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Kommentar

Alle allein zu Haus: Warum Corona uns besinnliche Weihnachten beschert

Alle allein zu Haus: Warum Corona uns besinnliche Weihnachten beschert

Die steigenden Corona-Fallzahlen und die näher rückenden Feiertage werfen bei immer mehr Menschen die Frage auf, wie und ob sie Weihnachten mit ihrer Familie verbringen können. Während viele immer größere Angst haben, dass 2020 auch Heiligabend ins Wasser fallen könnte, glaube ich, dass die Krise uns zum ersten Mal wirklich besinnliche Weihnachten bescheren kann. 

Weihnachten – eine Krise für sich

Jahr für Jahr erinnert Weihnachten ein bisschen mehr an das Fernsehprogramm während der Feiertage: Ein buntes Potpourri aus Kindheitserinnerungen und Wiederholungen aus den letzten Jahren. Kein Wunder also, dass man sich irgendwann heimlich dabei erwischt, wie man versucht, die endlosen Familiendiskussionen, die immer wieder in Streit enden, am liebsten mit der Fernbedienung umzuschalten. Wenn das mal nur so einfach wäre. Stattdessen switchen wir zwischen Sissi und Aschenbrödel von einer Dauerschleife zur nächsten. Während die eigenen Geschwister mit ihren Ehepartnern wieder einmal wegen der Kinder streiten, die in der Zwischenzeit kurz davor sind beim Spielen mit dem Adventskranz die halbe Wohnung abzufackeln, die Großeltern immer wunderlicher werden und die Eltern in der Küche lauthals darüber diskutieren, was denn bloß die Nachbarn wieder denken sollen, wenn sie all das mitbekommen. Ja, Weihnachten ist doch immer wieder die schönste Zeit im Jahr. So ruhig und so besinnlich. Eben nicht, viel mehr sind die Feiertage eine ganz eigene Krise für sich.

Corona als Ausbruch aus der Dauerschleife

Obwohl wir jedes Jahr, wenn wir nach den Weihnachtstagen wieder in unseren eigenen vier Wänden ankommen, das große Bedürfnis nach einem Luxus-Wellness-Urlaub oder einer einsamen Hütte in den Bergen verspüren, finden wir uns im nächsten Jahr doch auf der Fahrt zu unserer Familie wieder. In diesem Jahr jedoch, ist noch alles ungewiss. Sollte der Lockdown Light eigentlich dafür sorgen, dass wir Weihnachten auch 2020 unbeschwert mit unserer Familie feiern können, steigen die Corona-Fallzahlen stattdessen immer weiter. Was genau das für die Feiertage bedeuten wird, weiß noch niemand. Doch die Angst, in diesem Jahr könnte nach ausgefallenen Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Familienfeiern auch noch Weihnachten ins Wasser fallen, wird größer. Aber wieso eigentlich? Schließlich könnten all die Beschränkungen Weihnachten endlich aus der nicht endenden Dauerschleife reißen und für ein wirklich besinnliches Fest sorgen. Wer sich zuvor nie traute, seiner Familie zu sagen, dass man die Feiertage lieber allein verbringen möchte, hat in diesem Jahr die beste Gelegenheit dazu!

Die geliebte Vorweihnachtszeit

Nicht nur das, denn auch die Vorweihnachtszeit wird viel entspannter als sonst: In diesem Jahr wird es keine Weihnachtsfeiern geben, auf denen der Wein wie aus Fässern fließt und die Kollegen auf den Tischen tanzen – und sich der ein oder andere am nächsten Tag nicht mehr ins Büro traut. Keine Weihnachtsmärkte, auf denen wir uns durch Menschenmassen drängeln, um überteuerten und gestreckten Glühwein zu trinken und angebrannte Mandeln zu essen. Keine ausschweifenden Shopping-Touren in überfüllten Kaufhäusern, um durch überteuerte Weihnachtsgeschenke unseren Konsum noch ein kleines bisschen mehr zu steigern. Und in der Kirche werden am Heiligen Abend, wenn überhaupt, nur Lieder mit aerosol-armen Zeilen gesungen. Was klingt wie der Wunschtraum vom Grinch, könnte in diesem Jahr Realität werden.

Weihnachten 2020: Alle allein zu Haus

Stattdessen können wir in diesem Jahr ganz im Sinne von Kevin McCallister Weihnachten allein zuhause verbringen. Zwar haben wir in den letzten Monaten immer wieder viel Zeit in unserer Wohnung verbracht – und das nicht nur in unserer Freizeit, sondern viele auch durch die Verlagerung ihres Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände – aber haben wir diese auch wirklich genutzt, um uns zu entspannen? Nein, haben wir nicht. Die Coronakrise hat uns nicht nachhaltig entschleunigt, denn während der gesamten Zeit waren wir nur damit beschäftigt, danach zu suchen, was wir als nächstes machen können. Keine Frage, Nichtstun ist immer dann am schönsten, wenn man eigentlich keine Zeit dazu hat, doch gab es noch nie eine bessere Gelegenheit als diese.

Weniger Streit, mehr Zeit zu zweit

Wieso die Vorweihnachtszeit nicht mit endlos langen Spaziergängen mit einem Thermobecher selbstgemachtem Glühwein (mit Schuss) verbringen. Wer für noch weniger Stress die Geschenke nicht gleich ganz abschaffen möchte, kann die Wochenenden mit gemütlichen Bastelaktionen verbringen, um Geschenke selber zu nähen oder bereits einige Zeit zuvor Adventskalender selbst zu basteln. Wunderschöne Pakete vorbereiten und Weihnachtskarten an die Familie zu schreiben, die wir in diesem Jahr nicht sehen werden. Oder Filmabende voll mit Weihnachtsfilmen und -serien, die wir nicht schon tausende Male gesehen haben.

Zeit für neue und eigene Traditionen: Weihnachten auf dem Sofa mit Popcorn statt Lebkuchen.

Weihnachten allein daheim würde bedeuten, dass es in diesem Jahr keinen Streit darüber gibt wo und mit wem die Feiertage verbracht werden, über die Planung der Besuchstermine, oder darüber, dass an den Feiertagen kein Freiraum für einen selbst bleibt. Einzig und allein bei Fragen über die Größe und Gestaltung des Tannenbaums könnte es auch in diesem Jahr schwierig werden.

Rockin' (alone) around the Christmas tree

Stefan Uhr
Stefan Uhr

Und auch an Weihnachten selbst, ist 2020 die Chance für neue Traditionen und zwar ganz eigene. Genug von Würstchen mit Kartoffelsalat? Wieso nicht einmal ein neues Weihnachtsessen ausprobieren. Holt die Diskokugel aus dem Keller und schmeißt die Musik anstatt des Fernsehers an. Das Jahr, das für viele Menschen von uns – egal ob erkrankt, genesen oder gesund – sicherlich eines unserer bisher schwersten war, sollte mit einer Feier enden. Eine Feier, wie man sie sich selbst wünscht. Ganz ohne Streit, Kompromisse oder Tränen. Und wenn doch welche fließen, dann, weil es so schön ist, einfach nur um den Weihnachtsbaum zu tanzen.

Bildquelle:

imago images / svetikd

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