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Ladylike im Interview: "Wir wollen keine Roboterfrauen!"

Ladylike im Interview: "Wir wollen keine Roboterfrauen!"

Yvonne und Nicole betreiben den Podcast „Ladylike", in dem sie offen und tabulos über Sexthemen sprechen. Wir haben die beiden zum Interview getroffen um herauszufinden, wie sie zum Podcast gekommen sind, was ihre Familie zu ihrem Job sagt und ob es manchmal auch Themen gibt, die ihnen unangenehm sind.

desired: Seit wann gibt es euren Podcast und worum geht es genau?

Yvonne: Den Podcast „Ladylike" gibt es inzwischen über zwei Jahre. Nicole und ich haben in unserer Freizeit festgestellt, dass es so viele Themen gibt, über die wir uns gerne unterhalten – auch über Liebe, Sex und Erotik. Das sind Themen, die alle betreffen, über die Frauen aber viel zu wenig sprechen. Darum haben wir uns dazu entschlossen, den Podcast zu gründen und öffentlich über diese Themen zu reden. Das Spannende ist: Yvonne ist homosexuell, liebt also Frauen, und Nicole ist verheiratet mit einem Mann und hat zwei Kinder - da gibt es einige Gegensätze.

Den Podcast Ladylike findest du bei Spotify, iTunes oder Youtube.

Was war für euch die größte Herausforderung zu Beginn des Podcasts?

Nicole: Die größte Herausforderung war, dass es schon sehr intim ist. Man ist ganz nah bei seinem Hörer und man muss sich ihm öffnen, sonst macht es keinen Sinn. Die Leute kommen zu uns mit ihren Sorgen und Fragen, sie machen sich quasi nackig. Da schulden wir unseren Hörern eine ehrliche Antwort. Am Anfang war es nicht leicht, immer ehrlich und offen bei allen Themen zu sein. Inzwischen geht das meistens sehr gut, aber es gibt immer noch Momente, wo man kurz zusammenzuckt und überlegt ‚Will ich das jetzt wirklich erzählen?‘. Aber wir sind es unseren Hörern schuldig. Das macht auch den Reiz der Sache aus.

Yvonne: Wir lassen im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter. Es sind Themen, über die die wenigsten Leute so offen reden. Wir wollen darüber so normal reden, wie übers Einkaufen oder übers Verreisen. Sexualität gehört zum Leben dazu und sollte selbstverständlich sein, sie ist es aber nicht. Wir merken auch, dass wir im Podcast immer wieder an Grenzen kommen. Ich hab zum Beispiel Schwierigkeiten über das Thema Regelblutung zu sprechen, Nicole gar nicht. Über Sexstellungen und Partner spreche ich hingegen sehr offen und gerne. Es ist unsere Mission den Leuten zu sagen: Sprecht darüber! Denn offensichtlich suchen viele Hörer Rat bei uns, da sie mit anderen nicht so offen über Sex reden können.

Bekommt ihr neben den vielen positiven Zuschriften denn auch mal negatives Feedback?

Nicole: Damit haben wir gerechnet, da wir ja schon seit vielen Jahren in den Medien tätig sind und man eigentlich immer auch negatives Feedback bekommt. Bisher ist aber fast nichts gekommen. Wir beantworten alle unsere Mails akribisch, aber statt Kritik bekommen wir viele Themenvorschläge, Fragen und positives Feedback. Man merkt, dass man Teil einer richtigen Gemeinschaft ist.

Yvonne, du sprichst im Podcast sehr offen über deine Homosexualität. Man hat oft den Eindruck, dass in der Öffentlichkeit noch wenig Wissen zur weiblichen Homosexualität vorhanden ist und viele Fragen offen sind. Welches Feedback bekommst du konkret zu dem Thema?

Yvonne: Ich bekomme viel Feedback – insbesondere von denen, die gerade ihre Homosexualität entdecken und sich fragen ‚Wie schlafe ich mit einer Frau?‘ ‚Wie ist das erste Mal?‘ ‚Was macht man beim lesbischen Sex eigentlich genau?‘. Sie fragen gerne nach meinen Erfahrungen oder was ich ihnen in konkreten Situationen empfehle. Es besteht einfach viel Halbwissen über die Homosexualität. Viele denken: Wenn nichts reingesteckt wird, dann ist es kein Sex und Lesben machen nur Heavy-Petting. Das ist für mich schlimm zu hören, denn es geht doch eigentlich um die Vereinigung von Körpern. Da muss ich manchmal tatsächlich viel Aufklärungsarbeit leisten. Ich versuche ja auch immer noch, Nicole zu überzeugen, aber bisher hat es noch nicht geklappt. (beide lachen)

Wie reagieren eure Familien, Freunde und Partner darauf, dass ihr so viel Privates in der Öffentlichkeit preisgebt?

