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Besser essen

Slow Food: Essen mit Ruhe und Gemütlichkeit

Slow Food: Essen mit Ruhe und Gemütlichkeit

Langsam aber beständig schleicht sich der Begriff Slow Food in die kulinarische Szene ein, doch was genau steckt eigentlich hinter dem „langsamen Essen“? Beim Slow Food geht es nicht etwa darum, im Schneckentempo zu kochen oder Deine Gerichte über Stunden vor sich hin köcheln zu lassen. Slow Food steht für bewussten Umgang mit Lebensmitteln, eine gesunde Ernährung und die Verwandlung vom reinen Konsumenten hin zum Co-Produzent. Wir verraten Dir, was es mit der Bewegung auf sich hat und wie auch Du Teil der Slow Food Community wirst.

Fast automatisch denkt man bei dem Begriff Slow Food an einen anderen Kandidaten – das Fast Food. Das ist kein Zufall, denn Slow Food hat sich als Gegenspieler zum globalisierten und kommerzgesteuerten Fast Food entwickelt. So gesehen könnte man also behaupten, dass es ohne Fast Food Slow Food gar nicht gäbe. Statt eines weltumspannenden Einerleis, das viele Fast Food-Ketten auf dem gesamten Globus verfügbar machen, konzentriert sich Slow Food auf eine Ernährung, die auf regionalen Zutaten und traditionellen Gerichten basiert. Im Mittelpunkt stehen zudem die faire Behandlung aller Beteiligten, das beinhaltet Dich und Deinen Körper an einem Ende der Produktionskette, denn Slow Food Aktivisten legen großen Wert auf biologische Lebensmittel. Das beinhaltet aber auch jeden Bauern und Zulieferer, die für ihre Güter fair bezahlt werden sollen, sodass sie sich die Produktion hochwertiger Lebensmittel leisten können.

Die Slow Food Organisation

Auch wenn der Begriff Slow Food erst jetzt langsam in das Bewusstsein der Massen dringt, gibt es die Bewegung schon seit knapp 30 Jahren. 1986 erblickte sie in Bra, Italien, das Licht der Welt. Ins Leben gerufen wurde sie von Carlo Petrini mit dem Zweck, sich vom Fast Food abzuwenden und sich stattdessen auf alte Werte zu Besinnen. Gemeint ist damit vor allem der bewusste Genuss von traditionellen Gerichten, die aus Zutaten hergestellt werden, die in der Region wachsen. Das Motto der Slow Food Bewegung ist „buono, pulito e giusto“ – gut, sauber und fair. Nur wenn alle drei Kriterien erfüllt sind, handelt es sich auch tatsächlich um Slow Food. Die Organisation ist seit ihrer Gründung beständig gewachsen, inzwischen zählt sie über 100.000 Mitglieder auf der ganzen Welt. Sogar die University of Gastronomic Sciences, die in drei Standorten in Italien vertreten ist, gehört inzwischen dazu.

Slow Food ist knackige Küche mit traditionellen Gerichten
Regional, fair und frisch, das sind die Kriterien für Slow Food

