Bindungsangst gemeinsam überwinden
Anna Groß am 23.01.2017

Er ist charmant, nett und auch noch gutaussehend – sprich: der perfekte Mann. Doch schnell offenbart sich der Haken und lässt die Seifenblase platzen: Bindungsangst. Er ziert sich wie eine Jungfrau. Vielleicht bist Du selbst sogar diejenige, die jeden ernsthaften Annäherungsversuch mit einem Schritt rückwärts abserviert. Wie also damit umgehen? Und wie lässt sich die Bindungsangst überwinden?

Gerade schien alles so schön und so prickelnd, da lässt er plötzlich tage- oder gar wochenlang nichts von sich hören, geschweige denn sehen. Sowohl Frauen als auch Männer leiden unter Bindungsangst, dennoch sind Männer – Experten zufolge – häufiger betroffen. Das kann sowohl den gemeinsamen Urlaub betreffen, als auch die erste gemeinsame Wohnung oder überhaupt erst einmal das feste Bekenntnis zueinander als Paar.

Bindungsangst

Bindungsängstliche fühlen sich zerrissen zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und Distanz.

Richtiges Verhalten bei Bindungsangst als Partner

Betroffene durchleben ein Gefühlschaos aus Angst, Unsicherheit, Verwirrung und innerer Zerrissenheit. Sie wollen Abhängigkeit und brauchen Unabhängigkeit, sie wollen Nähe und brauchen Distanz. Sie fürchten sich davor, Verbindlichkeiten einzugehen und so ihren Bewegungsspielraum zu verlieren. Gleichzeitig haben sie Angst vor dem Alleinsein. Um Bindungsangst bei dem Partner oder dem Partner to be zu erkennen, richtig zu „behandeln“ und gemeinsam zu überwinden, muss Du erst einmal verstehen, wo sie herkommt.

Auslöser für Bindungsangst

Bindungsangst bewältigen

Die Ursachen für eine Bindungsangst finden sich häufig bereits in der frühen Kindheit.

Den Anfang nimmt das Chaos der Gefühle häufig bereits in der frühen Kindheit, etwa wenn ein Baby zu lange allein gelassen, ignoriert oder gar abgelehnt wird. Bei so kleinen Kindern kann laut der Psychotherapeutin Stefanie Stahl schon nach kurzer Zeit Todesangst entstehen. Wird diese Unterversorgung kombiniert mit Überbehütung, die dem Kind keinen Bewegungsspielraum mehr lassen, erlebt es sowohl die Trennung als auch die Nähe bedrohlich. Darüber hinaus kann das Gefühl, nicht gewollt zu sein, den negativen „Lerneffekt“ und das Nähe-und-Distanz-Problem verstärken. Als Erwachsener sind die Betroffenen dann hin und her gerissen zwischen ihren Ängsten und wissen es meist nicht einmal, denn solche frühkindlichen Erfahrungen werden in der Regel verdrängt. Der erste Schritt, eine Bindungsangst erfolgreich zu überwinden, ist der, sich ihrer Existenz bewusst zu machen.

Auch erdrückende Liebe sowie eine sehr strenge Erziehung können zu Beziehungsangst führen. Denn für das Kind heißt Liebe irgendwann Vereinnahmung und Freiheitsberaubung. Später fühlen sich die Betroffenen sehr schnell von Nähe überfordert und in die Ecke gedrängt. Weiterhin treten Bindungsängste in der Regel bei Menschen auf, die ein labiles Selbstwertgefühl haben und instinktiv davon überzeugt sind, irgendwann verlassen zu werden. Sie schützen sich, indem sie den Partner auf Distanz halten, um nicht allzu sehr enttäuscht zu werden. Zudem haben sie das Gefühl, sich verbiegen zu müssen, um geliebt zu werden, deshalb fühlen sie sich nur dann frei und authentisch, wenn sie allein sind.

Bindungsangst überwinden

Bindungsängste treten in der Regel bei Menschen auf, die ein labiles Selbstwertgefühl haben.

In welcher Form tritt die Bindungsangst auf?

Manche Betroffene verspüren ganz direkt ein Gefühl der Angst, andere fühlen sich plötzlich gleichgültig gegenüber dem Partner. Manche halten ihn auf Distanz, etwa indem sie sich in Hobbys flüchten. Bei anderen legt sich eine heiße Phase der Verliebtheit schnell wieder, denn die Schwächen des Partners sind im Weg – sie suchen nach Perfektion. Wieder andere sind genau solange an dem Partner interessiert, bis sie ihn wirklich sicher haben.

Bindungsangst

Bindungsangst hat gravierende Auswirkungen auf den Partner.

