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Völlige Isolation

Einsamkeit in der Corona-Quarantäne: Eine Psychologin gibt Tipps

Einsamkeit in der Corona-Quarantäne: Eine Psychologin gibt Tipps

Wahrscheinlich saßen noch nie so viele Menschen in völliger Isolation allein zu Hause wie aktuell. Wir haben eine Psychologin gefragt, wie man die lange Corona-Quarantäne mental gut übersteht.

Denn Fakt ist: Auch wenn es uns eigentlich verdammt gut damit gehen kann, lediglich der Aufforderung nachzukommen, gemütlich zu Hause zu bleiben (lies dir hier den kritischen Kommentar meiner Kollegin Nadine zur großen Corona-Jammerlaune der Deutschen durch!), ist genau das für viele eine psychische Herausforderung. Wer zum Beispiel alleine wohnt, der muss nun mit völliger Isolation zurechtkommen. Ohne echte zwischenmenschliche Kontakte, ständige Schreckensmeldungen in den Nachrichten und viel zu viel Zeit, in der sich negative Gedankenspiralen vertiefen können, ist das gemütliche Zuhausesein plötzlich ungemütlich. Auch mir geht es gerade so.

So erleben Menschen in Deutschland die häusliche Quarantäne

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Diplom-Psycholgoin Sandra Jankowski aus Berlin hat uns deshalb einige Tipps verraten, wie man die nächsten Wochen psychisch besser übersteht.

Tipp #1: Öfter einen Nachrichtenstopp einbauen

Ob im Fernsehen, im Radio oder im Internet: Um unzählige neue Beiträge zum Coronavirus kommt man gerade nicht herum. Die Berichterstattung ist natürlich wichtig, schließlich muss jeder darüber informiert sein, wie der aktuelle Stand der Lage ist und wie er sich zu verhalten hat.

Um die eigenen Ängste jedoch nicht noch zu schüren, ist es essenziell, dass man nicht panisch eine Nachricht nach der nächsten konsumiert. Erst recht nicht solche, die offensichtlich sehr subjektive Panikmache sind. „Man sollte sich nur bei seriösen Quellen Informationen einholen und auch die Verfolgung der Nachrichten zwischendrin sein lassen”, erklärt Sandra Jankowski. Eine gute Devise wäre also, dass du dir zum Beispiel nur morgens und nochmal am frühen Abend Updates zur Corona-Lage durchliest. Nicht tagsüber und nicht am Abend, bevor du ins Bett gehst und so eventuell voller Sorgen einschläfst.

15 Aktionen, die den Zusammenhalt der Menschen zeigen

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Tipp #2: Geistigen Stress mit körperlichem Wohlgefühl ausgleichen

Wenn du merkst, dass du dich durch die Isolation immer niedergeschlagener und frustrierter fühlst, kann es auch helfen, ein kleines Home-Workout einzulegen. Das sorgt für eine Extraportion Glückshormone im Körper und hilft zum Beispiel auch gegen Verspannungen vom Home-Office. Danach kannst du dir vielleicht auch noch etwas Leckeres kochen und früher schlafen gehen. Dieses Rundumpaket ist laut der Psychologin eine gute Hilfe gegen die Anspannung und den Stress.

Sport Home Workout
Ja, es kostet Überwindung, aber die Endorphine nach dem Home-Workout sind es wert!

Tipp #3: Soziale Kontakte auf keinen Fall einschlafen lassen

In unserem normalen Alltag sind wir soziale Interaktionen gewöhnt, sie kommen ja auch von alleine. Jetzt hat sich unser Alltag jedoch verändert. Wir sind aktiv gefragt, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Und das zu machen ist viel wichtiger, als dir vielleicht bewusst ist: „Um sich nicht ganz zu isolieren, sollte viel mit anderen kommuniziert werden, über das Internet, Telefon und Videochat”, sagt auch Sandra Jankowski. Gerade dann, wenn man viel am Grübeln ist, sich sorgen macht oder regelrecht verzweifelt ist, ist der Austausch mit Freunden und Familie unglaublich wichtig. Hier helfen auch fixe Zeiten: Eine gemeinsame Mittagspause mit Kollegen, ein abendlicher, kurzer Plausch mit den Eltern, vielleicht auch nur eine gemeinsame Kaffeepause – natürlich alles via Sprach- oder Videoanruf.

