Kann man mit Hefepilzen aus der Vagina Brot herstellen?
Katharina Meyeram 26.05.2017

Gibt es etwas Angenehmeres, als den Duft frischgebackenen Brotes? Das hat sich wohl auch Bloggerin Zoe Stavri gedacht, die das so ziemlich Unangenehmste auf dieser Welt – einen Scheidenpilz – als Zutat nahm, um ihr eigenes Sauerteigbrot zu backen.

Auch wenn Zoe Stavri, alias stavvers, als feministische Bloggerin bekannt ist, war ihre Motivation für das ungewöhnliche (und für viele wohl eher eklige) Backprojekt kein Statement für den Feminismus – ist es dann aber doch irgendwie geworden.

„Alles begann mit einer fatalen Kombination aus einem leicht perversen Sinn für Humor, einem brennenden wissenschaftlichen Interesse und dem Anflug einer Pilzinfektion“, schreibt sie auf ihrem Blog. „Als ich am Samstag mit dem altbekannten Brennen in der Vagina aufgewacht bin, kicherte ich vor mich hin und dachte ‘Vielleicht kann man damit ja Brot machen‘. Und dann wurde daraus schnell ‘Ich wollte ja eigentlich schon immer mal meinen eigenen Sauerteig machen‘ und dann ‘Fuck, würde das wohl funktionieren?‘ und dann war ich so neugierig, dass das nächste, was passierte, war, dass ich weißen Schleim von einem Dildo in eine Schüssel mit Mehl und Wasser kratzte.“

Nicht nur eklig, sondern ungesund?

Auch wenn das Ganze vielleicht in erster Linie nicht als feministische Aktion gedacht war, rief das außergewöhnliche Backprojekt eine Menge negativer Kommentare hervor. Da die Reaktionen jedoch nicht nur die erwartbaren „Ieehh, Körperflüssigkeiten!“ oder die Frage, ob das nicht ungesund oder unhygienisch sei, hervorriefen, sondern auch Kommentare wie „Ich glaube, du verwechselst geistige Gesundheit mit Feminismus“ oder sogar krasse Beleidigungen wie „Du dreckige, dreckige Schlampe, versenk dich selbst im Atlantik“ hervorriefen, kam Zoe Stavri nicht umhin, die überzogene Gegenwehr als tiefer verwurzelt zu sehen.

„Ich hatte ein paar ‘Igitts‘ und vielleicht auch ein paar ‘Ich würde das nicht essen‘ erwartet, aber nicht dieses Level an blankem Entsetzen“, so Zoe. „Ich vermute, dass die große Mehrheit des Horrors über meinen Sauerteig nichts mit der Sorge um Essenshygiene zu tun hat, sondern eher mit dem allgemeinen Misstrauen und der Angst vor Vaginas.“ Zur Bekräftigung dieser Aussage, klärt sie in ihrem Blogbeitrag über die wissenschaftlich-hygienische Komponente ihres Vagina-Brotes genauer auf.

So entsteht ein Scheidenpilz… und ein Sauerteig

Ein Sauerteig entsteht

Ein Sauerteig entsteht…

Das unangenehme Jucken und Brennen, das viele Frauen hin und wieder am eigenen Leib ertragen müssen, entsteht durch Hefepilze, die zusammen mit anderen Mikroorganismen in unserer Vagina leben. Sowieso immer. Erst, wenn die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht gerät und die Pilze und Bakterien nicht mehr im Zaum halten kann (passiert zum Beispiel bei übertriebener Intimhygiene), entsteht eine Infektion. Der Hefepilz, Candida albicans, an sich, ist weder etwas Ungesundes noch gefährlich für den menschlichen Körper. Doch damit backen? Was passiert dabei? Ein Sauerteig entsteht dadurch, dass Wasser und Mehl durch Milchsäure-Bakterien und Hefepilze in der Luft und im Wasser und Mehl selbst zum Gären gebracht werden. Da auch im Vaginalsekret, das Stavri in ihren Teig gemischt hat, vor allem diese beiden Bestandteile vorhanden sind, dürfte ihr Sauerteig sich gar nicht so sehr von anderen unterscheiden. Und da sich die Hefepilze bei wohlig warmen 37 Grad – wie sie in der Scheide vorherrschen – am wohlsten fühlen und sowohl bei Raumtemperatur als auch beim Backen des Brotes bei mehr als 70 Grad abgetötet werden, ist der Hygienefaktor bei diesem Projekt zu vernächlässigen.

Bleibt nur noch eine Frage…

…und zwar, ob das Vagina-Brot denn nun gelungen ist und geschmeckt hat. 36 Stunden nach Ansetzen des Sauerteigs twittert Zoe Stavri ihr erstes Erfolgserlebnis: „Es lebt!“ Und wie sie einige Tage später auf ihrem Blog verrät: „Es ist köstlich. Ich habe heute Abend Bruschetta daraus gegessen und es schmeckte perfekt!“

Falls du das Experiment bei deiner nächsten Scheidenpilzinfektion selbst mal ausprobieren möchtest, hier das Rezept:

Bruschetta mit Tomaten

Zoe hat ihr Brot als Bruschetta gegessen.

Zutaten:

1 kleine Tasse Weizenmehl (Typ 405)
½ Tasse Wasser
So viel Scheidenpilz, wie du von einem Dildo kratzen kannst.

So geht‘s:

Vermische alle Zutaten in einer Schüssel, decke diese mit Frischhaltefolie ab und lass sie bei Raumtemperatur stehen. Am nächsten Tag fügst du eine weitere kleine Tasse Mehl und eine halbe Tasse Wasser hinzu und deckst anschließend wieder ab. Und so weiter. Du erkennst an einen säuerlich fruchtigen Geruch, ob sich die Milchsäurebakterien durchgesetzt haben (und nicht Fäulnisbakterien, die du an einen faulen, muffigen Geruch erkennst). Ab dem vierten Tag kannst du den Sauerteig benutzen und damit Brot backen.

Auch, wenn ich zugegebenermaßen gemischte Gefühle gegenüber diesem Scheidenpilz-Brot habe (wovon Ekel definitiv eines ist), finde ich die Aktion und die Art und Weise, wie Zoe daran die Biologie von Sauerteig und unserem Körper gleichermaßen beschreibt, ziemlich genial. Und du? Würdest du ein so gebackenes Brot essen? Verrate es uns in den Kommentaren oder auf Facebook!

Bildquellen: iStock/Arx0nt, iStock/VladimirFLoyd, iStock/Grahamphoto23, iStock/sjenner13


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