Slow Food: Zehn Schritte zum neuen Lifestyle

1. Verstehe, worum es bei Slow Food geht. Auch wenn das Essen im Namen steht, gehört noch so viel mehr dazu. Slow Food ist eine Lebenseinstellung und eine Philosophie. Wer sich dem Slow Food verschreibt, schaut über den Tellerrand und verbindet seinen Nahrungsmittelkonsum mit sozialen, ethischen, politischen und ökologischen Elementen. Auf diese Weise schaffst Du Dir ein Bewusstsein für die Zusammenhänge von dem Essen auf Deinem Teller und der Umwelt und kannst dementsprechend handeln. Nimm Dir Zeit, gutes Essen mit viel Aufmerksamkeit zu kochen.
2. Tritt einer Slow Food Organisation in Deiner Stadt oder Region bei. Allein in Deutschland gibt es zahlreiche sogenannter Convivien, dem lateinischen Begriff für Tafelrunden. Hier lernst Du Gleichgesinnte kennen, knüpfst neue Kontakte und bekommst jede Menge Tipps, Tricks und Anregungen für Deine Anfänge in Sachen Slow Food. Doch natürlich zwingt Dich dazu niemand, auch ohne eingetragenes Mitglied zu werden, kannst Du dem Slow Food Gedanken folgen.
3. Slow Food ist… selbst kochen! Verabschiede Dich von Fertigprodukten, lass die Tiefkühlpizza im Eis und die Lasagne im Kühlregal. Mach Deine Sandwiches selbst und backe Deinen Kuchen ohne Backmischung. Entstaube Deine Kochbücher und lass Dir von Oma ihre altbewährten Rezepte geben, die nicht nur bei Dir, sondern auch bei Deiner Mutter Kindheitserinnerungen auslösen. Du erinnerst Dich bestimmt noch an jene gemeinsamen Familienessen, bei denen das Mahl von Familienmitgliedern zubereitet wurde und später alle gemeinsam am Tisch saßen. Fang wieder damit an, anstatt immer unter Strom zu stehen, Dein Leben durch den Uhrzeiger takten zu lassen und „eben schnell“ Nahrung zu Dir zu nehmen.
4. Slow Food ist …regionale Produkte. Als echter Slow Foodie achtest Du darauf, dass Deine Lebensmittel keine langen Wege zurücklegen mussten, um auf Deinem Teller zu landen. Schnapp Dir Deinen Einkaufskorb und schlendere über den Wochenmarkt um die Ecke. Vielleicht geben Dir ja sogar Deine Nachbarn etwas von ihrem Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten etwas ab – im Gegenzug schenkst Du ihnen eine kleine Portion dessen, was Du daraus zauberst. Dadurch trägst Du dazu bei, dass die Umwelt geschont wird, denn wenn weniger Essen von A nach B geflogen werden muss, profitiert davon vor allem Mutter Natur. Zudem weißt Du auch, woher Dein Essen tatsächlich kommt und dass es so frisch ist, wie es nur geht.
5. Slow Food ist… Verzicht auf Gentechnik. Bisher fehlen Langzeitstudien zu den Folgen von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln – auf den menschlichen Körper und auf die Umwelt gleichermaßen. Darüber hinaus zerstören diese Lebensmittel die weltweite Diversität der eigentlichen Produkte und ersetzen sie mit Monokulturen, die sowohl gegenüber Krankheiten, Fressfeinden und klimatischen Bedingungen resistenter sind. Auf Ertrag getrimmt, haben sie häufig weniger Nährwert als ihre natürlichen Kollegen.
6. Slow Food ist… Bio! Go Green! Biologische Landwirtschaft ist ein essentielles Element von Slow Food. Immer, wenn Du die die Möglichkeit dazu hast, solltest Du zu Bio-Produkten greifen. Sie enthalten weniger Pestizide, Fungizide und Bestandteile von Düngemittel als konventionell hergestellte Lebensmittel. Und was nicht in Deinem Essen ist, nimmst Du auch nicht auf – Dein Körper wird sich freuen! Darüber hinaus gibt es Studien, die belegen, dass ökologische Erzeugnisse mehr Nährstoffe enthalten, die das Immunsystem stärken, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Pflanzen dank fehlender Pestizide ihre eigenen Abwehrkräfte bilden mussten.
