Verlustangst
Katja Gajekam 04.01.2017

Jeder von uns kennt das Gefühl, einen anderen Menschen so sehr zu lieben, dass allein der Gedanke an dessen Verlust einem Bauchschmerzen bereitet: Diese Verlustangst tritt vor allem in Beziehungen oder bei Familienmitgliedern auf, kann aber auch auf den Job gerichtet sein und mit Existenzangst einhergehen. Doch woher kommt sie? Wie geht man am besten mit ihr um? Und was tue ich, wenn sie krankhaft geworden ist? Wir haben das Thema etwas näher erforscht und die Ergebnisse für Dich zusammengetragen.

Wenn einem etwas oder jemand wichtig ist, ist es völlig normal, dass man sich in gesundem Maße darum sorgt, daran festhält und es, ihn oder sie nicht verlieren will. Dennoch hat jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit Verlusten zu kämpfen und muss lernen, mit ihnen umzugehen. Aus dem Weg gehen können wir Verlusten nicht, sie lassen sich nicht vermeiden. Schließlich ist nichts für die Ewigkeit. Freundschaften und Beziehungen können nach einer gewissen Zeit enden und auch der Tod gehört zum Leben dazu. Doch was passiert, wenn uns die Verlustangst innerhalb einer Beziehung in Panik versetzt, obwohl der Verlust noch gar nicht eingetreten ist? Bereits der Dalai Lama stellte fest: „Die meisten unserer Probleme rühren von unserem leidenschaftlichen Verlangen, uns an etwas fest zu klammern, das wir fälschlicherweise als dauerhaft annehmen.“ Krankhaftes Klammern an eine geliebte Person und Eifersucht können fatale Folgen von Verlustangst sein, welche die Beziehung in hohem Maße belastet und im schlimmsten Fall genau das Gegenteil von dem bewirkt, was wir eigentlich wollen. Die Verlustangst wird dadurch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Zudem ist sie verantwortlich für kontinuierliche Sorgen und ein belastendes Alltagsdasein.

Nachdenkliche Frau

Verlustangst kann schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Die Symptome von Verlustangst

Viele Menschen machen ihr Glück von äußeren Umständen abhängig, klammern sich an diesen fest und haben ständig Angst, es wieder zu verlieren. Verlustangst tritt insbesondere dann auf, wenn die Gefühle zum Partner sehr stark sind. Kreisende Gedanken um die Befürchtung, den Partner zu verlieren, versetzen Betroffene in ängstliche Unruhe. Genüge ich den Ansprüchen meines Partners? Bin ich attraktiv, lustig, sportlich oder erfolgreich genug? Je weiter sich diese Gedankenspirale dreht, desto größer wird die Angst vor Verlust und desto schwerer wird es vor allem für den anderen Partner, die Beziehung aufrechtzuerhalten. Selbstzweifel führen zu Unsicherheit und diese ruft die Eifersucht auf vermeintliche Konkurrenz auf den Plan. Man beginnt zu klammern, begegnet dem Partner mit Misstrauen, engt ihn ein und verliert dabei am Ende nicht selten tatsächlich das, was man doch so gerne bewahren und schützen wollte. Starke Verlustangst geht also in den meisten Fällen nach hinten los.

Verlustangst: Was sind die Ursachen?

Menschen, die starke Verlustangst verspüren, leiden in der Regel unter einem schwächeren Selbstwertgefühl und haben infolgedessen ein geringes Vertrauen in sich selbst und auch in die Umwelt. Wie so oft liegt die Ursache dafür in der Kindheit: Die erste Bindung zwischen Mutter und Kind dient als Modell für die spätere Entwicklung. Gelingt eine Bindung nicht oder kommt es zu einer für das Kind schmerzhaften Trennung, bleibt immer eine Angst vor Abhängigkeit und damit auch vor Nähe und Bindung bestehen. Bei manchen Menschen führen Verlusterfahrungen in der Kindheit zu einer solchen inneren Leere, dass sie nicht mehr bereit sind, durch das Eingehen von Bindungen weitere Verluste zu riskieren. Anderen Menschen gegenüber Vertrauen aufzubauen, fällt ihnen schwer und da Vertrauen die Grundlage für dauerhafte Beziehungen ist, wird es immer schwer für diese Menschen sein, diese einzugehen beziehungsweise aufrechtzuerhalten. Allerdings können solche Ängste auch das Resultat von Enttäuschungen und schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit sein. Ebenso kann auch mangelnde Bestätigung oder zu wenig entgegengebrachte Liebe des Partners eine Ursache darstellen.

Trauriges Pärchen

Wenn ein Partner unter Verlustangst leidet, belastet das schnell die Beziehung.

Wie kann die Angst überwunden werden?

Verlustangst zu überwinden ist meist ein langer Weg, da oft tiefliegende Bindungs- und Beziehungsstörungen aus der Kindheit vorliegen. Um das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl zu stärken, ist oftmals eine psychotherapeutische Unterstützung notwendig, denn das Erlangen der inneren Sicherheit und der Aufbau von Vertrauen – und zwar in Dich selbst und auch in andere – sind für eine Partnerschaft von großer Bedeutung. Vielleicht hilft es auch für’s Erste, sich vor Augen zu halten, dass Verlustangst rein imaginär ist und in den meisten Fällen nichts mit der Realität zu tun hat. Es sind Überlegungen, die darum kreisen, was in der Zukunft eventuell passieren könnte.

Natürlich kann es sein, dass Dein Partner Dich irgendwann verlässt – oder Du ihn –, aber was bringt es, über Eventualitäten nachzugrübeln? Denn wenn Dein Partner gehen will, dann geht er – egal, ob Du daran festhältst oder nicht. Was Du Dich in erster Linie fragen solltest, ist: Bringt Dich Deine Verlustangst weiter? Im Gegenteil! Sie verhindert erstens, dass Du genießt, was Du hast, und zweitens, dass Du den Moment lebst. Zudem ist es wichtig, Dein Glück nicht von äußeren Umständen oder anderen Menschen abhängig zu machen, sondern die Erfüllung aus Dir selbst zu ziehen. Das ist der einzige Weg, um vollkommen frei und erfüllt zu leben. Selbstverständlich ist dies leichter gesagt, als getan, aber wenn Du Dich darin übst, Dich an niemanden mehr festzuklammern, wird es Dir mit Sicherheit bald besser gehen.

Sich anbahnende Verlustangst kann manchmal verhindert werden, wenn der Partner einem zeigt, dass auch nach langer Zeit noch ernsthaftes Interesse an der eigenen Person besteht. Auf diese Weise fühlt man sich in der Beziehung sicher, wertgeschätzt und respektiert. Das hohe Maß an Vertrauen und Sicherheit, das dadurch entsteht, ist das Geheimnis glücklicher Beziehungen. Wenn Du also weißt, dass Du zu Verlustangst tendierst, solltest Du IMMER mit Deinem Partner reden, damit er Dir die Ängste nimmt und Dir versichert, dass er Dich um nichts in der Welt hergeben möchte. Vielleicht erstickst Du so Deine Ängste bereits im Keim, bevor sie größer werden können.

Bildquellen: iStock/Chepko, iStock/LucidSurf, iStock/AntonioGuillem

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