Babybauch
Ricarda Biskoping am 17.10.2018

Mein Leben lang fand ich die Vorstellung, ein Kind auf die Welt zu bringen, einfach grauenvoll. Unvorstellbar, wie schlimm diese Schmerzen sein müssen, wenn man einen kleinen Menschen aus sich herauspressen muss. Jetzt bin ich zum ersten Mal schwanger. Und wirklich alles hat sich geändert … Die Angst ist wie verflogen.

Vor rund einem Jahr habe ich ein sehr intensives Gespräch mit meiner großen Schwester geführt. Sie war zum damaligen Zeitpunkt schwanger, ich dagegen saß noch fast täglich abends biertrinkend in den Berliner Kneipen. Dass ich wenige Monate später auch in anderen Umständen sein würde, ahnte ich damals noch nicht.

Als Journalistin habe ich die Angewohnheit, Menschen ständig über Themen auszufragen, die mich privat brennend interessieren. So also auch bei meiner Schwester – ich überhäufte sie mit Fragen zur bevorstehenden Geburt: Hand aufs Herz – In wenigen Wochen steht die Geburt an, wie viel Schiss hast du wirklich vor diesem Tag? Hast du vielleicht sogar schon Albträume? Panik-Attacken? Schlaflose Nächte? Kopfkino?

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Ihre Antwort überraschte mich. Völlig unaufgeregt beantwortete sie meine Fragen, machte mir klar, dass sie absolut gar keine Angst vor der Geburt habe. Ganz im Gegenteil: Sie freue sich auf den Moment, habe so lange darauf hingearbeitet und sei wirklich gespannt, wie sich die Geburt anfühlen wird.

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Entbindung? Nein, danke!

Gespannt? Auf die Schmerzen während der Wehen? Völliger Bullshit. Ich wollte ihre Worte nicht so recht glauben, sprach mit meiner besten Freundin aus Jugendzeiten darüber. Seit über fünfzehn Jahren ist sie meine engste Verbündete, mit der ich ausgelassen und völlig offen über Horrorthemen wie Tod, Krankheit oder eben auch Geburten rede. Wir können uns verdammt gut in Themen verlieren.

Ich erinnere mich sehr genau, wie wir damals häufig dieses Thema diskutiert haben. Das Fazit fiel immer gleich aus: Kinder? Wir seien uns wirklich nicht sicher, ob wir jemals welche bekommen wollen. Wir sind ja auch so schmerzempfindlich und sensibel. Und überhaupt. Autsch! Schon der Gedanke an eine Entbindung machte uns so fertig, dass wir das Thema immer schnell wieder wechseln mussten und nicht mehr darüber nachdenken wollten. Es sei eh noch keine Option, man habe ja noch so viel Zeit. Erstmal müsse man sich darüber keinen Kopf machen.

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Natürlich hat man vor der Geburt Angst! Oder?

Als ich meiner Freundin von den Aussagen meiner Schwester berichtete, kam das Thema bei uns beiden wieder hoch. Wir waren uns noch immer sicher: Keine Angst vor der Geburt könne einfach nicht sein! Wir kamen zu dem Entschluss, dass wir niemals so entspannt an die Sache gehen würden, meine Schwester eben auch ein anderer Typ Mensch sei: ausgeglichen, immer entspannt und vor allem null schmerzempfindlich. Oder aber ihr positives Reden folgende Ursache haben könne: Selbstschutz!

Doch auch nach der Geburt meiner kleinen Nichte blieb meine Schwester dabei: Es sei alles wirklich nicht so wild. Die Horror-Storys, die man immer höre, seien völlig übertrieben. Es habe natürlich schon weh getan (sie lag etwa 12 Stunden in den Wehen!), aber die Vorstellungen seien wirklich schlimmer als die Realität. Eine Wehe dauere ja auch immer nur wenige Sekunden an. Ich versuchte, die „Wahrheit“ aus ihr herauszuquetschen, machte ihr klar, dass sie mit mir wirklich offen und ehrlich darüber unterhalten könne, wie schlimm es wirklich war. Doch sie blieb bei ihrer Version.