Frau Handy
Nicht den Kontakt zur Außenwelt verlieren!

Tipp #4: Ablenken, ablenken, ablenken

Mal ehrlich: Wie oft liegst du im Moment abends nach der Arbeit bzw. tagsüber herum, scrollst wahllos auf deinem Handy und machst eigentlich nicht so richtig etwas, außer in Gedanken zu versinken? Gerade das kann sich auf Dauer negativ auf das geistige Wohlbefinden auswirken. Frau Jankowski rät dazu, einfach mal ein paar der folgenden Beschäftigungen auszuprobieren:

  • Alten Hobbys nachgehen, die sich zu Hause gut machen lassen
  • Neues ausprobieren! Wie wäre es damit, eine Sprache zu lernen, ein Zumba-Workout auf YouTube auszuprobieren oder eine neue Serie anzufangen? (Ein praktischer Tipp von mir persönlich: Ich habe gerade „100 Leute” auf Netflix angefangen und amüsiere mich köstlich!)
  • Sport machen (Joggen ist ja draußen, alleine und mit Abstand zu anderen auch noch erlaubt, wenn dir Home-Workouts keinen Spaß machen.)
  • Aufräumen & Ausmisten (Wirkt wie eine Reinigung der Seele!)
  • Hauskonzerte verfolgen, die viele Künstler derzeit über Facebook, Instagram etc. anbieten
  • Andere spannende Online-Angebote nutzen, die extra für die Corona-Quarantänezeit ins Leben gerufen werden, zum Beispiel virtuelle Museumstouren!
  • Yoga, Meditation und Muskelentspannugsübungen ausprobieren, um Körper und Geist zur Ruhe zu bringen. Hierzu rät die Psychologin zu drei Einheiten à 15 bis 30 Minuten am Tag, wenn du merkst, dass du dich mental wirklich nicht gut fühlst.

Tipp #5: SOS-Maßnahmen bei akuter depressiver Stimmung ergreifen

Wenn du merkst, dass es dir mental richtig schlecht geht und Gespräche mit deinen Liebsten nicht helfen, kannst du auch von zu Hause professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Zum einen gibt es regionale und überregionale Krisendienste, die du telefonisch in Anspruch nehmen kannst. Es gibt auch Online-Therapie-Angebote, über die du dich jedoch vorab informieren solltest, denn nicht alles übernehmen hier die Krankenkassen. Hier findest du eine ganze Liste an kostenlosen und kostenpflichtigen Angeboten, ebenso an zertifizierten Online-Beratern. Auch Sandra Jankowski bietet übrigens Online-Beratungen an.

Die Psychologin empfiehlt außerdem noch eine Methode, die du schneller zu Hause durchführen kannst, wenn du merkst, dass dir gerade alles psychisch zu viel wird: „Sollten Gefühle der Desorientierung auftreten, kann ein schriftlicher Plan helfen: Was sollte ich wann machen und was ist jetzt tatsächlich wichtig, notfalls andere dabei um Hilfe bitten. Vieles kann warten oder fällt leichter, wenn wir es in kleine Schritte zerlegen.” So kannst du dir selbst helfen, deine Gedanken und deinen Alltag zu strukturieren und dich nicht selbst in einem negativen Strudel zu verlieren.

Und nicht vergessen: Auch die Coronavirus-Krise wird ein Ende finden. Und bis dahin hilft es dir, wie mir, vielleicht auch, dich an folgendem Zitat festzuhalten und dir schon mal auszumalen, dass alles wieder in Ordnung sein wird, wenn wir jetzt nur zusammenhalten und uns nicht unterkriegen lassen:

Bildquelle:

Unsplash/anthonytran, iStock/fizkes

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