ADHS: Folgen im Alter

ADHS ist nicht nur ein Kinderleiden, sondern kann sich auch im Alter noch auswirken. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

ADHS, die so genannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, ist weit verbreitet und inzwischen sogar als die häufigste Entwicklungsstörung unter Kindern und Jugendlichen medizinische anerkannt. Dabei wird häufig vergessen, nach den Folgen von ADHS im Erwachsenenalter zu fragen. Die sind nämlich nicht gering, wie eine neue Studie jetzt gezeigt hat.

ADHS ist nicht nur eine Kinderkrankheit

Die Studie, die kürzlich in der Online-Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlich wurde, beschäftigte sich mit den Auswirkungen von ADHS im Erwachsenenalter. Das Team aus Medizinern und Entwicklungspsychologen um William Barbaresi vom Boston Children’s Hospital begleitete im Rahmen der Studie insgesamt 5.700 Kinder der Stadt Rochester, die zwischen 1976 und 1982 geboren worden waren. Die Kinder wurden in dieser Zeit medizinisch betreut und bis ins Erwachsenenalter im Rahmen gewisser medizinischer Parameter im Hinblick auf ADHS beobachtet. Von den 5.700 in der Studie berücksichtigen Kindern wurde bei 367 ADHS diagnostiziert. Aufgrund verschiedener Umstände konnten allerdings nur 232 von ihnen auch im Erwachsenenalter noch einmal detailliert befragt werden. Sieben der an ADHS erkrankten Kinder waren zum Ende der Studie bereits verstorben, drei von ihnen hatten Suizid begangen. Die prospektive Studie des Wissenschaftlerteams brachte ein alarmierendes Ergebnis. Fast ein Drittel der in der Kindheit an ADHS leidenden Probanden wies auch im Erwachsenenalter noch Verhaltensstörungen auf, obwohl drei Viertel aller Kinder im Hinblick auf die Entwicklungsstörungen behandelt worden waren. Bei sogar 57 Prozent der Studienteilnehmer mussten die Ärzte bei einer späteren Befragung mindestens eine weiter psychische Erkrankung feststellen.

Vater mit Sohn

ADHS kann sich bis ins Erwachsenenalter auswirken


ADHS wirkt sich auch im Erwachsenenalter nachhaltig aus

Besonders häufig auftretende psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter waren Sucherkrankungen, antisoziale Persönlichkeitsstörungen, Hypomanie, generalisierte Angststörungen und Depressionen. Zwar räumen die Wissenschaftler ein, dass auch 35 Teilnehmer der Studie, die nicht an ADHS erkrankt waren, im Erwachsenenalter an psychischen Störungen litten, trotzdem zeichnet sich ihrer Meinung nach ein klares Bild: „Wir leiden unter der Fehlwahrnehmung, dass ADHS nur so eine lästige und überbehandelte Kindheitsstörung ist“, warnt William Barbaresi, „doch das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wir müssen ADHS als eine chronische Krankheit betrachten, die ähnlich langfristig behandelt werden sollte wie Diabetes“. Das Ergebnis der Studie kann nach Meinung des Mediziners gar nicht überbewertet werden. Er gibt im Gegenteil zu bedenken, dass die Probanden der Studie zu großen Teilen aus einer ausreichend gebildeten und medizinisch gut versorgten Mittelschicht stammten und daher sogar ein eher positives Bild, ein so genanntes „Best-Case-Szenario“ zeichneten. Die Empfehlung des Fachmannes besteht nach den Ergebnissen der Studie darin, an ADHS erkrankte Kinder und Jugendliche auch in der Pubertät noch einschlägig zu behandeln und medizinisch zu beobachten.

ADHS ist keineswegs nur eine Kinderkrankheit, sondern kann sich auch im Erwachsenenalter nachhaltig auswirken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die kürzlich im Online-Fachmagazin „Pediatrics“ veröffentlicht wurde. Demnach zeigte ein alarmierend großer Anteil der an ADHS erkrankten Probanden auch im Erwachsenenalter noch vielfältige psychische Erkrankungen. Fachleute empfehlen daher, die Behandlung von ADHS ernster zu nehmen und auch über die Pubertät hinaus noch fortzusetzen.

Bildquelle: Goodluz | Dreamstime.com

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