Methylphenidat-Verbrauch erstmals nicht gestiegen

Immer häufiger wird bei Kindern eine Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert und nicht selten empfehlen behandelnde Ärzte eine medikamentöse Behandlung – unter anderem mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nun bekannt gab, ist der Methylphenidat-Verbrauch im Jahr 2013 jedoch zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht weiter gestiegen.

Methylphenidat ist ein Wirkstoff, der für die Behanldung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zugelassen ist und unter anderem unter dem Handelsnamen „Ritalin“ bekannt ist. Das Medikament hemmt die Funktion von Transportern für die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und hilft Betroffenen dadurch, ihren Alltag besser zu meistern. Seit 1971 ist Methylphenidad dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Bevor es verschrieben wird, erfolgt daher eine genaue Diagnostik und die medikamentöse Therapie wird immer von einem Spezialisten und weiteren therapeutischen Maßnahmen begleitet. Einer aktuelllen Statistik des BfArM zufolge ist der Methylphenidat-Verbrauch im vergangenen Jahr das erste Mal seit zwei Jahrzehnten nicht weiter angestiegen, während sich der Verbrauch in den zehn Jahren zuvor sogar verdreifacht hatte. Laut BfArM wurden 2013 in Deutschland 1803 Kilogramm Methylphenidat verbraucht – 2012 waren es noch 1839 Kilogramm.

Ist ein kritischerer Umgang mit Methylphenidat die Ursache?

Dass der Verbrauch von Methylphenidat letztes Jahr erstmals um zwei Prozent gesunken ist, werten Experten als positive Entwicklung: „Von einer echten Abwärtstendenz können wir derzeit sicherlich noch nicht sprechen“, erklärt Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger, Präsident des BfArM. „Gleichwohl werten wir diesen ersten leichten Rückgang nach dem massiven Anstieg der vergangenen 20 Jahre als ein positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet,“ so der Professor. Auch die Zulassung von Methylphenidat für die Behandlung erwachsener Patienten im Jahr 2011 hat nicht zu einem außergewöhnlichen Anstieg im Verbrauch geführt. Ein möglicher Grund hierfür ist jedoch, dass viele Ärzte das Medikament auch schon zuvor „off-label“ Erwachsenen verschrieben haben.

Warum ist der Verbrauch von Methylphenidat bisher so stark angestiegen?

Methylphenidat: Junge mit mehreren Tabletten

Methylphenidat wird häufig bei ADHS eingesetzt.


Die Gründe für den starken Anstieg des Methylphenidat-Verbrauchs in den letzten zwei Jahrzehnten sind vielfältig und in Expertenkreisen umstritten. Natürlich haben sich die Diagnosemöglichkeiten für ADHS weiterentwickelt und die Therapie kann oft schon im frühen Kindesalter begonnen werden. Allerdings können auch Fehl- und Übertherapie als Ursache des Anstiegs im Methlyphenidat-Verbrauch in Frage kommen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die medikamentöse Therapie bei ADHS immer unter Aufsicht und nur als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts erfolgt.

Wie das BfArM berichtet, ist der Methylphenidat-Verbrauch im vergangenen Jahr erstmals seit zwei Jahrzehnten nicht weiter angestiegen. Experten hoffen, dass ein kritischerer Umgang mit dem ADHS-Medikament dafür verantwortlich ist, denn eine Fehl- und Übertherapie mit Methylphenidat sind nicht auszuschließen.


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