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Lügen

Für die Harmonie

Lügen

Hand aufs Herz: Wie oft belügst Du Deinen Partner in einer festen Beziehung, Deine Freunde, den Chef oder ganz einfach Dich selbst? „Nur im Notfall“, „Selten“, „Niemals!“ – diese Antwort würden die meisten von uns auf diese Frage geben. Das wäre aber auch schon glatt gelogen: Im Durchschnitt lügt jeder von uns nämlich bis zu 200 Mal am Tag.

Lügen in einer Beziehung oder Freundschaft: nicht immer schlecht
Wir alle lügen bis zu 200 Mal am Tag.Können oder wollen wir einfach nicht ehrlichsein?

Das zumindest sagt eine deutsche Studie und wenn wir – ausnahmsweise mal – ganz ehrlich zu uns sind, kommt das tatsächlich hin. Die kleinen Notlügen und Flunkereien des Alltags nehmen wir schon fast gar nicht mehr wahr, so sehr haben wir uns an sie gewöhnt. Am häufigsten lügen wir dann, wenn es eigentlich um nichts geht: beim Smalltalk. Wie oft haben wir auf die Frage „Wie geht´s?“ schon mit „Danke, bestens!“ geantwortet, obwohl wir uns eigentlich mies fühlen? Wie oft heucheln wir Interesse an der aktuellen Wetterlage, obwohl es uns eigentlich schnurz ist, welches Tief gerade für die Schlechtwetterfront sorgt? Wie oft lassen wir uns eine Ausrede einfallen, wenn eine Freundin mit uns ausgehen will, wir uns aber lieber auf die Couch fläzen wollen? Würden wir es wagen, Ihr einfach ganz offen ins Gesicht zu sagen, dass wir keine Lust haben? Auch wenn wir eine nervige Bekannte oder einen hartnäckigen Verehrer loswerden möchten, lügen wir oft, was das Zeug hält. Wir sagen nicht „Ich möchte Dich nicht mehr treffen“ oder gar „Ich bin zwar nett zu Dir, aber eigentlich mag ich Dich nicht leiden“, sondern so etwas wie: „Wir können ja mal telefonieren“ oder „Ich habe im Moment leider ziemlich viel Stress auf der Arbeit – lass uns das Date verschieben“.

Lügen macht das Leben leichter

Wenn wir uns all unsere kleinen Alltagslügen genauer ansehen, wird aber auch eines deutlich: Oft lügen wir aus eigentlich sehr lobenswerten Gründen, zum Beispiel, weil wir einen anderen Menschen nicht verletzen möchten. Laut einer Studie von Robert S. Feldman (University of Massachussetts) lügen wir am häufigsten, um Ärger oder Diskussionen zu vermeiden. Aber auch, um uns bei anderen beliebt zu machen oder das Zusammenleben angenehmer zu gestalten, greifen wir oft tief in die Flunkerkiste: Wir schmeicheln, beschönigen und verschweigen. Insofern sind die Lügen natürlich doch wieder egoistisch: Wir machen uns das Leben damit ganz schön leicht. Es ist eben bequemer, dem Ehemann zu erzählen, dass die Schuhe nur 50 Euro gekostet haben und nicht ein halbes Monatsgehalt. Auch erspart man sich unnötige Diskussionen, wenn man der besten Freundin nicht auf die Nase bindet, dass man ihren Liebsten eigentlich eher daneben findet. Und ab und zu kann es auch nicht schaden, der Kollegin ein Kompliment zu machen – es hebt die Laune, lockert die Stimmung auf und kommt einem vielleicht früher oder später sogar noch zugute, wenn die Kollegin uns einen Gefallen tun soll.

Eigentlich sind Lügen in solchen Fällen tatsächlich besser als ihr Ruf. Nicht nur das: Sie machen ein Zusammenleben überhaupt erst möglich. Was passiert, wenn man gnadenlos ehrlich ist, hat der Autor Jürgen Schmieder am eigenen Leib erlebt. Für sein Buch „Du sollst nicht lügen! Von einem, der auszog, ehrlich zu sein“ sagte er vierzig Tage lang die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Dafür wurde er von seiner Frau nächtelang ins Sofa-Exil verbannt, vergraulte einen Freund und musste nicht zuletzt auch am eigenen Leib erfahren, was es heißt, nicht mehr angelogen zu werden. Denn wer in jeder Lebenslage aufrichtig ist, wird auch selbst mit der nackten Wahrheit konfrontiert – und die ist nicht immer angenehm.

Lügen oder ehrlich sein?

Lügen sind also für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben notwendig und gar nicht so schlecht, wie es ihnen immer nachgesagt wird. Trotzdem: Ab und zu ist ein wahres Wort die bessere Wahl. Einer Freundin, die Dich um einen ehrlichen Rat bittet, ist nicht geholfen, wenn Du sie mit Notlügen und Flunkereien einlullst. Wenn Du ihren neuen Flirt für einen Weiberheld hältst, dann sag ihr lieber offen, was Du von ihm denkst – und lass sie nicht in ihr Unglück rennen. Genauso kann man einer engen Freundin sagen, dass ihr Leggins nicht stehen, wenn man dabei immer eine Sache beherzigt: Der Ton macht die Musik.

Lügen in der Liebe

Für die meisten Frauen und Männer sind Treue und Ehrlichkeit am wichtigsten in einer Beziehung. Dabei wird selten soviel gelogen wie in der Liebe. Beim Flirten flunkern Männer sich gerne reicher, erfolgreicher und sportlicher als sie in Wirklichkeit sind; Frauen dagegen schummeln häufig, was ihr Alter, ihr Gewicht oder ihre Kleidergröße angeht. Aber auch, wenn wir einen Menschen schon längst erobert haben, ist mit dem Lügen noch längst nicht Schluss. Die wohl häufigste „Lüge“ der Frauen ist dabei der vorgetäuschte Orgasmus: angeblich haben 9 von 10 Frauen ihrem Partner schon einmal den Gipfel der Lust vorgegaukelt.

Aber auch sonst flunkern wir ganz schön viel – und wenn wir ehrlich sind, erwarten wir das sogar manchmal von unserem Partner. Auf die Frage „Findest Du mich zu dick?“ möchten wir nicht hören, dass wir in letzter Zeit aufgegangen sind wie ein Hefeteilchen. Man muss seinen Partner auch nicht jeden hintersten Winkel seiner Seele einladen. Es ist absolut legitim, kleine Geheimnisse vor seinem Partner zu haben. Geheimnisse sind sogar wichtig, da sie die Liebe spannend halten und beiden Partnern Freiraum lassen.

Trotzdem gibt es natürlich eine Grenze: Kleine Geheimnisse oder Notlügen sind etwas anderes als Betrug. Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht, hat die Lüge in der Liebe nichts verloren. Wer zu oft die Unwahrheit sagt, zerstört Vertrauen – und ohne Vertrauen hat eine Beziehung auf Dauer keine Chance.

Eine kleine Lüge zum richtigen Zeitpunkt…

… ist also durchaus angebracht. Natürlich sollten wir aufrichtig durchs Leben gehen und den Menschen, die uns wichtig sind, offen und ehrlich gegenübertreten. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Lüge uns hilft. Mit einer wohl platzierten Flunkerei vermeiden wir unnötige Verletzungen und Streit. Und so könnte unser Leitsatz für ein harmonisches Zusammenleben statt „Du sollst nicht lügen“ auch anders lauten: „Die Wahrheit ist ein hohes Gut. Wir sollten sparsam mit ihr umgehen“.

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