Maibaum
Birte Imme am 30.04.2015

In der Nacht zum 1. Mai wird es wieder laut auf manchen Straßen im Rheinland. Denn die Maitradition verlangt, dass Männer ihrer Liebsten einen schön geschmückten Maibaum vors Haus stellen – als Zeichen der Liebe und als Symbol der wieder erwachenden Natur im Frühling. Doch woher kommt dieser Maibrauch? Und wie verhältst Du Dich, wenn Dir ein Verehrer einen Maibaum gestellt hat? Wir verraten es Dir.

Am Morgen des 1. Mai haben sich viele Straßen im Rheinland verändert. Hellgrüne, junge Birken zieren Häuserfassaden, bunte Kreppbänder flattern im Wind. Und oftmals zeigen mit Frauennamen beschriebene rote Holzherzen an, welcher Dame der frühlingshafte Schmuck gewidmet ist. Seiner Angebeteten in der Mainacht einen Maibaum zu stellen, gehört für viele junge Männer zum guten Ton. Nicht selten sind sie Mitglieder eines Junggesellenvereins, Maiclubs oder einer Maigesellschaft, in denen das Aufstellen des Maibaums nur ein kleiner Bestandteil eines traditionellen Brauchtums ist, dessen Feierlichkeiten sich über den gesamten Monat hinziehen. Aber auch in größeren Städten, also unabhängig von Dorfvereinen, ist es mittlerweile gang und gäbe, seiner Freundin einen schön geschmückten Maibaum vor ihr Wohnhaus zu stellen.

Maibaum: Erfahre alles über den Brauch

Der Maibaum ist ein frühlingshafter Liebesbeweis

Maibaum: Es gibt regionale Unterschiede

Den Brauch, seiner Herzensdame einen kleinen, geschmückten Maibaum zu schenken, kennt man in dieser Form nur in einigen Teilen Deutschlands, zum Beispiel im Rheinland, im Saarland, im Bergischen Land, in Franken und in Schwaben. Mancherorts, vor allem in Bayern, versteht man unter einem Maibaum hingegen einen bunt geschmückten Baum oder Baumstamm, der am 1. Mai oder dem Vorabend feierlich auf dem Dorfplatz aufgestellt wird. Bei der Größe des Baumes gilt: Je höher, desto besser. Auch zum Maibrauchtum im Rheinland, das oftmals sehr speziell ist und sich von Dorf zu Dorf unterscheiden kann, gehört ein großer Maibaum, der das Zentrum des Maifestes bildet. Wenn Du hin und wieder das schwedische Einrichtungskaufhaus Deines Vertrauens besuchst, dann hast Du bestimmt schon einmal was vom „Mittsommar“ gehört, oder? Auch an diesem Fest, das in Skandinavien rund um die Sommersonnenwende (20., 21. oder 22. Juni) stattfindet, werden geschmückte Bäume aufgestellt.

Maibaum: Wo kommt der Brauch her?

Wo genau der Ursprung des Maibaums liegt, ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise geht es auf einen alten germanischen Brauch zurück, bei dem der Baum Fruchtbarkeit symbolisierte. Vielleicht wollten die Germanen aber auch ihre Waldgottheiten ehren, indem sie nach der Walpurgisnacht am 1. Mai einen geschmückten Baum aufstellten. Im Zuge der Christianisierung wurden heidnische Bräuche – so auch die germanischen – in Mitteleuropa häufig unterdrückt, und so wurde der Maibaum an manchen Orten einfach Marien- oder Pfingstbaum genannt. Daher variiert auch das Datum, an dem die Maibräuche begangen werden.

Der Maibaum als Liebesbeweis

Nun aber zurück zum Maibrauchtum im Rheinland. In den Regionen um Köln, Bonn und Aachen – andere Gegenden nicht ausgeschlossen – stellen junge, unverheiratete Männer vor den Häusern ihrer Angebeteten (oder festen Freundinnen) in der Nacht zum 1. Mai eine junge Birke auf. Oftmals fällen die Junggesellen die Bäume dafür illegal in Wäldern, worüber die zuständigen Förster natürlich nicht sonderlich erfreut sind. Mittlerweile gibt es aber viele Anbieter, bei denen Mann für kleines Geld und ganz legal einen Maibaum ergattern kann – manchmal sogar schon fertig geschmückt! Als Schmuck der Birken dienen Bänder aus verschiedenfarbigem Krepppapier, die zwar schön im Wind flattern, sich bei Regen aber leider schnell entfärben. Früher hatten die verschiedenen Farben eine Bedeutung, heute wird das Papier wohl eher nach den Vorlieben der Beschenkten ausgewählt. Zur Zuordnung wird oftmals ein sogenanntes Maiherz aus Holz oder festem Karton an den Maibaum angebracht, in das der Name oder das Initial des Mädchens sowie manchmal auch ein „Ich liebe Dich“ eingraviert wird. Wohnt die Angebetete auf dem Dorf, wird das Maiherz meist weggelassen, da ohnehin jeder jeden kennt. Nach dem Aufstellen des Maibaums müssen die Junggesellen darauf achten, dass dieser auch am nächsten Morgen noch an seinem Platz ist, denn manchmal machen sich andere Männer (vor allem die aus konkurrierenden Maigesellschaften) einen Scherz daraus, Maibäume zu stehlen, um ihren Konkurrenten damit eins auszuwischen. In der Regel gilt ein Maibaum-Diebstahl aber als feige und hinterhältig.

