Pille danach
Birte Imme am 23.07.2015

Kondom gerissen, Pille vergessen, Diaphragma verrutscht – all diese Verhütungspannen können passieren. Doch wenn Du rechtzeitig reagierst, lässt sich eine ungewollte Schwangerschaft in den meisten Fällen noch verhindern: mit der Pille danach. Doch was ist die Pille danach eigentlich? Wie wirkt sie? Welche Nebenwirkungen hat sie? Und ist es wahr, dass man die Pille danach nun rezeptfrei in der Apotheke bekommt?

Du hattest ungeschützten Geschlechtsverkehr und hast jetzt Angst, schwanger zu werden? Diese Sorge ist verständlich. Mit der Pille danach kann eine ungewollte Schwangerschaft jedoch verhindert werden – vorausgesetzt sie wird rechtzeitig, das heißt so schnell wie möglich nach dem Missgeschick, eingenommen. Erfahre hier alles Wissenswerte zum Thema Notfallverhütung mit der Pille danach.

Was ist die Pille danach?

In Deutschland gibt es die Pille danach in zwei verschiedenen Varianten, also auf der Basis unterschiedlicher Inhaltsstoffe. Die herkömmliche Pille danach basiert auf Levonorgestrel, einem künstlich hergestellten Gestagen, das auch in manchen Anti-Baby-Pillen vorkommt. Sie kann bis zu drei Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, also innerhalb von 72 Stunden, eingenommen werden. Allerdings gilt dabei: Je früher, desto wirksamer. Die Schwangerschaftsrate bei der auf Levonorgestrel basierenden Pille danach, also die Rate der Frauen, bei der es trotz Einnahme zur Schwangerschaft kam, beträgt innerhalb der ersten 24 Stunden 2,5 % (es werden also 25 von 1000 Frauen schwanger). Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr ungewollte Schwangerschaften sind möglich. ellaOne®, eine modernere Variante der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalactetat, hat eine Schwangerschaftsrate von nur 0,9 % bei der Einnahme innerhalb von 24 Stunden (es werden also 9 von 1000 Frauen schwanger) und ellaOne® kann sogar bis zu fünf Tage nach dem Sex eingenommen werden, wirkt also auch dann, wenn andere Präparate nicht mehr helfen. Allerdings ist auch hier die Sicherheit umso höher, je früher das Medikament nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF e. V.) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF e. V.) empfehlen daher ellaOne® als Standardmedikament für die Notfallverhütung, weil sie die wirksamste Pille danach ist.

Pille danach: Es kommt auf den Eisprung an

Der unterschiedlich lange Wirkungszeitraum der Pille danach von 72 oder 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr ist nur von sekundärer Bedeutung. Gut ist jedoch zu wissen, dass über 80 % der Frauen die Pille danach innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verhütungspanne einnehmen. Vielmehr ist es der Zeitpunkt des Eisprungs, auf den es ankommt. Wenn der Eisprung schon erfolgt ist, können beide Pillen danach ihre Wirkung nicht mehr entfalten. Deshalb gilt: Je schneller man die Pille danach einnimmt, desto höher die Chance, dass man dem Eisprung noch zuvor kommen kann.
Zwei Tage vor dem Eisprung sind die fruchtbarsten Tage der Frau. In dieser Zeit gibt es eine fast 30%-ige Wahrscheinlichkeit, dass man bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr schwanger werden kann. Nur ellaOne® kann an diesen beiden fruchtbarsten Tagen noch wirken – sogar bis kurz vor den Eisprung. Die Pille danach mit Levonorgestrel kann das nicht. Was bedeutet das in der Konsequenz? Da der Eisprung sehr variabel ist – von Frau zu Frau und von Zyklus zu Zyklus – kann er vorher nicht genau bestimmt werden. Um sicher zu sein, dass man mit der Pille danach die maximale Wirksamkeit erzielt, sollt man zu dem Präparat greifen, das auch noch an den zwei fruchtbarsten Tagen wirken kann, zu ellaOne®. Dies ist auch der Grund, weshalb Gynäkologen ellaOne® bevorzugen.

Wie wirkt die Pille danach?

Sowohl die Pille danach mit Levonorgestrel als auch die neuere Variante auf Ulipristalactetat-Basis verhindern eine Schwangerschaft dadurch, dass sie den Eisprung verhindern, beziehungsweise nach hinten verschieben – bei ellaOne® sogar dann noch, wenn er kurz bevorsteht. Man spricht auch von einer ovulationshemmenden Wirkung. Die Pille danach mit Ulipristalacetat, ellaOne®, ist ein selektiver Progesteron-Rezeptormodulator (SPRM). Das bedeutet, dass neben der Abwendung bzw. Verzögerung des Eisprungs das Andocken des körpereigenen Sexualhormons Progesteron verhindert wird, sodass dieses nicht wirken kann. Ulipristalacetat hat zudem einen Effekt auf den Follikel (das Eibläschen, welches die Eizelle freisetzt) und hemmt direkt den Eisprung, auch wenn dieser gerade kurz bevor steht. Durch diesen zusätzlichen Effekt kann ellaOne® mehr ungewollte Schwangerschaften verhindern als die Pille danach mit Levonorgestrel. Aktuelle Studien zeigen, dass weder Levonorgestrel- noch Ulipristal-haltige Pillen einen Einfluss auf das Einnisten einer bereits befruchteten Eizelle haben und auch den Embryo nicht schädigen. Eine bereits bestehende Schwangerschaft wird durch die Pille danach nicht beeinträchtigt, da es sich um keine Abtreibungspille handelt.