Am häufigsten tritt das Phänomen Bindungsangst auf, wenn Paare sich vom Status der Verliebtheit langsam in Richtung Liebe bewegen. Die rosarote Brille wird abgenommen und die Schwächen des Partners treten deutlicher hervor. Und genau dann, wenn die Weichen für eine längerfristige Beziehung gestellt werden, verlassen Bindungsängstliche die Zweisamkeit und beenden die Beziehung. Andere Menschen überfällt die Beziehungsangst erst, wenn die Partnerschaft anfängt, so richtig ernst zu werden. Plötzlich nörgeln sie an allem herum, suchen akribisch nach Gründen, die Beziehung beenden zu können oder wenigstens den Schritt in Richtung Ernsthaftigkeit hinauszuzögern. Plötzlich gibt es zahlreiche plausible Gründe, die einem aufzeigen, dass man zu jung für eine ernsthafte Bindung sei. Manche sichern sich die nötige Distanz sogar, indem sie fremdgehen.

So kannst Du Bindungsangst erkennen

Diese Anzeichen helfen dabei, die Ängste betroffener Männer verstehen, erkennen und somit gemeinsam die Bindungsangst überwinden zu können.

  • Anzeichen #1: Fühlt er sich zu sehr bedrängt, macht er Schluss. Ohne Dich kommt er aber auch nicht klar, deswegen steht er bald wieder auf der Matte.
  • Anzeichen #2: Er wechselt ständig zwischen Nähe und Distanz. Auf einen intensiven Wochenend-Kurztrip folgt dann erstmal eine Sendepause. Das heißt, wenn es nah wird, flüchtet er.
  • Anzeichen #3: Er redet von Heirat oder Zusammenziehen, macht dann aber plötzlich einen Rückzug.
  • Anzeichen #4: Das Thema Zukunft wird am liebsten ignoriert. Oder noch besser: Die Zukunft ist geplant, aber man selbst findet sich darin leider nicht wieder.

Auswirkungen von Bindungsangst auf den Partner

Bist Du mit einem Menschen zusammen, der Beziehungsangst hat, bist Du vermutlich chronisch verunsichert und empfindest häufig Verlustangst. Die meisten Partner leiden unter einem Kontrollverlust und fühlen sich hilflos, denn die alleinige Macht über Nähe und Distanz hat der Bindungsängstliche an sich gerissen. Der einzige Weg Einfluss nehmen zu können, scheint zu sein, sich selbst noch „besser zu machen“, sich „anzupreisen“ und um den Partner zu kämpfen. Denn je weniger der bindungsängstliche Partner sich einlässt, desto mehr erwacht die Sehnsucht nach mehr Nähe. Hilfreich ist aber eher, sich zunächst zurückzuziehen. Also keinen Druck machen und Zeit geben. In der Regel kommt der Partner von alleine wieder. Das braucht allerdings ein starkes Selbstbewusstsein. Doch reicht dies allein, um Bindungsangst überwinden zu können?

Was Du tun kannst, wenn Dein Partner an Bindungsangst leidet, siehst Du hier:

Wie lässt sich Bindungsangst überwinden?

Betroffenen hilft in aller Regel eine Psychotherapie, um ihre Bindungsangst überwinden zu können. Um sich damit auseinanderzusetzen, müssen sie sich zunächst einmal über ihre tiefer liegende Angst und inneren Konflikte bewusst werden. Ist das geschafft, wird daran gearbeitet, den Selbstwert des Betroffenen zu stärken, so dass er sich stark und bereit fühlt für eine Liebesbeziehung. Der Betroffene muss erkennen, dass die Ursache für das Scheitern bei ihm liegt und nicht bei den Unzulänglichkeiten des Partners. Die eigenen Schwächen muss er lernen zu akzeptieren und begreifen, dass er auch mit diesen geliebt wird. Manchmal helfen dafür schon Seminare oder gute Ratgeber.

Bindungsangst kann für eine Beziehung zur großen Gefahr werden. Deshalb sollte man genau auf die Anzeichen achten, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Denn die Beziehungsangst des Partners muss nicht aller Tage Abend sein. Wenn Du ganz und gar an seiner Zuneigung zu Dir zweifelst, kannst Du hier testen, ob er überhaupt verliebt in Dich ist oder, ob Du selbst von Bindungsangst betroffen bist. Auch wenn es schwerfällt: Die größte Gewissheit hast Du immer noch, wenn Du ihn direkt selbst fragst.

Bildquelle: iStock/Sjale, iStock/diego cervo, iStock/tatyana_tomsickova, iStock/andrej_k, iStock/splendens

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