Maibaum oder Maibild?

In einigen Gegenden, vor allem in solchen, wo Junggesellenvereine aktiv sind, bekommen die Mädchen statt einem Maibaum den sogenannten „Mai“ in Form eines selbstgebastelten und teils sehr aufwendigen Maibildes ans Haus gehängt. Diese Bilder werden aus bunten Krepppapierröschen (Plümen) oder -kügelchen gebastelt, die auf einer Styroporplatte befestigt sind. Als Motive dienen häufig Tierzeichnungen oder Comicfiguren. Um das Bild drapierte Tannenzweige fungieren als Umrahmung und machen es noch festlicher. Die Größe, Form und Ausführung der Maibilder sind von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Teilweise werden mehrere 10.000 Plümen verwendet! Weniger aufwendig, aber ebenso schön anzusehen, sind Maibilder in Herzform, die aufgrund ihrer kleinen Größe meist nur den Anfangsbuchstaben des Mädchens enthalten.

Wie lange bleibt der Maibaum stehen?

Der Maischmuck bleibt einen Monat lang stehen bzw. hängen, bis derjenige, der den Maibaum oder das Maibild angebracht hat, sein Werk am 1. Juni abholt. Wenn die Frau ihn mag (was heutzutage meist klar ist, da der Mann sonst gar nicht erst den Aufwand betreiben würde) – so besagt die Tradition –, muss sie den „Auslöser“ mit einer Einladung zum Essen und einem Kasten Bier belohnen. Es gibt allerdings auch die Variante, dass der junge Mann, der den Maibaum wieder abholt, von der Mutter der Frau einen Kuchen, vom Vater einen Kasten Bier und von ihr selbst einen Kuss bekommt. Nach dem Auslösen des Baumes kann die Frau eine dünne Scheibe vom Fuß des Stammes absägen und diese als Erinnerungsstück behalten. Üblicherweise geschieht das im Beisein des Junggesellen, bevor der Baum abtransportiert wird. Manche Väter wollen den Baum auch als Feuerholz behalten.

Maibaum: Im Schaltjahr sind die Frauen dran

Wenn es der Kalender erlaubt, kommen auch mal die Männer in den Genuss, umworben zu werden – zumindest im Kölner Raum. In einem Schaltjahr, also alle vier Jahre, sind dort nämlich die Frauen an der Reihe, ihrem Liebsten einen Maibaum als Liebesbeweis vor die Tür zu stellen. Außerdem soll dieses Privileg dann auch verheirateten Männern erlaubt sein, die sonst von dem Brauch ausgeschlossen sind.

Diesen (Mai)Baum möchte niemand haben

Während der Maibaum als Gunstbeweis des Liebsten zu verstehen ist, gibt es ein Gegenstück, das sicherlich keine Frau am 1. Mai vor ihrem Haus sehen möchte: den Schandbaum. Diese Art der „Aufmerksamkeit“ besteht aus einem Baum, der anstelle von bunten Bändern mit Toilettenpapier und anderen obszönen Gegenständen wie Tampons oder Kondomen „geschmückt“ ist – oder, wenn man Glück hatte, mit schwarzen Plümen (die mussten immerhin auch erst einmal gebastelt werden). Solche unschönen Exemplare werden in der Regel von Frauen gestellt, die eine Abneigung oder Rachegelüste gegenüber ihren Konkurrentinnen empfinden und dies dem ganzen Dorf zeigen möchten. Dass das Aufstellen eines Schandbaums eine sehr unreife und äußerst böse Handlung ist, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden.

Ein Maibaum ist ein sehr schöner Liebesbeweis und schmückt obendrein noch das Stadtbild, weil er Frühlingsstimmung erzeugt und ein wenig Farbe ans Haus der Beschenkten bringt. Zudem macht es doch Spaß, sich einfach mal wieder nach der alten Schule umwerben zu lassen… oder nicht? Hast Du bereits einen Maibaum bekommen oder ist es dieses Jahr das erste Mal, dass Du darauf hoffst?

Bildquelle: iStock/Teka77, Instagram/Dinger’s Gartencenter Köln


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Was denkst du?

  • kelebek25 am 01.05.2015 um 08:28 Uhr

    Hier werden zwar Maibäume aufgestellt, aber den Brauch mit der Herzensdame kenne ich nicht. Finde ihn schön!

    Antworten