Die Pille danach ist kein Verhütungsmittel

Pille danach schützt vor ungewollter Schwangerschaft

Pille danach: je früher, desto besser!

Da die Einnahme der Pille danach Deinen Zyklus verschieben kann und weniger wirksam Schwangerschaften verhindert, sollte sie eine Ausnahme bleiben und keinesfalls als reguläre Empfängnisverhütung verstanden werden. Wenn Du nach Einnahme der Pille danach wieder Geschlechtsverkehr hast, ist es sehr wichtig, dass zusätzlich mit einem Kondom verhütet wird. Solltest Du mit der normalen Pille verhüten, kannst Du diese ab dem Tag nach der Einnahme der Pille danach wie gewohnt einnehmen. Ein Schutz ist allerdings erst im nächsten
regelmäßigen Einnahmezyklus gegeben (das gleiche Verfahren wie für den Fall, wenn Du eine Pille vergessen haben solltest).

Welche Nebenwirkungen hat die Pille danach?

Die Pille danach ist verhältnismäßig gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerzen und Unterleibsschmerzen. Kommt es innerhalb von drei Stunden, nachdem die Pille danach eingenommen wurde, zu Erbrechen, sollte unbedingt möglichst zeitnah eine weitere Pille danach eingenommen werden. Bestimmte Arzneimittel z. B. gegen Epilepsie oder Präparate wie Johanniskraut können die Wirksamkeit der Pille danach zudem verringern. Bitte informiere daher Deinen Arzt oder Apotheker, falls Du solche Medikamente einnimmst. Außerdem kann es durch die Pille danach zu Zwischenblutungen kommen und es ist möglich, dass Deine Menstruation sich anschließend verspätet. Das ist kein Anlass zur Sorge, sondern resultiert lediglich der Eisprungverschiebung durch die Pille danach. Falls die Blutung länger als eine Woche nach dem erwarteten Termin ausbleibt, solltest Du einen Schwangerschaftstest machen oder Dich an Deinen Frauenarzt wenden.

Wie bekomme ich die Pille danach?

In Deutschland war die Pille danach bis ins Jahr 2015 in allen Varianten verschreibungspflichtig – um einen Arzt- oder Krankenhausbesuch kam man definitiv nicht herum. Doch seit dem 15. März 2015 können Frauen künftig die Pille danach erhalten, ohne vorher einen Arzt aufzusuchen. Diese überraschende Entwicklung geht auf einen Beschluss der EU-Kommision im Januar 2015 zurück, der das UPA-Präparat ellaOne® als rezeptfrei einstufte. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte daraufhin entschieden, neben Ulipristalacetat auch Levonorgestrel zur Notfallverhütung hierzulande aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Damit ist die Pille danach ab dem 15. März 2015 endlich auch in Deutschland ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. In den meisten EU-Ländern – außer in Polen, Italien und Ungarn – ist die Pille danach auf Levonorgastrel-Basis bereits seit vielen Jahren rezeptfrei zu haben. Achtung! Wenn Du unter 20 Jahre alt bist und die Pille danach nicht selbst zahlen willst, gibt es eine Ausnahmeregelung: Deine Krankenkasse übernimmt in diesem Fall die Kosten, allerdings nur, wenn Dir ein Arzt die Pille danach verschrieben hat. Rezeptfreie Arzneimittel werden von Versicherten zwar in der Regel selbst bezahlt, für Notfallkontrazeptiva gibt es aber eine Ausnahme.

Pille danach – Die wichtigsten Fakten

  • Es gibt zwei Varianten der Pillen danach. Jedoch nur ellaOne® mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wirkt noch an den beiden fruchtbarsten Tagen vor dem Eisprung, also dann, wenn es darauf ankommt. Für die Einnahme gilt aber immer: je früher, desto besser!
  • Die Pille danach ist keinesfalls zur generellen Verhütung gedacht! Sie verhindert im Vergleich zu regulären Verhütungsmethoden weniger wirksam Schwangerschaften und sollte daher eine Ausnahme bleiben.
  • Die Pille danach ist generell gut verträglich, kann aber Nebenwirkungen hervorrufen. Am häufigsten sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Unterleibsschmerzen. Sie sind jedoch eher ungefährlich.
  • Die Pille danach ist seit dem 15. März 2015 rezeptfrei in der Apotheke erhältlich!
  • Die Pille danach führt nicht zu Unfruchtbarkeit! Sie hat keinen Einfluss auf die generelle Fruchtbarkeit oder auf zukünftige Schwangerschaften.
  • Die Pille danach bietet keine Garantie für ein Verhindern der Schwangerschaft! Sie wirkt nur dann, wenn sie vor dem Eisprung eingenommen wird, und ist somit umso wirksamer, je schneller die Einnahme nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr erfolgt.
  • Die Einnahme der Pille danach ist keine Abtreibung! Sie verhütet eine Schwangerschaft – sie bricht eine bestehende Schwangerschaft nicht ab!

Ist es einmal zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen und soll eine Schwangerschaft verhindert werden, dann ist die Pille danach eine relativ sichere und körperlich gut verträgliche Lösung. Allerdings schützt die Pille danach nicht 100%ig vor einer ungewollten Schwangerschaft. Sie ist kein reguläres Verhütungsmittel und ihre Einnahme sollte eine Ausnahme bleiben! Die Informationen dieses Artikels darfst Du auf keinen Fall als Ersatz für eine professionelle Beratung bei Deinem Frauenarzt oder Apotheker ansehen. Den Inhalt der Seite kannst und darfst Du nicht verwenden, um selbstständig eine Diagnose zu stellen oder Dich medizinisch zu behandeln.

Bildquellen: iStock/Magone; iStock/g-stockstudio

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