Ehestreit
Katja Nauckam 01.06.2018

Streit in der Ehe ist, wie in jeder Beziehung, ganz normal. Es kommt allerdings immer darauf an, warum und wie oft man streitet, und ob man grundsätzlich gewillt ist, die Probleme zu lösen. Es gibt auch eine Grenze, ab der man sich überlegen sollte, ob das so weitergehen kann. Ich möchte dir helfen, euren Streit besser zu verstehen.

Die häufigsten Streitgründe und wie ihr sie lösen könnt

Viele Paare, die verheiratet sind, streiten weniger über politische Meinungen oder grundsätzliche Ansichten. Vielmehr ist es der Alltag, das Vereinbaren von Job und Familie oder finanzielle Fragen, die diskutiert werden. Nicht zuletzt stört man sich aber auch nach Jahren noch an Eigenheiten des anderen, die man eigentlich nur zu gut kennen müsste. Eine Umfrage von 2016 hat ergeben, dass diese persönlichen Angewohnheiten, Haushaltsfragen und finanzielle Nöte tatsächlich die Top 4 der häufigsten Gründe für Beziehungsstreit bieten.

Umfrage Hauptstreitpunkte in Beziehung 2016

# Schlechte Angewohnheiten

Mein Mann und ich streiten oft darüber, dass ich ihn nie ausreden lasse und ihm immer dazwischen fahre. Ich weiß natürlich, dass das keine feine Art ist, es schleicht sich nur immer wieder ein. Wenn man sich gegenseitig Vorwürfe macht, die das Verhalten des anderen betreffen, ist es wichtig, sich ehrlich und sachlich zu sagen, was einen stört. Bombardiere ihn jedoch nicht mit allem, was er falsch macht, sondern überlege, warum er sich so verhält und woran das liegen könnte. Es ist wichtig, dem anderen zu zeigen, dass man ihn ernst nimmt und seinen Standpunkt auch verstehen möchte. Es nützt nichts, sich der Situation zu entziehen oder selbst nur Recht behalten zu wollen. Dann blockt der andere sofort ab. Seid euch bewusst. Keiner ist besser als der andere, denn jeder hat seine Schwächen.

Mein Tipp: Damit ich verstehe, wie nervig es ist, hat mein Mann, mich öfter unterbrochen und nicht ausreden lassen. Den anderen zu spiegeln ist eine gute Methode ihm zu zeigen, wie man sich fühlt.

Eine Ehe kann oft eine große Herausforderung sein. Wenn man schon viele Jahre zusammen ist, passieren seltsame Dinge mit einem, über die man oft nur schmunzeln kann.

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# Alltagsdinge und Haushaltsfragen

Die gute alte Frage, wer den Müll runterbringen oder spülen soll, ist nicht nur ein Streitpunkt in WGs, auch Paare kennen das nur zu gut. Leider ist es einfach so, dass meist einer mehr an Sauberkeit interessiert ist als der andere. Dennoch sollte es in einer modernen Ehe möglich sein, dass nicht der eine den anderen alles machen lässt. Eine gute Möglichkeit ist es, die Aufgabe nach Vorlieben zu verteilen. Der eine saugt vielleicht lieber Staub, dafür kümmert sich der andere ums Kochen. Wenn ihr beide beruflich eingespannt seid und gar keiner putzen will, dann ist das auch okay. Entweder ihr findet euch dann mit einer unordentlichen Wohnung ab oder bucht euch eine Putzhilfe. Wenn dein Mann sich allerdings nur ausruht und dennoch über die Sauberkeit beschwert, solltest du dir überlegen, ob das so weitergehen kann und ihm eine klare Ansage machen.

