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Interview

Pia Kabitzsch übers Online-Dating: „Alles ist besser als Ghosting!“

Gerade in Corona-Zeiten hat Online-Dating einen wahrhaften Boom erlebt. Lockdown, Abstandhalten & Sperrstunde haben das Kennenlernen im Alltag erschwert und die Suche nach der Liebe hat sich auf Tinder, Bumble, Parship & Co. verlagert. Immer mehr Leute sind jedoch genervt vom Dating, von dieser Unverbindlichkeit, vom schnelllebigen „Konsum“ von Menschen; viele berichten, dass das Kennenlernen über Online-Dating-Apps anstrengend und energiezehrend geworden ist. Expert*innen sprechen hier auch von ungesundem Datingverhalten. Wir haben mit Pia Kabitzsch im desired-Podcast gesprochen. Sie ist Psychologin, YouTuberin (@psychologeek) und hat ein Buch über Online-Dating geschrieben, in dem sie mit Vorurteilen über Tinder, Bumble & Co. aufräumt und Themen wie Ghosting oder die 3-Tage-Regel anspricht.

Dies ist eine gekürzte Fassung des Interviews. Das vollständige Interview kannst du dir in unserer aktuellen Podcast-Folge anhören.

Pias Buch „It's A Date!“ gibt es hier:

It’s a date!: Tindern, Ghosting, große Gefühle. Was die Psychologie über Dating weiß
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Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 19.08.2022 18:30 Uhr

desired: Pia, wie kamst du dazu, als Psychologin ein Buch übers Online-Dating zu schreiben?

Pia Kabitzsch: Dating hat einfach einen großen Teil meiner Lebensrealität ausgemacht. Ich habe selber über 10 Jahre gedatet. Ich bin also schon lange im Dating-Game aktiv gewesen und habe mir währenddessen immer eine Art Bedienungsanleitung fürs Dating gewünscht. Es gibt natürlich diese ganzen Frauenzeitschriften, die ein paar Regeln aufstellen und ich habe mich immer gefragt: Was ist da wirklich dran? Ich bin selbst Psychologin und für mich war das Thema Dating aus psychologischer Sicht immer super spannend; also habe ich mir diese sogenannten Dating-Regeln mal genauer angeschaut und meine eigene Bedienungsanleitung geschrieben.

Würdest du sagen, dass es im Online-Dating-Zeitalter einfacher oder schwieriger geworden ist, die Liebe zu finden?

Die Auswahl ist auf jeden Fall größer, man hat diesen riesigen Pool an potenziellen Partnerinnen und Partnern und da ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, dass da jemand Passenderes dabei ist als in der eigenen Bubble im Offline-Leben. Es ist so ein bisschen wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen: man muss einfach viel ausprobieren und verschiedene Menschen treffen. Man kann Online- und Offline-Dating nicht so gut vergleichen, es ist einfach eine ganz andere Form des Kennenlernens. Die meisten Paare lernen sich heute online kennen und das spricht ja auch schon für sich.

Bei vielen Online-Dating-Portalen gibt es die Möglichkeit, die Bezahlfunktion zu nutzen. Erhöht das die Chance darauf, Menschen kennenzulernen, die es ernster meinen?

Ja, definitiv. Das ist ja so ein bisschen das Problem der kostenlosen Apps: Man meldet sich „mal eben” an und schaut, was sich so ergibt. Man nimmt es im Zweifel nicht zu 100% ernst, was an sich ja auch okay ist. Bei kostenpflichtigen Portalen bezahlen Menschen jedoch Geld, weil sie es wirklich ernst meinen mit der Partnersuche. Auf kostenlosen Apps kann man natürlich auch jemand Passendes finden. Die Chance ist jedoch höher, dass jemand nur für den „Ego-Boost” da ist, manche finden es einfach spannend, zu sehen, wer so in der Umgebung ist, manche sind auf Reisen und suchen Locals, um zu sehen, wo die nächste Party steigt.

Wenn das Gegenüber einem beim ersten Date nicht gefällt, wie geht man damit am besten um?

Ich find es immer wichtig, dass man der anderen Person respektvoll begegnet, das ist ja auch Teil dieser „Healthy Dating Bewegung”. Ich habe der Person immer eine Mindestdauer von einer Stunde gegeben – diese eine Stunde tut nicht weh, wie ich finde. Die Person ist ja im besten Fall meistens nett, hat eine Geschichte zu erzählen und eventuell etwas total Inspirierendes. Man muss sich auch mal von der Erwartungshaltung lösen, dass es der Prince Charming sein muss. Man sollte versuchen, das Beste draus zu machen, jedoch dem Gegenüber keine falschen Hoffnungen machen und dann am Ende respektvoll und freundlich vermitteln, dass es nicht passt. Grundlage dafür muss natürlich sein, dass man sich mit der Person ein Stück weit wohl fühlt.

Online-Dating kann richtig anstrengend sein, weil es mittlerweile ziemlich viele Dating-Trends gibt, die gar nicht gehen. Die schlimmsten zeigen wir dir im Video:

6 schreckliche Dating-Trends, die über die Jahre entstanden sind Abonniere uns
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Das Thema Ghosting ist immer noch so groß. Warum ist es so viel einfacher, Leuten nicht mehr zu antworten, anstatt ehrlich zu sagen, was Sache ist?

Ghosting ist für viele einfach der easiest way out. Gerade wenn man sich noch nicht persönlich getroffen hat, man keine gemeinsame Lebensrealität hat, nicht den gleichen Freundeskreis, dann wird man sich wohl eher nicht zufällig über den Weg laufen – man hat halt mit absolut keinen Konsequenzen zu rechnen, wenn man ghostet.

Aber alles ist besser als Ghosting! Das kann richtig wehtun, gerade wenn man sich schon getroffen hat und das Date als total schön erlebt hat. Ich habe das selber schon erlebt. Man fühlt sich total connected und auf einmal kriegt man keine Nachricht mehr. Dann schmeißt man natürlich erstmal das Kopfkino an, weil man nicht versteht, was Phase ist. Es wird so viel schwieriger, mit der Sache abzuschließen. Seitdem ich Ghosting am eigenen Leib erfahren habe und dazu ein ganzes Kapitel in meinem Buch geschrieben habe, achte ich viel mehr darauf, die Person hinter dem Profil zu sehen und eben nicht zu vergessen, dass es echte Menschen mit Gefühlen sind.

Was ist dein bester Opener beim Online-Dating, um einen Mann anzuschreiben?

Ich habe mir das Profil angeschaut und geschaut, ob es irgendwelche Informationen gibt, die ich gut in eine erste Nachricht einbauen kann. Ich habe die Männer auch direkt immer mit Vornamen angesprochen. Dann weiß er, dass es keine Copy & Paste Nachricht ist. Ich selbst habe nie auf ein „Hi” geantwortet, da es super unpersönlich ist und ich so sehr schnell das Interesse verloren hab.

Die vollständige Podcast-Folge kannst du dir hier anhören:

Bildquelle: Benjamin Brüggemann
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