Autismus

Bei Autismus handelt es sich um eine angeborene und leider unheilbare Entwicklungsstörung, bei der vor allem Wahrnehmung und Informationsverarbeitung betroffen sind. Trotzdem gibt es die unterschiedlichsten Förderungsmöglichkeiten für Kinder, die an Autismus leiden. Welche Symptome deuten auf die Wahrnehmungsstörung hin und was ist bei der Erziehung eines autistischen Kindes zu beachten?

Autismus – wenn Nähe unerträglich wird

Die Diagnose „Autismus“ ist für viele Eltern ein großer Schock. Wie stark die Entwicklungsstörung ausgeprägt ist, ist jedoch von Kind zu Kind unterschiedlich und kann von leichten Verhaltensauffälligkeiten bis hin zur geistigen Behinderung reichen. Tatsächlich stellt Autismus eine große Herausforderung für die gesamte Familie dar: Für autistische Menschen ist das Verhalten ihrer Mitmenschen oft nur schwer nachzuvollziehen und ihren Mitmenschen fällt es wiederum schwer, sich in die Verhaltens- und Denkmuster von Autisten hineinzudenken. Zum Glück gibt es heutzutage viele Beratungsstellen und andere professionelle Ansprechpartner, die Eltern von autistischen Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen aufzeigen, wie sie ihr Kind bestmöglich fördern und ins Familienleben integrieren können.

Was genau ist eigentlich Autismus?

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen der frühkindlichen Form von Autismus, dem sogenannten Kanner-Syndrom, und dem Asperger-Syndrom, das sich meist erst nach dem dritten Lebensjahr zeigt und in der Regel schwächer ausgeprägt ist. Menschen, die unter Autismus leiden, nehmen die Welt insgesamt anders wahr als normal entwickelte Menschen. Vor allem zeigen sich Beeinträchtigungen in der sozialen und emotionalen Entwicklung: Emotionale Bindungen zu Mitmenschen wie auch die Kommunikation mit diesen fallen Autisten oft sehr schwer, bei einigen Betroffenen ist auch das Sprachvermögen beeinträchtigt. Nicht umsonst wird Autismus auch als Informationsverarbeitungsstörung bezeichnet, denn Autisten haben oft Probleme damit, ihre Umwelt als logische Gesamtheit wahrzunehmen. Stattdessen empfinden sie einzelne Informationen als unabhängig voneinander und es fällt ihnen schwer, eine Ordnung in die verschiedenen Eindrücke zu bringen oder diese sinnvoll zu gewichten. Hinzu kommt, dass autistische Menschen manche Sinneseindrücke, beispielsweise Geräusche, viel stärker wahrnehmen als andere Menschen. Sie können zudem schwer abschätzen, was andere von ihnen erwarten oder was als nächstes passieren wird. Diese für Autismus typische veränderte Wahrnehmung löst ein großes Maß an Unsicherheit aus und führt dazu, dass sich Betroffene schon als Kind von Umfeld und Mitmenschen zurückziehen. Um sich in der für sie oft verwirrenden Welt zurechtzufinden, eignen sich Autisten zudem oft stereotype Verhaltensmuster an. Das Sortieren von Gegenständen oder ein immer wiederkehrender zeitlicher Ablauf von Handlungen sind solche Muster, mit denen Autisten versuchen, Ordnung in die Dinge zu bringen.