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# Finanzielle Angelegenheiten

Auch die Frage, wofür das Geld ausgegeben wird, kann zu großem Ehestreit führen. Viele Paare haben ein gemeinsames Konto. Das hilft, dem Streit aus dem Weg zu gehen, weil das Einkommen auf ein Konto fließt und alles davon bezahlt wird. Vor allem, wenn man sehr unterschiedlich verdient, macht das Sinn. Paare, die es jedoch gewohnt sind, dass jeder sein eigenes Geld verwaltet, weil sie Jahre lang ein eigenes Konto hatten, finden es merkwürdig keinen Überblick mehr über die eigenen Finanzen zu haben. Wenn der eine natürlich deutlich mehr verdient, ist es auch fair, wenn er entscheidet, wofür er das Geld ausgibt. Über größere Anschaffungen solltet ihr gemeinsam entscheiden. Es ist jedoch wirklich kleinlich dem anderen vorzuschreiben, was er für sich persönlich kauft.

# Work-Life-Balance

Dein Partner arbeitet ununterbrochen und ist häufig an den Wochenenden auch mit Terminen überhäuft? Das kann auf Dauer eure Beziehung sehr stressen und gefährden. Wenn einfach keine Zeit für gemeinsame Erlebnisse mehr bleibt und man nicht zusammen am Wochenende entspannen kann, läuft man Gefahr sich auseinander zu leben. Sprich deinen Partner darauf an und frage ihn, an welches letzte gemeinsame Erlebnis er sich erinnern kann. Natürlich kann ein Selbstständiger selten weniger arbeiten oder ein Schichtarbeiter nicht spontan seinen Dienst wechseln. Es ist jedoch wichtig, dass es ihm bewusst ist, und ihr eine Lösung findet, mit der ihr beide klarkommt. Zieht euch mal ein Wochenende zurück und nehmt Abstand vom Alltag. Dann wird euch wieder klarer, was eure Ehe ausmacht.

Streit in der Ehe Gründe Kindererziehung

In der Kindererziehung solltet ihr euch einig sein und auf keinen Fall vor dem Kind streiten.

# Kindererziehung

In Sachen Kindererziehung sollte man unbedingt an einem Strang ziehen. Das ist jedoch in der Praxis leichter gesagt als getan. Auf keinen Fall solltet ihr eurem Kind zeigen, dass ihr unterschiedlicher Meinung seid. Das wird es schnell merken und euch dann gegeneinander ausspielen und eventuell lernt es dann, euch zu manipulieren. Tragt euren Ehestreit nicht vor dem Kind aus, sondern setzt euch gemeinsam hin und besprecht, wie ihr vorgehen wollt. Wenn der eine sich vor dem Kind nicht so verhält, wie es dir gefällt, dann solltest du ihn auch nicht vor dem Kleinen maßregeln. So lernt das Kind nicht, ihn zu respektieren oder denkt, es kann ebenso mit ihm umgehen. Besprecht das immer in Ruhe unter euch.

Mein Tipp: Wenn ihr in einem sehr wichtigen Punkt überhaupt nicht einer Meinung seid, kann es auch helfen, mit einem Dritten darüber zu sprechen. Fragt eure Eltern, Geschwister mit Kindern oder vielleicht eine nahe Vertrauensperson um Rat. Ein fremder Blick kann die Sache noch mal in ein anderes Licht rücken.

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Bis wohin Streit gesund ist und wann du eure Beziehung überdenken solltest

Es gibt Paare, die Streit lieber aus dem Weg gehen und auf Harmonie bedacht sind. Gehörst du auch zu jenen, die alles wochenlang in sich hineinfressen, bis sie sich richtig schlecht fühlen? Das kann dich auf Dauer auch kaputtmachen. Natürlich geht es nicht darum, auf Teufel komm raus den Ehestreit zu suchen, wo keiner ist. Du solltest jedoch offen deine Meinung sagen, wenn dich etwas stört und den Konflikt nicht scheuen.

Wenn du anders herum das Gefühl hast, dein Partner verschweigt dir etwas, dann sprich das offen an und fordere ihn heraus, sich zu öffnen. Es ist sogar recht gesund, sich ab und zu einen leidenschaftlichen Streit zu liefern – solange er sachlich bleibt, von Respekt zeugt und am Ende eine Art Versöhnung oder Lösung gefunden werden kann. Es gibt jedoch Bereiche, in denen Ehestreit nicht mehr lösbar ist, sondern entweder professionelle Hilfe oder eine Trennung erfordert. Spätestens dann, wenn es einem Partner in der Ehe nicht mehr gut geht.