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Die Hormone haben auch mich ausgetrickst

Und wie das Leben so spielt, bin ich jetzt eine von den Personen, die sich langsam auf eine Geburt vorbereiten müssen. Ich bin im siebten Monat schwanger, heißt: Das letzte Drittel steht bald an, bevor es dann auch für mich in den Kreißsaal geht. Und mit der folgenden Aussage überrasche ich mich selber, denn – ich habe plötzlich keine Angst mehr vor diesem Moment. Ich habe vor sehr vielen Dingen Angst: Keine gute Mutter sein zu können, das Baby zu verlieren, dass es dem Baby in meinem Bauch nicht gut geht oder es krank sein könnte. Dass es ein Schreikind sein wird oder ich unter Depressionen im Wochenbett leiden könnte. Vermutlich gibt es noch unzählige andere Dinge, vor denen werdenden Mütter Angst haben. Fakt ist: Manchmal werde ich mitten in der Nacht wach und mir wird bewusst, dass ich in 15 (!) Wochen ein Baby bekomme! Und manchmal überkommt mich dann tatsächlich auch Panik, weil das einfach noch nicht greifbar ist. Und vermutlich bis zur Geburt auch unreal bleiben wird.

Geburt, du kannst mich mal!

Doch es gibt eine Sache, vor der ich plötzlich wirklich keine Angst mehr habe: Vor der Entbindung selbst. Denn meine Schwangerschaftshormone haben auch mich ausgetrickst und überschütten mich so sehr mit Mama-Gefühlen, dass ich mir jetzt schon sicher bin, in dem Moment der Geburt Berge versetzen zu können. (Danke an die Natur für diese unglaubliche Fähigkeit!) Und weil ich mir von Herzen wünsche, das kleine Wesen endlich willkommen zu heißen. Und mich darauf freue, das dieses Abenteuer endlich beginnt.

Jede Schwangerschaft ist individuell! Frauen zeigen, wie unterschiedlich Baby-Bäuche aussehen …

Frauen zeigen, wie unterschiedlich Babybäuche aussehen

All die Geschichten, die ich jetzt zum Thema „schlimmste Schmerzen der Welt“ höre, prallen an mir ab. Auch schreckliche Storys über den Kindstod oder Behinderungen bleiben bei mir nicht hängen. Es ist so, als würde ich in einer Blase leben. Ich konzentriere mich nur auf mein Kind und mich. Alles anderes ist nebensächlich. So schützen wir uns! Und jeden Samstag freue ich mich aufs Neue, wieder eine Woche geschafft zu haben.

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Und obwohl ich weiß, dass mich die Schmerzen im Kreißsaal richtig fertig machen werden (schmerzempfindlich bin ich auch jetzt noch!), ignoriere ich diese Gedanken und schiebe sie weg. Denn darüber kann ich mir später den Kopf zerbrechen. Und wenn es so weit ist, dann ist eh alles egal. Dann bin ich nur noch wenige Stunden von dem wohl schönsten, aufregendsten, herzzerreißendsten Moment meines Lebens entfernt: Der Moment, in dem ich mein Kind zum ersten Mal sehen und knutschen darf. Jede Wehe wird mich einen Schritt weiter zu meinem Baby bringen, zehn Monate Warten haben dann endlich ein Ende. Und wie heißt es doch so schön: Wenn das Kind erstmal da ist, dann sind alle Schmerzen vergessen. Und: Raus kommen sie ja immer.

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Mittlerweile verstehe ich die Intention meiner Schwester. Auch ich freue mich auf diesen besonderen Tag, der mein Leben komplett verändern wird. Und nach der Geburt werde ich vor allem eins sein: Der stolzeste Mensch der Welt, ein (hoffentlich) gesundes Kind auf die Welt gebracht zu haben.

Wie ging es dir während deiner Schwangerschaft? Hattest auch du plötzlich und komischerweise weniger Angst vor der Geburt? Oder gehörst du vielleicht zu den Frauen, die noch keine Kinder haben und sich bei dem Gedanken an eine Geburt schon fast einnässen? Lass uns deine Empfindungen dazu in den Kommentaren hier oder bei Facebook wissen, wenn du möchtest.

Bildquelle:

iStock/NataliaDeriabina, giphy.com


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