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Der Umgang mit Meghan Markle am Weltfrauentag zeigt, wie verbreitet Misogynie weiterhin ist

Paradox

Der Umgang mit Meghan Markle am Weltfrauentag zeigt, wie verbreitet Misogynie weiterhin ist

Am 8. März dominierten zwei Themen die Medien und sozialen Netzwerke. Der Internationale Frauentag und das langangekündigte Interview von Prinz Harry und seiner Frau Meghan. Das Resultat: feministische Aufrufe für mehr Gleichberechtigung auf der einen Seite, frauenverachtende Äußerungen gegen die Herzogin auf der anderen. Teilweise von den gleichen Medien. Nichts könnte besser zeigen, wie verankert misogyne Denkweisen in unserer Gesellschaft noch immer sind.

Seit die Schauspielerin Meghan Markle und Prinz Harry 2017 ihre Verlobung bekanntgaben, haben insbesondere die britische, aber auch die internationale Presse kein gutes Haar an der Amerikanerin gelassen. Man hätte glauben können, im 21. Jahrhundert sei es kein Skandal mehr, wenn ein britischer Prinz eine nicht adelige, schwarze Schauspielerin aus Amerika heiratet. Doch so weit ist die Monarchie wohl noch nicht. Zwar wurde Meghan öffentlich nie direkt für diese Eigenschaften angeprangert, indirekt waren sie jedoch stets Grund für Lästereien. Das bestätigte das Paar in ihrem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey nur noch einmal.

Meghan, die Schauspielerin

Doch anstatt die Vorwürfe ernst zu nehmen, werden die lang gehegten Vorurteile gegenüber der Herzogin nur weiter als Waffe genutzt. Meghan sei eben eine Schauspielerin, heißt es von vielen sogenannten Adelsexpert*innen. Sie wisse ganz genau, wie sie sich in Szene setzen und welche Emotionen sie zeigen müsse, um sich als Opfer darzustellen. Noch dazu suche sie nur die Aufmerksamkeit und könne es nicht ertragen, nach dem Austritt aus dem Kreis der Senior-Royals nicht mehr im Rampenlicht zu stehen. Ziemlich paradox, bedenkt man, dass Meghan und Harry im Interview erneut betonen, dass gerade die ständigen, diffamierenden Berichte über sie, sie zu diesem Schritt gezwungen haben.

Der Umgang mit Meghan ist leider symptomatisch für die misogynen Denkweisen, die in uns allen tief verankert sind. Die Vorurteile, die ihr begegnen, begegnen vielen Frauen noch immer täglich. Sie werden wegen ihres Jobs klein gemacht, ihre Sorgen werden nicht ernst genommen und ihnen wird vorgeworfen, ihre Emotionen gezielt einzusetzen, um andere zu manipulieren. Wenn Menschen Meghan all das vorwerfen, dann glauben sie, sie zu kennen, dabei kennen sie nur das Stereotyp der manipulativen Ehefrau, die ihren Mann für ihre Zwecke ausnutzt. Denn die meisten Spekulationen über die Herzogin sind haltlos und beruhen nur darauf, dass wir glauben, ein solches Verhalten sei eben typisch für eine Frau wie Meghan.

Hört auf, Meghan mit Kate zu vergleichen!

Im Interview sprach Prinz Harry auch an, dass er und sein Bruder sich auseinandergelebt hätten. Für viele ist ganz klar, wer daran schuld ist: Meghan. Denn von Anfang an sei sie neidisch auf Williams Frau Kate gewesen und hätte dieser die Zuneigung der britischen Presse nicht gegönnt. Dabei ist etwas ganz anderes das Problem: Die Presse hat Meghan und Kate von Anfang an miteinander verglichen. Anstatt zwei Frauen als Individuen zu sehen, hat sie aus ihnen Konkurrentinnen gemacht. Und da Kate bereits die Rolle der perfekten Prinzessin besetzte, wurde Meghan die der bösen Hexe zuteil.

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Wie das Verhältnis zwischen Meghan und Kate wirklich ist und welche Rolle Meghan, im Konflikt zwischen Harry und seinem Bruder spielte, darüber lässt sich nur spekulieren (und das wollen wir an dieser Stelle auf keinen Fall tun). Fest steht jedoch, dass es ein allgemeines Problem ist, dass aus Frauen in einer ähnlichen Position viel zu häufig Konkurrentin anstatt Gleichgesinnte gemacht werden. Wenn ich erzähle, dass ich fast ausschließlich mit Frauen zusammenarbeite, wird nicht selten gefragt, ob da nicht ständig Zickenkrieg herrsche. Wenn ich das verneine, sind viele erstaunt. Denn wir Frauen neigen nach allgemeiner Einschätzung dazu, schnell emotional zu werden. Und uns gegenseitig etwas zu gönnen, liegt scheinbar nicht in unserer Natur. Wie auch, wenn uns immer wieder vorgelebt wird, dass da eben nicht genug Platz für jede von uns ist?

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Der Fall Meghan ist symbolisch für eine misogyne Gesellschaft

Ich weiß nicht, was Meghan Markle für ein Mensch ist. Vielleicht stimmt all das, was die Presse über sie schreibt oder Menschen auf Twitter und Instagram über sie kommentieren. Doch wenn dem so ist, dann haben diese Menschen nur einen Glückstreffer gelandet. Denn sie können genauso wenig in Meghans Kopf reinschauen wie ich. Alles, was sie können, ist, frauenfeindliche Vorurteile auf ihre Stirn zu projektieren. Und solange das salonfähig bleibt, hat unsere Gesellschaft ein Problem mit struktureller Misogynie. Dass all diese Vorurteile zwischen Kommentaren, die sich am Weltfrauentag für mehr Gleichberechtigung einsetzen, Zustimmung finden, zeigt nur noch einmal mehr, dass wir nicht einen Tag im Jahr brauchen, an dem wir Frauen feiern, sondern dass wir 365 Tage im Jahr dafür kämpfen müssen, diese Denkmuster zu brechen. Der 8. März ist nur ein Tag, der uns das zumindest einmal im Jahr ins Gedächtnis ruft.

Bildquelle:

Getty Images/Handout

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