7. Slow Food ist… selbst angebaut! Ob im Garten, auf dem Balkon oder im Blumenkasten auf der Fensterbank, ein bisschen Platz ist immer, um Kräuter, Obst und Gemüse zu Hause anzubauen. So nimmst Du Deine Nahrungsmittelproduktion selbst in die Hand – frischer, direkter und weniger belastet können Lebensmittel gar nicht sein. Vielleicht reicht Dein Platz nur für einen kleinen Topf Basilikum oder einen Kübel Tomaten auf dem Balkon, vielleicht hast Du in Deinem Garten den ein oder anderen Obstbaum oder ganze Beete voller Bohnen, Möhren und Salatköpfen in Deiner Parzelle, die Hauptsache ist, dass Du Deine Ressourcen nutzt. Gärtnere zusammen mit Deinen Kindern, sodass sie von klein auf lernen, was frische Ernährung bedeutet, wie man mit Lebensmitteln umgeht und wie gut sie schmecken können. Vertraue Deinen Sprößlingen ihre eigenen (natürlich einfach zu handhabenden) Pflanzen an, so erlernen sie Verantwortung, haben Erfolgserlebnisse und sind ganz besonders stolz, ihr eigenes Obst und Gemüse in köstliche, hausgemachte Gerichte zu verwandeln.
8. Slow Food ist… Kochen mit den Kleinsten. Warum solltest Du Deine Kinder aus der Küche schicken, wenn es daran geht, ihr Essen zuzubereiten? Slow Food kocht mit allen. Versuche, Dir die Zeit zu nehmen, sie möglichst früh in den Kochprozess einzubeziehen. Lasse sie Obst und Gemüse klein schneiden, den Teig kneten, die Soße umrühren – für jedes Alter wirst Du passende Aufgaben finden. Größeren Kindern kannst Du gleich eine ganze Beilage oder sogar einen Gang anvertrauen. So bescherst Du Deinen Kindern ein Gefühl der Teilhabe, der Produktivität und des Vertrauens in ihre Fähigkeiten und Du weißt sicherlich selbst, wie befriedigend diese Gefühle sein können. Darüber hinaus werden Deine Kleinen ihr selbstgekochtes Essen ganz sicher nicht verschmähen. Familienrezepte, die beinahe schon Tradition haben, kannst Du auf diese Weise ebenfalls weiterreichen.
9. Slow Food ist… teilen! Denn nur Teilen ist schöner. Na dann – tu es! Was auch immer Du kochst oder backst, nimm etwas davon mit zur Arbeit und genieße gemeinsam mit Deinen Kollegen. Lade Freunde und Familie zum gemeinsamen Abendessen ein. Spende eine kleine, verpackte Portion einem Obdachlosen. Gründe ein Tandem mit einer Person, die einfach keine Zeit zum Kochen hat und versorge sie mit einem Teil von Deinem Mittagessen – im Gegenzug schenkt sie Dir etwas, das für Dich nützlich sein kann: Zeit, Aufmerksamkeit, Hilfe im Haushalt, was auch immer! Slow Food hat eine große soziale Komponente und legt viel Wert auf Gegenliebe. Vielleicht bringst Du jemandem das Backen bei oder triffst Dich regelmäßig zum Kochen – es gibt so viele Möglichkeiten.
10. Slow Food ist… Homemade Lunch. Klar, die Arbeit kann stressig sein, da lockt natürlich in der Mittagpause die kulinarische Belohnung für den vergangenen und vielleicht auch den bevorstehenden Stress. Doch auf die Dauer werden die Lunchsnacks auf die Hand teuer und über Frische und Herkunft Deines Mittagessens to go hast Du kaum einen Überblick. Investiere das Geld lieber in ein romantisches Candle Light Dinner mit Deinem Liebsten und packe die Reste in Deine Lunchbox, in bester Slow Food Manier. Wie wäre es mit einem knackigen Sandwich mit Salat und frischem Gemüse oder einer Portion von dem Auflauf von gestern Abend?

Auf die Plätze, fertig, Slow Food! Wenn Dir der moderne Lebensstil zu eng getaktet ist und Du Dich nicht von Schnelllebigkeit und Fertigessen diktieren lassen möchtest, ist Slow Food die Antwort. Auf diese Weise findest Du nicht nur zurück zu einer gesunden Ernährung mit einer guten Ökobilanz, Du lernst auch wieder eine Besinnlichkeit kennen, die vielen inzwischen verloren gegangen ist. Komm runter, atme durch und konzentriere Dich ohne Zeitdruck auf das, was Du tust. Nimm andere mit und bringe Ruhe und verantwortungsvollen Genuss in das Leben Deiner Liebsten. Das ist die Philosophie von Slow Food.

Bildquelle: iStock / Matthew Dixon

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