Offene Beziehung
Katja Gajekam 10.04.2017

Wenn man sich für eine Beziehung entscheidet, gibt es ab diesem Zeitpunkt nur noch den Einen, dem man treu zu sein hat. Das ist jedenfalls die gängige Ansicht von einer funktionierenden Partnerschaft. Doch nicht alle sehen das so: Immer mehr Paare entscheiden sich für eine offene Beziehung. Aber kann Liebe ohne Treue auf Dauer wirklich gut gehen? Was muss passieren, damit die offene Beziehung nicht zur Belastung wird?

Ist der Mensch überhaupt für monogame Beziehungen gemacht? Diese Frage beschäftigt unsere Gesellschaft bereits sehr lange und immer wieder aufs Neue. Für viele ist die Vorstellung, für den Rest des Lebens mit demselben Partner Sex zu haben, irgendwie erschreckend endgültig. Da ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen, die in einer festen Beziehung leben, fremdgehen. Wer diesen Vertrauensmissbrauch weder sich selbst noch dem geliebten Menschen antun möchte, steht oft vor der Frage: Was spricht eigentlich gegen eine offene Beziehung? So einiges, wenn man mal ehrlich ist: Die eigene Eifersucht, Besitzansprüche, Verlustängste oder ganz einfach nur die romantische Vorstellung von der großen, einzigartigen und ewig andauernden Liebe. Aus diesen Gründen kommt eine offene Beziehung für viele Paare daher nicht infrage.

Was ist eigentlich eine offene Beziehung?

Anders als eine konventionelle Partnerschaft zeichnet sich eine offene Beziehung oder auch offene Ehe dadurch aus, dass sexuelle Kontakte zu anderen Menschen ausdrücklich gestattet sind. Das heißt: Es gibt kein Fremdgehen und auch keine Heimlichtuereien. Stattdessen halten sich die Partner an klare Absprachen. Die Grundvoraussetzungen dafür, dass solch eine lockere Partnerschaft wirklich funktioniert, sind also bedingungsloses Vertrauen, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, über seine Gefühle zu sprechen. In der Theorie ermöglicht eine offene Beziehung aufregende Abenteuer mit wechselnden Sexualpartnern und gleichzeitig die vertraute Geborgenheit beim geliebten Menschen. Vorausgesetzt, die offene Beziehung funktioniert tatsächlich!

Offene Beziehung: Was sind die Regeln?

Was ist möglich? Was ist tabu? Dafür gibt es kein allgemein gültiges Gesetz. Die Regeln zum Führen der offenen Beziehung legt jedes Paar für sich selbst fest. Diese sollten allerdings klar formuliert sein, sonst kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Eine offene Beziehung muss nicht gleichbedeutend mit einem Freifahrtschein des Partners sein:

  • Darf man den Sex nur auf eine andere Person beschränken?
  • Ist es egal, mit wie vielen Frauen bzw. Männern der Partner schläft?
  • Wie weit darf man mit der anderen Person gehen?
  • Darf man auch eine emotionale Bindung eingehen?
  • Wie sehr darf die Beziehung für andere vernachlässigt werden?
  • Wie viele Details darf der Partner über andere sexuelle Abenteuer wissen?

Klare Formulierungen und stetiges miteinander Reden erleichtern allen Beteiligten eine offene Beziehung.

Trennung

Verliebt sich einer der Partner in jemand anderen, war es das meist mit der offenen Beziehung.

Beim „Fremdlieben“ hört der Spaß auf

Für die meisten Paare ist es wichtig, dass beide Partner der eigentlichen Beziehung immer die höhere Priorität geben. Schließlich sollten die sexuellen Beziehungen abseits der eigenen die Hauptbeziehung bereichern und keinesfalls eine Belastung sein. Doch wenn bei der sexuellen Beziehung plötzlich auch Liebe ins Spiel kommt, wird es schwierig – dann muss eine Entscheidung her. Wie in jeder anderen Beziehung kann es auch in einer offenen Beziehung dazu kommen, dass sich einer der Partner in jemand anderen verliebt. Allerdings bietet eine offene Beziehung natürlich viel mehr Möglichkeiten zur Neuorientierung. Tritt dieser Fall ein, bedeutet das meist das Ende der Partnerschaft, da es sich dann um emotionale „Untreue“ handelt, welche auch in der offenen Beziehung nichts zu suchen hat.

Vorteil: Kann eine offene Beziehung auch gut gehen?

Leider ist es in der Liebe nie einfach. Eine offene Beziehung kann die Lage aber oft noch verkomplizieren. Manche Partnerschaften profitieren hingegen von dieser Beziehungsform und machen positive Erfahrungen, da wichtige Bedürfnisse und Wünsche gestillt werden können – wenn auch von anderen Partnern. Wichtig ist, dass sich beide Partner mit der Entscheidung wohl fühlen. Schließlich ist nicht jeder Mensch für eine offene Beziehung geschaffen – darüber sollte man sich rechtzeitig im Klaren sein. Wenn Du und Dein Partner mit dem Gedanken spielt, ebenfalls eine polygame Beziehung einzugehen, solltet Ihr sicher sein, dass Ihr beide mit dieser Art des Zusammenseins klarkommt und auch beide bereit dafür seid.

Eine offene Beziehung kann Vor-, aber auch Nachteile haben. Nur wenn klar ist, dass das „Öffnen“ der Beziehung für beide Seiten eine Bereicherung ist, sollte man diese Möglichkeit in Betracht ziehen – sonst ist die vermeintliche „Rettung“ durch eine offene Beziehung der erste Sargnagel für die bestehende Partnerschaft.

Bildquellen: iStock/g_studio, iStock/AntonioGuillem

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