Bei diesen folgenden Themen ist Streit in der Ehe nicht mehr gesund:

  • Eifersucht: Jeder ist ab und zu mal eifersüchtig – und das ist definitiv berechtigt, wenn es konkrete Gründe dafür gibt. Verhält sich dein Mann jedoch übertrieben eifersüchtig, ohne dass du ihm den geringsten Anlass dafür gibst, ist eine Grenze erreicht. Krankhafte Eifersucht nennt man auch Othello-Syndrom. Solltest du selbst von Eifersucht zerfressen sein, dann kannst du dir auch psychologische Hilfe holen.
  • Häusliche Gewalt: Sollte dein Mann handgreiflich werden, und dich aus Eifersucht oder völlig anderen Gründen schlagen oder psychisch drangsalieren, musst du handeln. Hier hat er eine Grenze überschritten und du solltest mit jemandem darüber reden, wenn du so sehr von ihm abhängig bist, dass du ihn nicht so ohne Weiteres verlassen kannst. Mit häuslicher Gewalt ist nicht zu spaßen und in den seltensten Fällen erkennt ein Mann sein Problem von allein und arbeitet daran.
  • Unterschiedliche Vorstellungen vom Leben: Der eine will ein Kind und der andere nicht? Einer möchte ein Abenteuer wagen und ins Ausland gehen, der andere fühlt sich zu Hause wohl und träumt eher vom Eigenheim? Wenn unterschiedliche Lebenskonzepte aufeinanderprallen, kann es schwierig werden, eine glückliche Ehe zu führen. So etwas kann sich nach ein paar Jahren ändern. Daher ist es wichtig, immer ehrlich über die Träume und Wünsche zu sprechen, um zu schauen, wie sehr die Erfüllung dieser Vorstellung an dein persönliches Glück gebunden ist oder du Kompromisse eingehen kannst. Dazu müsst ihr beide bereit sein.

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Seid ihr vielleicht schon länger verheiratet und du hast ein wenig vergessen, worauf es bei einer guten Ehe ankommt? Wir erinnern dich daran.

Wie mein Mann und ich mit Streit umgehen

Wir sind bereits seit 12 Jahren zusammen und seit 5 Jahren verheiratet. Wir passen zueinander wie Pech und Schwefel, unsere Lebenskonzepte stimmen überein. Dabei sind wir beide sehr streitlustig, werden schnell laut und sind sehr kreativ, was gegenseitige Beleidigungen angeht. Die meisten Themen, über die wir uns streiten, sind auch diejenigen Alltags- oder Charakterthemen, wie sie die meisten Paare kennen.

Mir ist bei jedem Streit jedoch immer wichtig, nie nachtragend zu sein. Ich gehe schnell auf den anderen zu und erkenne mit ein wenig Abstand auch, dass ich mich blöd verhalten habe und er das Recht hatte, so zu reagieren. Mein Mann nimmt auch mir nicht jedes Wort übel. Es gibt natürlich Verhaltensweisen, die legt man nicht so leicht ab. Doch das Wichtigste ist: Wir lachen oft über unseren Disput und versöhnen uns schnell. Dabei gehen wir sehr ehrlich miteinander um und würden nie übergriffig werden.

Wenn du in deiner Ehe seit langer Zeit sehr unter Eifersucht, häuslicher Gewalt oder einem anderen ernsten Problem leidest und auch eine Aussprache darüber, nicht zu einem beiderseitig zufriedenstellenden Ergebnis geführt hat, ist es ernst. Natürlich kann ich dir nicht pauschal empfehlen, wann es Zeit ist, sich zu trennen, da ich eure Beziehung nicht kenne. Jede Ehe ist ganz individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem wenn Kinder involviert sind und die finanzielle Situation davon abhängt, ist das nicht so leicht. Doch du solltest dich fragen, ob es dir das Wert ist, so weiter zu leben. Diese Frage kannst nur du beantworten.

Bildquelle:

Statista, iStock/Deagreez/djedzura


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