Coming In: Coming-out war gestern

Sich als schwul zu outen, ist ja schon lange nichts Außergewöhnliches mehr. Aber was passiert, wenn ein Bekennender und gefeierter Homosexueller plötzlich sein aufkeimendes Interesse am anderen Geschlecht entdeckt? Das könnte für einen handfesten Skandal sorgen! In „Coming In“ wird der Spieß umgedreht, wenn der schwule Tom sich wider Willen in die ausgeflippte Heidi verliebt. Am 23.10. startet die freche Komödie von Marco Kreuzpaintner („Sommersturm“, „Krabat“) in den deutschen Kinos.

Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist DER Star seiner Branche. Er ist Herren-Coiffeur und betreibt einen Edelsalon im Herzen von Berlin. Sein Erfolg reicht so weit, dass er seine eigene Shampoo-Linie herausgebracht hat, die wahnsinnig erfolgreich läuft. Aber leider nur für das männliche Geschlecht. Um so richtig abzusahnen, muss also auch ein entsprechender Ableger für die Damenwelt her! Kein Problem für Tom! Oder vielleicht doch – denn, was bisher noch nicht erwähnt wurde: Tom ist schwul und hat absolut gar keine Ahnung von der holden Weiblichkeit. Wie soll er also für diese Zielgruppe ein Pflegeprodukt entwickeln? Bevor die nackte Panik ausbricht, macht Tom das einzig Richtige: Er macht sich an die Feldforschung! Aus seinem erstklassigen Etablissement geht es schnurstracks in den kleinen unscheinbaren Friseurladen „Bel Hair“ im Multi-Kulti-Stadtteil Neukölln. Um nicht zu sehr aufzufallen, wird Tom kurzerhand zum Durchschnittshetero umgestylt. Eine absolut schreckliche Vorstellung! Doch die Kunden mögen den kumpelhaften Horst und die flippige und sympathische Besitzerin Heidi(Aylin Tezel)wirft bald ein Auge auf ihn. Tom geht es zu seinem Leidwesen aber ähnlich, denn auch er beginnt, Gefühle für Heidi zu entwickeln. Für den Vorzeigeschwulen eine verzwickte Situation!

„Coming In“ ab 23.10. im Kino.

Tom diniert als Horst mit Love-Interest Heidi

Coming In: Das beherzte Spiel mit Klischees

„Coming In“ ist eine romantische Komödie mit einem sehr gut aufgelegten Schauspielensemble.
Natürlich, wie es sich für das Genre der romantischen Komödie gehört, haben wir die typische Figurenkonstellation: Zwei Hauptpersonen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die zu Beginn selbstverständlich nichts verbindet, liebenswerte und teilweise überzeichnete Nebenfiguren, und eine überschaubare Entwicklung der Verzweigungen bis zum Happy End. In dieser Hinsicht erfindet „Coming In“ das Rad nicht neu. Aber Regisseur Marco Kreuzpaintner inszenierte seine Komödie als augenzwinkernden Spaß, der sich selbst nicht allzu ernst nehmen will.

Bei einem Film über Zwischenmenschliches und Homosexualität könnte schnell die Befürchtung aufkeimen, „Coming In“ könne einer solcher Filme werden, die einfach gängige Klischees und plumpe Witzen aus der schwulen und heterosexuellen Stereotypenkiste zaubern und darauf rumreiten. Das ist auch durchaus berechtigt, denn auf den ersten Blick wird bei „Coming In“ natürlich mit den Klischees nicht gekleckert, sondern geklotzt. Das geht schon bei Hauptfigur Tom los: Er ist absolut gepflegt und sehr auf sein Äußeres bedacht und sieht einfach nur modisch und schick aus. Wie es sich für einen männlichen Hairstylisten von Format gehört, ist er selbstverständlich so stockschwul, dass er von Frauen absolut gar keine Ahnung hat. Sein Freundeskreis ist da auch nicht viel besser, denn bei denen riecht man die Orientierung auch schon fünf Meilen gegen den Wind. Ob im Habitus oder in der Kleidung – es ist unübersehbar. 1:0 für die Heteros, könnte der Zuschauer jetzt sagen und sich freuen oder eben auch nicht, dass hier herzhaft über schrullige Schwule gelacht werden darf.

Aber Moment, „Coming In“ hat ja gerade erst begonnen. Im weiteren Verlauf wird sich nämlich noch zeigen, dass auch der heterosexuelle Mann nicht sonderlich lästerfrei wegkommt. Wenn Tom versucht, seine Homosexualität so gut es geht zu verbergen, dann kommt der Stereotyp zum Einsatz, der scheinbar vom durchschnittlichen heterosexuellen Mann in den Köpfen verankert ist: Er steht auf Fußball, sein Aussehen zeugt mehr oder weniger von Desinteresse an seiner Erscheinung und zu allem Übel hört er noch auf den klangvollen Namen Horst. Ein echter Kerl zum Liebhaben eben (Für alle Horsts da draußen: Das geht nicht gegen Euch, ist nur ein Stereotyp).
Und da haben wir das 1:1 – das Unentschieden – in der zweiten Halbzeit, denn dann werden exemplarisch die Vorurteile aufgeführt, die ein gepflegter Schwuler von einem gewöhnlichen Hetero haben könnte: Laut und ein wenig einfacher gestrickt. Da kann sich also niemand mehr beschweren. Ach ja, da fehlt ja noch das andere Geschlecht. Na die erst! Um Himmels Willen, Frauen sind ja die Schlimmsten von allen, denn die sind rechthaberisch, beherrschend und heulen andauernd rum. Keine Angst, sind ja alles nur Klischees, die „Coming In“ auch nicht allzu sehr auslatscht.
Es bleibt letztlich, wie so oft, die Aufgabe des Zuschauers diesen Film in der von ihm bevorzugten Form zu „lesen“. Ein Nörgler wird die ewigen Klischees anprangern, ein anderer wiederum könnte meinen, eine Gegenüberstellung verallgemeinernder, aber gängiger Vorstellungen zu sehen, die sich gegenseitig übereinander lustig machen und damit den Wind aus den Segeln nehmen. Der entspannte Typ Zuschauer wird sich einfach nett unterhalten lassen und über den Charme der gut harmonierenden Darsteller freuen. Und am Ende siegt sowieso immer die Liebe. Also wen juckt es da noch, ob jemand schwul oder hetero oder sogar völlig asexuell ist: Dieser Macht kann niemand auf diesem Planeten widerstehen! Auch nicht das Drehbuch von „Coming In“!

Wer nichts gegen augenzwinkernde Klischees hat, der wird an „Coming In“ kurzweiligen Spaß haben. Im Kern ist der Film eine romantische Komödie mit den bekannten Zutaten, die das Genre auszeichnet. Darüber hinaus weiß „Coming In“ durch seine ironische Behandlung von die sexuelle Orientierung betreffenden Vorurteilen und seine ausgesprochen charmanten Schauspieler zu überzeugen. Einem amüsanten und romantischen Komödienabend steht bei „Coming In“ zumindest nichts im Weg.

Bildquelle: facebook/Coming In Film

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