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Jessica Tomalaam 11.10.2018

Plastikfrei leben, eine Entscheidung, die angesichts der über 220 Kilo Verpackungsmüll, den wir in Deutschland pro Kopf im Jahr produzieren, sicherlich richtig ist. Charlotte Schüler versucht seit drei Jahren so gut es geht auf Plastik zu verzichten und will den nachhaltigen Lebensstil vor allem jungen Leuten schmackhaft machen. Wir haben die 23-jährige Münchnerin bei der Eröffnung der ersten Unverpackt-Filiale des britischen Kosmetikherstellers Lush“ in Deutschland zum Interview getroffen.

desired: Warum hast du dich für ein plastikfreies Leben entschieden? Was war dein Ansporn?

Charlotte: In erster Linie war das tatsächlich wegen meiner Mama, sie hat vor mir damit angefangen. Erst mal fand ich es komisch und sehr strikt. Mir ist dann aber tatsächlich der ganze Müll um mich herum aufgefallen. Gleichzeitig erschien auch der Film von Werner Boote „Plastic Planet“* und alles zusammen war für mich dann ein Grund dafür, endlich loszulegen. Ich habe dann nach Plastikalternativen gesucht und die gab es auch. Und so habe ich nach und nach Plastik in meinem Alltag ersetzt. Es hat etwa zwei Jahre gedauert, aber jetzt lebe ich auch im Alltag plastikfrei. Es gibt natürlich immer noch Anschaffungen, wie zum Beispiel im Technikbereich, da geht das leider nicht. Aber die Alltagsdinge konnte ich Step by Step ersetzen.

Auf welches Plastikprodukt hast du zuerst verzichtet?

Tatsächlich waren das Plastikflaschen. Ich habe mir da eine Edelstahlflasche angeschafft. Schon vorher habe ich meine Plastikflasche immer mehrfach genutzt und wiederbefüllt. Und die Edelstahlflasche begleitet mich jetzt jeden Tag.

Du führst ja auch den Blog „Plastikfrei leben“. Wie kam dir die Idee dazu?

Es fing an, dass meine Mama einen plastikfreien Laden in München aufgemacht hat und ich zeigen wollte, dass es eben nicht öko sein muss, plastikfrei zu leben. Außerdem wollte ich die Produkte im Alltag eines jüngeren Menschen präsentieren. Plastikfrei leben kann cool sein und man muss auch auf nichts verzichten, wenn man Plastik vermeiden will. Deshalb habe ich zunächst mit Instagram angefangen. Das kam richtig gut an und dann habe ich nach einem halben Jahr, weil ich parallel eine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht habe, meine Website online gestellt. Manche Themen kann man halt einfach nicht mit einem Instagram-Post erklären.

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Was ist die häufigste Frage, die dir von deinen Followern gestellt wird?

Es ist oft saisonabhängig, aber oft fragen sich die Follower, wie sie anfangen können plastikfrei zu leben. Viele jüngere Follower wollen wissen, was sie machen sollen, wenn sie noch bei ihren Eltern leben und auf Plastik verzichten wollen, die Eltern aber nicht mitziehen. Da darf man nicht deprimiert werden, sondern man kann sich zum Beispiel seine eigene Bambus-Zahnbürste oder Zahnputztabletten kaufen. Damit greift man nicht in den Alltag der Eltern ein. Viele Produkte kann man für sich selbst ersetzen, ohne dass man andere Leute beeinflusst.

Warum ist es besonders im Kosmetikbereich so wichtig auf Plastik zu verzichten?

Sobald wir die Produkte von unserem Gesicht abwaschen, gelangt es ins Abwasser und kann nicht rausgefiltert werden, weil es so klein ist. Das Mikroplastik landet dann irgendwann im Meer und in unserer Nahrungskette, weil die Fische das Plastik essen und wir dann die Fische. Das ist nur eine negative Auswirkung von Mikroplastik, deswegen ist es wichtig, das wir darauf verzichten und zum Beispiel lieber auf Glitzer aus Algen setzen.

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Es heißt oft, plastikfrei zu leben, würde mehr Geld kosten. Stimmst du da zu?