Frühe Anzeichen für Autismus

Die ersten Anzeichen für Autismus zeigen sich normalerweise schon bei Babys und Kleinkindern. Autistische Kinder lachen ihre Eltern weniger an als andere Kinder. Auch vermeiden sie meist jeglichen Blickkontakt und suchen seltener oder gar nicht Trost und Nähe bei Eltern und anderen Familienangehörigen. Oft fällt den Eltern zudem auf, dass ihr Kind nicht gerne mit ihnen kuschelt und ihm der Abschied von ihnen überhaupt nicht schwer zu fallen scheint. Im Kleinkindalter äußert sich Autismus zunehmend dadurch, dass die Kinder den Kotakt mit Gleichaltrigen vermeiden und sich stattdessen zwanghaft mit ganz bestimmten Handlungen und Spielzeugen beschäftigen. Auch in der Sprachentwicklung zeigt sich für gewöhnlich eine Verzögerung. Körperliche Anzeichen sind ein andauerndes Hin- und Herwiegen mit dem Oberkörper und flatternde Bewegungen mit Armen und Händen. Außerdem reagieren autistische Kinder oft kaum auf ihren Namen, wenn sie angesprochen werden und zeigen keine oder nur geringe Reaktionen auf Schmerz. Da ihre Sinneswahrnehmung anders funktioniert als bei anderen Kindern, reagieren sie auch oft überempfindlich auf Geräusche. Wenn Dir bei Deinem Kind eines oder mehrere dieser typischen Anzeichen auffallen, kannst Du Dich zunächst an Deinen Kinderarzt wenden. Dieser wird Dich dann an einen Spezialisten – meist einen Kinder- und Jugendtherapeuten – überweisen, der gegebenenfalls die Diagnose Autismus stellen und mit Dir und Deinem Partner das weitere Vorgehen besprechen kann.

Autismus und Inselbegabung?

Junge mit Autismus steht hinter Glasscheibe

Kinder mit Autismus nehmen die Welt als eine Art Puzzle wahr, in der die Einzelteile nicht zusammenpassen.


Sicher hast Du schon einmal davon gehört, dass viele Autisten eine Inselbegabung, die auch als Savant-Syndrom bezeichnet wird, haben. Sie verfügen über ein unglaubliches Gedächtnis, außergewöhnliche musikalische Begabungen oder sind zu herausragenden mathematischen Leistungen fähig. Tatsächlich ist es so, dass etwa die Hälfte der Menschen mit Inselbegabung Autisten sind, aber nur ein kleiner Teil der autistischen Menschen auch über ein solch ausgeprägtes Talent verfügen. Sollte Dein Kind von Autismus betroffen sein, heißt das also nicht zwangsläufig, dass es auch eine Inselbegabung entwickelt.

Erziehung und Förderung von Kindern mit Autismus

Wenn bei Deinem Kind Autismus diagnostiziert wurde, stellt Dich das in Erziehungsfragen vor ungewohnte Herausforderungen. Am wichtigsten ist hierbei die Erkenntnis, dass ein autistisches Kind viel mehr Klarheit und Vorhersehbarkeit in seinem Alltag braucht als ein normal entwickeltes Kind. Feste Rituale sind dabei ungemein wichtig, um Deinem Kind Orientierung und Sicherheit zu geben. Natürlich ist es zudem entscheidend, Dir immer wieder klar zu machen, welche Grenzen Dein Kind hat und wie schwer ihm viele für Dich alltägliche Dinge fallen, um es nicht zu überfordern. Gleichzeitig bringt es aber auch nichts, aus Mitleid ganz auf Erziehung zu verzichten. Auch ein Kind mit Autismus kann Verhaltensregeln und mit ein wenig Geduld auch bestimmte Gestik und Mimik lernen. All das wird ihm später helfen, sich besser in der Welt zurechtzufinden. Bei der Erziehung Deines Kindes bist Du aber keinesfalls auf Dich allein gestellt. Es gibt viele Beratungsstellen, die sich auf Autismus spezialisiert haben, und Dein Kind hat zudem einen Anspruch auf Therapien, wobei sich insbesondere die Verhaltenstherapie bei Autismus bewährt hat. Aber auch sogenannte tiergestützte Therapien können autistische Kinder beim sozialen Lernen unterstützen und ihnen auf Dauer so auch die Interaktion mit anderen Menschen erleichtern.

Autismus bezeichnet eine Entwicklungsstörung, bei der Betroffene ihre Umgebung und ihre Mitmenschen anders wahrnehmen als andere. Besonders stark ist die soziale und emotionale Entwicklung betroffen. Autistische Kinder haben einen hohen Bedarf an klaren Strukturen und Regeln, um die für sie nur schwer zu verarbeitenden alltäglichen Reize besser ordnen zu können. Solltest Du vermuten, dass Dein Kind unter Autismus leidet, hilft Dir eine der vielen Beratungsstellen gerne weiter. Dort erhältst Du Unterstützung und kannst Dich mit anderen betroffenen Eltern austauschen.

Bildquelle: Marcin Pawinsky/iStock/Thinkstock

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