To The Bone Lilly Collins
Nina Rölleram 04.07.2017

Während immer noch über die Ausstrahlung der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ diskutiert wird, folgt nun der nächste Aufreger: Auf Netflix wird bald der Spielfilm „To The Bone“ herausgegeben, der angeblich Magersucht verharmlosen oder gar verherrlichen soll. Anstelle einer aufklärenden Doku wird das Thema Essstörung hier in einer Tragikomödie mit Lilly Collins und Keanu Reeves in den Hauptrollen gezeigt. Worum es in „To The Bone“ genau geht und ob der Film wirklich so problematisch ist, erfährst du hier.

To The Bone Lilly Collins

Die Hauptdarstellerin Lilly Collins hatte in ihrer Vergangenheit mit Essstörungen zu kämpfen.

Darum geht es in der neuen Tragikomödie von Netflix

Nachdem erst letzte Woche die Netflix-Eigenproduktion „Okja“ erschienen ist, in dem Lilly Collins ebenfalls zu sehen ist, erwartet euch bald schon der nächste große Spielfilm. In „To The Bone“ geht es um die Geschichte der jungen Ellen, die nach mehreren gescheiterten Therapieversuchen immer noch an einer Essstörung leidet. Der Film zeigt eindrücklich das problematische Verhältnis, das Ellen zu Essen und ihrem Körper hat und wie sie sich schließlich doch noch für eine unkonventionelle Therapie entscheidet. In dieser wird sie durch einen charismatischen Arzt, gespielt von Keanu Reeves, unterstützt.

Bei „To the Bone“ handelt es sich um das filmische Regiedebüt von Marti Noxon, die darin auch ihre eigenen Erfahrungen mit der Magersucht verarbeitet. Doch nicht nur die Regisseurin und Drehbuchautorin Marti Noxon hat einen persönlichen Bezug zu dem Film. Auch die Hauptdarstellerin Lilly Collins hat in ihrer Jugend schmerzliche Erfahrung mit Anorexie gemacht und bezeichnet „To The Bone“ daher als ihr bislang persönlichstes Projekt. Vorab kannst du mehr über Lilly Collins Magersuchts-Erfahrungen in ihrem kürzlich erschienenen autobiografischen Essay-Band „Unfiltered“ erfahren.

Bis zum Filmstart musst du dich noch bis zum 14. Juli gedulden. Da die Tragikomödie bereits im Vorfeld für reichlich Diskussionsstoff sorgt, solltest du dir aber besser vorher den Trailer ansehen:

Thinspiration für Magersüchtige?

Während es den Machern „To the Bone“ darum geht, eine gesellschaftliche Debatte über das Tabu-Thema Essstörungen ins Rollen zu bringen, laufen Kritiker bereits im Vorfeld Sturm. Alleine der Trailer sorgt auf Twitter bereits für reichlich Empörung. Die Darstellung der zwar kranken aber dennoch attraktiven Ella bereitet vielen Sorge, wie dieser Twitter-Post zeigt: „Man kann jetzt schon sehen, dass ‘To the Bone’ einfach eine weitere Serie sein wird, die psychische Erkrankungen romantisiert und die gefährlich für diejenigen mit Essstörungen sein kann.“

Für die Rolle der magersüchtigen Ella musste sich Lilly Collins natürlich auch auf ein ziemlich niedriges Gewicht runter hungern. Die britische Schauspielerin hat aber in Interviews bereits klargestellt, dass dies unter strenger ärztlicher Aufsicht geschah und sie dabei kein spezifisches Gewicht erreichen musste. Außerdem wurde mit entsprechendem Make-up und CGI-Technik in den besonders drastischen Szenen nachgeholfen. Obwohl Collins wieder ihr Normalgewicht auf den Rippen hat, macht sich so manch einer Sorgen darüber, dass gerade eine Schauspielerin mit Anorexie-Erfahrungen ausgewählt wurde: „’To the Bone’ ist sowieso schon ein totaler Fehlgriff, doch warum zur Hölle musste eine ehemalige Essgestörte so viel Gewicht für eine Rolle verlieren?“

Die größte Angst der Kritiker ist, dass der Film genau das Gegenteil von dem bezwecken wird, was Collins und Noxon beabsichtigen. Anstatt eine notwendige Debatte über die Gefahr von Essstörungen auszulösen, könnte er gefährdeten Personen auch als Inspiration dienen, wie dieser verstörende Twitter-Post zeigt: „Ich würde ‘To The Bone’ gerne schlechtreden, aber ehrlich gesagt sieht Lily Collins darin so übertrieben gut aus, dass ich ihn als Thinspo nutzen werde.“ Da wir keine Social Media-Accounts promoten wollen, die Essstörungen glorifizieren, verzichten wir an dieser Stelle auf eine Verlinkung. Was es mit sogenannten Thinspiration-Posts auf sich hat und wie schmal der Grat zwischen Fitspo und Thinspo ist, erklären wir die hier. Doch nicht nur auf Twitter wurde Kritik an dem Film laut. Mittlerweile wurde bereits eine Petition auf Change.org gestartet, die Netflix davon überzeugen will, von der Veröffentlichung abzusehen.

Zuspruch für „To The Bone“

Ich persönlich kann zwar durchaus verstehen, dass das Thema Essstörung äußerst heikel ist und insbesondere die Form der Tragikomödie auf den ersten Blick ungeeignet scheint. Jedoch bin ich schwer dafür, dem Film eine Chance zu geben. Schließlich basiert die derzeitige Kritik lediglich auf dem Trailer und es werden vorab Urteile gefällt, die womöglich gar nicht gerechtfertigt sind. Ein bisschen verwundert die derzeitige Welle der Empörung mich auch, schließlich ist es bei Weitem nicht das erste Mal, dass Magersucht filmisch dargestellt wird. Selbst in den Jugendserien „Skins“, „Pretty Little Liars“ oder „Dance Academy“ werden essgestörte Mädchen gezeigt.

Lilly Collins scheint sich der Sensibilität des Themas zudem durchaus bewusst zu sein. Auch für sie sei die Beschäftigung mit Anorexie während der Dreharbeiten schmerzhaft gewesen. Um jedoch ein gesellschaftliches Bewusstsein für diese ernst zu nehmende Erkrankung zu schaffen, müsse die Beschäftigung auch ein Stück weit wehtun, wie sie in diesem Interview verrät:

Bereitet dir „To The Bone“ auch solche Bauchschmerzen oder findest du die Empörung übertrieben? Man kann sich durchaus fragen, inwieweit es hilfreich ist, bestimmte Tabuthemen medial zu verbannen oder ob eine filmische Konfrontation nicht auch produktiv sein kann. Verrate uns in den Kommentaren, was du von der Diskussion hältst!

Bildquellen: Getty Images/ALBERTO PIZZOLI, Getty Images/Christopher Polk

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