Also ein paar Sachen kosten mehr Geld, aber ich sehe es eher als Investition. Zum Beispiel eine Brotzeitbox aus Edelstahl*, die kostet dann 30 Euro, aber was soll mit dieser Brotzeitbox auch geschehen? Die hast du dein Leben lang. Außer du verlierst sie. Sonst kann diese Box nicht kaputt gehen, genauso wie mit meiner Wasserflasche. Klar sind die paar Anschaffungen teurer, aber du sparst auch Geld. Denn wer plastikfrei lebt, der konsumiert auch bewusster und weniger. Wenn wir ehrlich sind, geben wir wahnsinnig viel Geld für Schmarrn aus. Das liegt dann nur zu Hause rum, obwohl es wahnsinnig viel gekostet hat. Da sollte man eher auf Qualität statt auf Quantität gehen.

Also ändert man dadurch auch seine Lebensweise?

Ja, für mich hat es auch etwas mit Minimalismus zu tun, weil es eine Lebensweise ist, die einem die Augen öffnet. Wir kaufen uns alle mit Sachen zu, die wir nicht brauchen. Und alleine durch dieses Umdenken, mal auf etwas zu verzichten, spart man schon eine Menge Geld. Man gibt sein Geld auch nicht mehr für Müll aus, denn wir zahlen die Verpackungen auch mit. Es kommt aber auch darauf an, wie man vorher gelebt habt. Wenn man vorher schon viele Bio-Produkte gekauft hat, sind die Lebensmittel auch nicht viel teurer. Wenn man vorher aber im Discounter eingekauft war, ist es zunächst sicher teurer.

Kostet es dich denn mehr Zeit plastikfrei zu leben?

Eigentlich spart es Zeit, weil es wahnsinnig viel erleichtert. Man geht nicht in den Supermarkt und denkt sich, was koche ich jetzt oder wird abgelenkt von den Angeboten. Dir ist viel klarer, was du brauchst und was man nicht. Wenn ich in einen Unverpackt-Laden gehe, dann kaufe ich für einen Monat ein. Ich weiß ungefähr, was ich an Reis, Nudeln, Mehl brauche und kaufe dann wöchentlich frische Sachen dazu.

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Bei welchen Produkten ist es schwieriger auf Plastik zu verzichten?

Bei Techniksachen auf jeden Fall. Und ich nutze auch noch Kontaktlinsen. Da kommen jeden Monat noch zwei Verpackungen dazu und die Lösung für die Kontaktlinsen. Das ist mein Plastiklaster. Wer anfängt auf Plastik zu verzichten und dann nur diese eine Sache hat, auf die man nicht verzichten kann, hat man aber noch Tausend andere Möglichkeiten. Es steht und fällt nicht immer mit einem Produkt. Und sonst sind Anschaffungen, wie eine neue Matratze, die ist in Plastik eingeschweißt. Aber das sind momentan die minimalsten Müllverursacher von uns. Es sind eher die Produkte, die wir nur fünf bis zwanzig Minuten nutzen, die den vielen Plastikmüll verursachen.

Also ist es auch schon hilfreich klein anzufangen?

Na klar, jeder Strohhalm zählt. Es sind wirklich die kleinen Sachen. Und auch wenn man einen Rückfall hat, ist es auch keine Katastrophe, dann fängt man wieder von vorne an. Es muss eine nachhaltige Veränderung sein und keine von jetzt auf gleich. Dann ist man nur überfordert und angenervt. Je nachdem, in welcher Lebenssituation man sich gerade befindet, desto schneller oder langsamer macht man den Prozess durch. Für eine Mutter mit drei Kindern wird es am Anfang zeitaufwendiger. Aber dann zahlt es sich dann aus.

Danke für das Interview!

Komplett auf Plastik zu verzichten, ist sicher eine Herzensangelegenheit, die langfristig nicht nur dir, sondern uns alle helfen würde. Verzichtest du vielleicht auch schon auf Plastik? Bei welchen Produkten fällt dir das am schwersten? Verrate es uns in den Kommentaren!


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