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Warum Menstruations­urlaub Frauen langfristig benachteiligt

Kommentar

Warum Menstruations­urlaub Frauen langfristig benachteiligt

In manchen Ländern Asiens gibt es ihn schon, in Europa wird darüber noch heftig diskutiert: Menstruationsurlaub gestattet Frauen, einen oder mehrere Tage im Monat nicht zur Arbeit zu erscheinen. Was zunächst nach einer feministischen Errungenschaft klingt, ist in meinen Augen ein Rückschritt: Wenn wir einfach hinnehmen, dass die Monatsblutung Frauen arbeitsunfähig macht, kann es nie eine geschlechtliche Gleichbehandlung im Berufsleben geben. 

Bisher ging es doch auch ohne!

Schwitzend mit heftigen Unterleibskrämpfen im Büro, gleichzeitig grummelt der Magen und auf Ansagen deines Chefs oder deiner Chefin reagierst du plötzlich hypersensibel – keine Frage, ich weiß, wie ätzend es sich anfühlen kann, wenn die Periode während der Arbeitszeit einsetzt. Ich gehöre ganz gewiss nicht zu diesen gesegneten Frauen, die ohne Schmerzen mit ein paar Mini-Tampons ihre Monatsblutung in wenigen Tagen überwunden haben. Nein, an manchen Tagen habe ich auch schon in leicht gekrümmter Haltung am Schreibtisch gesessen und dachte: ‚Eine Geburt kann sich doch wohl nicht viel schlimmer anfühlen!’ Natürlich würde ich in solchen Momenten lieber zu Hause auf der Couch liegen – und dafür auch noch weiterhin mein Gehalt einkassieren.

Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass diese krampfartigen Schmerzen nicht ununterbrochen den ganzen Tag anhalten und auch nicht unbedingt jedes Mal auftreten. Das mag bei manchen Frauen natürlich anders sein. Wie stark Menstruationsbeschwerden sind, ist sehr individuell und lässt sich für Außenstehende nur schwer nachempfinden. Ich würde mich aber mal so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass die große Mehrheit der Frauen nicht jeden Monat unter derart lähmenden Schmerzen leidet, dass sie außer Stande sind, ihre Arbeit zu verrichten. Wäre dem so, würden Frauen in jeglichen Berufssparten merklich weniger Leistung zeigen als ihre männlichen Kollegen. Tatsache ist doch aber: Wir haben es bisher auch ohne Menstruationsurlaub geschafft.

Gleichbehandlung trotz Sonderbehandlung?

Natürlich klingen mehr Urlaubstage zunächst reizvoll. Ich freue mich auch über jeden zusätzlichen freien Tag, den mir mein Arbeitgeber schenkt. Allerdings sollten Befürworter von Menstruationsurlaub auch mal einen Schritt weiter denken: Welche langfristigen Konsequenzen würden zusätzliche freie Tage ausschließlich für Frauen haben? Zu welchem Preis käme diese Sonderbehandlung? Und würdest du als Arbeitgeber nicht lieber einen Mann einstellen, der nicht potenziell drei Tage im Monat fehlt (dieser Vorschlag wurde im italienischen Parlament diskutiert, schlussendlich aber doch nicht gestattet), zusätzlich zu Krankheitstagen und Urlaub?

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Menstruation ist keine Krankheit

Diese Konsequenzen nicht mitzudenken ist reichlich naiv. Um Frauen im Berufsleben Männern gleichzustellen brauchen wir – abgesehen vom unausweichlichen Mutterschutz – keine Sonderbehandlungen. Diese mögen uns zwar auf den ersten Blick zugute kommen, langfristig führt das aber dazu, dass wir es akzeptieren, dass Frauen nun mal nicht so leistungsfähig sind wie Männer. Das Vorurteil, dass Frauen während ihrer Monatsblutung nicht zurechnungsfähige Wesen sind, die man besser mit Samthandschuhen anfasst, hält sich nach wie vor wacker und würde dadurch noch mehr Aufwind erhalten. Brauchen wir in einer Welt, in der menstruierende Frauen von Chauvinisten belächelt oder in vielen Ländern zu Hause isoliert werden, wirklich ein solches Angebot?

In meinen Augen verstärkt die Durchsetzung von Menstruationsurlaub nur die Sicht auf die Monatsblutung als etwas Krankhaftes und stark Beeinträchtigendes. In Wahrheit kommen viele Frauen aber gut mit den Begleiterscheinungen aus. Und wer auf Menstruationstassen umsteigt, erspart sich auch das lästige Wechseln von Tampons auf der Büro-Toilette. Wer hingegen regelmäßig extreme Schmerzen hat oder an Krankheiten wie PCOS oder Endometriose leidet, die die Monatsblutung verschlimmern, sollte ärztliche Hilfe suchen und sich krankschreiben lassen können. Das ist klar. Aber wir brauchen keine Universallösung für alle Frauen. Problematisch wird es nämlich, wenn wir durch das Angebot eines Menstruationsurlaubs eine monatliche Auszeit normalisieren – insbesondere für Berufseinsteigerinnen. Diese würden mit der Annahme aufwachsen, dass Frauen biologisch eingeschränkt sind und aufgrund dieser Benachteiligung eine Sonderbehandlung brauchen. Für mich ist das das Gegenteil vom Empowerment.

Menstruationsbeschwerden können definitiv deine Lebensqualität beeinträchtigen, aber es gibt ein paar Tricks, um sie zu lindern:

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Privilegien oder Gleichbehandlung? Beides geht nicht!

Die Diskussion um Menstruationsurlaub zeigt ein mal mehr, dass sich oft nicht eindeutig festlegen lässt, was eine feministische Errungenschaft ist, und was nicht. Für mich bedeutet Feminismus etwas anderes, als Frauen mehr Privilegien einzuräumen. Vielmehr möchte ich mich als Frau nicht immer in der benachteiligten Opferrolle sehen. Bin ich genervt davon, dass wir von Natur aus allmonatliche körperliche Beschwerden bekommen? Klar! Aber ich möchte deswegen als erwachsene Frau dennoch nicht verhätschelt werden, sondern kann einfach mal die Zähne zusammenbeißen, wie es Generationen von Frauen vor uns auch ohne Menstruationsurlaub geschafft haben. Nur weil mich mein Unterleib plagt, möchte ich nicht anders behandelt werden als meine männlichen Kollegen, sondern lieber vorleben, dass die meisten Frauen stark genug sind, um sich davon nicht unterkriegen zu lassen.

Bildquelle:

Getty Images/AaronAmat

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