der Gesetzeserlass in Frankreich hat nun zumindest dort dafür gesorgt, dass Supermärkte Lebensmittel, die aus dem Verkauf genommen werden und nicht verdorben sind, noch Verwendung finden: Als Spende, Tierfutter oder als Kompostmaterial für die Landwirtschaft. Große Supermärkte mit einer Fläche von 400 Quadratmetern oder mehr müssen ihre aus dem Verkauf genommenen Lebensmittel an eine karitative Organisation spenden. Dabei muss natürlich zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Verbrauchsdatum unterschieden werden. Ersteres besagt, dass ein Produkt auch nach diesem Datum durchaus noch genießbar ist. Das Verbrauchsdatum („verbrauchen bis“) hingegen trifft auf leicht verderbliche Waren wie rohes Fleisch zu, die schnell gesundheitsgefährdend werden können. Letztere dürfen nach Überschreiten dieser Frist natürlich nicht mehr gespendet werden.

Frankreich geht voran – und Europa hoffentlich bald hinterher. Bereits heute gibt es in Deutschland vereinzelt Supermärkte und Bäckereien, die ihre Lebensmittel an die Tafel spenden. Dennoch landen Abend für Abend etliche Tonnen Nahrungsmittel im Müll, die eigentlich noch genießbar sind. Mit der europaweiten Petition gegen die Verschwendung von Lebensmitteln haben Menschen wie Derambarsh und Ruthner einen Stein ins Rollen gebracht, der hoffentlich bald zu einer Lawine wird.

Bildquelle: iStock/Bryan Alberstat

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