Nicole: Meine Kinder sind in einem Alter, wo es noch nicht ihr Thema ist und sie hören den Podcast auch nicht. Mein Mann sagt immer: ‚Musst du wirklich immer alles erzählen? Kannst du nicht mal was für dich behalten?‘ Aber er hat sich mittlerweile daran gewöhnt und eigentlich findet er es auch gut. Denn er ist auch der Meinung, dass das Thema mehr an die Öffentlichkeit getragen werden muss.

Yvonne: Meine Freundin und ich sind schon 13 Jahre zusammen. Oft kommt sie heim und sagt: ‚Aha! So war das also damals bei dir!‘, wenn wir im Podcast mal wieder über alte Themen von früher gesprochen haben. Da muss ich meistens erst mal überlegen, was ich da schon wieder erzählt habe. (lacht) Viele ihrer Arbeitskollegen hören den Podcast auch und kommentieren dann: ‚So läuft das also bei euch zuhause!‘ Da wird sie auch schon mal rot, weil sie eigentlich nicht so gerne in der Öffentlichkeit über Sex redet. Aber mich bestärkt sie darin total und sagt uns immer wieder, dass es toll ist, was wir tun, und wir auf jeden Fall durchhalten sollen, auch wenn wir gerade am Anfang oft belächelt wurden.

Von wem wurdet ihr belächelt und weshalb?

Yvonne: Viele haben gesagt: Ein Podcast über Sex, das ist doch kein Thema! Muss das wirklich sein? Das ist doch peinlich! Erst mit dem Erfolg kam dann auch die Anerkennung. Aber das ist ja bei Pionieren häufig so.

Ihr sagt selbst, dass euch das Thema Empowerment wichtig ist. Wie tragt ihr mit eurem Podcast dazu bei?

Nicole: Indem wir versuchen – zunächst mal verbal – die Fesseln zu lösen, in denen wir uns immer noch befinden. Ein Mann kann zum Beispiel durchaus damit angeben, wie toll er im Bett ist und wie viele Frauen er schon vernascht hat. Wenn eine Frau das macht, dann ist klar, in welche Schublade sie gesteckt wird. Frauen sollen bestimmte Dinge nicht tun, um sich bloß keinen falschen Ruf zu erarbeiten. Das allein ist ja schon Schwachsinn. Wir Frauen sollten genau so frei wie alle anderen darüber reden, wie wir uns im Bett verhalten, welchen Sex wir mögen usw. Das möchten wir unterstützen und den Frauen die Angst nehmen, dass sie sich das nicht trauen dürfen und sich anders als Männer verhalten müssen. Wir sagen: Macht es euch leichter, redet mit Freunden über Sex! Es ist nichts Peinliches, es ist ganz normal!

Yvonne: Hinzu kommt das Körperempfinden von Frauen. Warum müssen wir stets einem Schönheitsideal entsprechen, wo hingegen alte Männer oder dickbäuchige Männer jede Menge Sex mit Frauen haben und es keinen interessiert, wie sie aussehen. Und wir Frauen müssen immer einem Ideal entsprechen? Nein, müssen wir nicht! Wir finden, wer einen dicken Po hat – super! Cellulite? Egal, das gehört dazu! Ein Bauch? Wunderschön! Ob große Brüste, kleine Brüste, ganz egal. Jede Frau soll sich so wohlfühlen wie sie ist, denn jede ist individuell und schön so wie sie ist. Wir wollen keine Roboterfrauen, wir feiern die Weiblichkeit in all ihren Facetten.

Ein schönes Schlusswort, das wir so nur unterschreiben können. Vielen Dank für das interessante Interview und viel Erfolg weiterhin mit eurem Podcast. Die desired-Redaktion hört gespannt zu.

In unserer Themenreihe „EmpowHER” kommen Frauen zu Wort, die etwas zu sagen haben. Frauen, die uns mit ihren Geschichten inspirieren, zum Staunen bringen, Mut machen und zum Nachdenken anregen.

Bildquelle:

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