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Endlich! Café Niederegger benennt „Mohrenkopftorte“ neu

Kommentar

Endlich! Café Niederegger benennt „Mohrenkopftorte“ neu

Das berühmte Lübecker Café Niederegger nennt seine Traditions-Schokotorte um. Aus der „Mohrenkopftorte“ wird nun die „Othellotorte“. Eine Kundin hatte sich über den unzeitgemäßen und diskriminierenden Namen beschwert. Niederegger hatte zunächst gemeldet, dass eine Umbenennung aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei. Nun kommt das Unternehmen dem Wunsch der Kundin doch nach. Trotzdem werden viele Stimmen laut, die überhaupt kein Verständnis für diese Entscheidung haben, aus – meiner Meinung nach – sehr zweifelhaften Gründen. Ich möchte mich den Argumenten der aufgebrachten Kunden deshalb im Folgenden einmal genauer widmen.

Torte soll lecker sein, nicht beleidigend!

Zunächst sei gesagt: Ich finde die Umbenennung der Torte nicht nur richtig, sondern lange überfällig. Zum einen, weil schon seit Langem klar ist, dass die Bezeichnung Mohr politisch nicht korrekt ist. Zum anderen, weil es keine guten Argumente dafür gibt, den alten Namen beizubehalten. Die Torte nicht umzubenennen, weil sie schon immer so hieß und die Kunden daran gewöhnt sind, wie oft argumentiert wird, ist doch irgendwie lachhaft. Wieso sollten überhaupt die – ohne Zweifel – hauptsächlich kaukasischen Niederegger-Kunden darüber entscheiden dürfen? Können sie denn wirklich nachempfinden, wie es sein muss, wegen der eigenen Hautfarbe oder Ethnizität diskriminiert zu werden?

Nochmal für alle: Deshalb ist der Name „Mohrenkopftorte“ diskriminierend

Und bevor jetzt alle schreien „Aber wo soll das alles hinführen?! Darf der Krapfen demnächst nicht mehr Berliner heißen? Darf die Bratwurst demnächst auch nicht mehr Nürnberger, Wiener oder Thüringer heißen?“ sei hier mal klargestellt, dass diese Argumentation einen ganz großen Denkfehler aufweist: „Thüringer“ ist weder ein rassistischer Begriff noch eine diskriminierende Bezeichnung für eine ethnische Gruppe!

Und wenn man die Rostbratwurst als „Thüringer“ bezeichnet, soll das eigentlich auch nur „nach der Art, wie sie in Thüringen zubereitet wird“ bedeuten. Die Mohrenkopftorte hingegen sagt aus: „Diese Süßspeise sieht aus, wie der Kopf eines schwarzen Menschen“ und benutzt dafür noch den diskriminierenden Terminus „Mohr“. Dass die Niederegger-Schokotorte jetzt nach der dunkelhäutigen Shakespeare-Figur benannt werden musste, finde ich übrigens immer noch etwas fragwürdig.

Achso und, by the way, weil es in der aktuellen Diskussion um die Namensgebung von Traditionsspeisen so oft aufkam: Das Zigeunerschnitzel sollte man ebenfalls nicht so nennen, weil der Slang „Zigeuner“ seit Jahrhunderten als Beschimpfung für das Volk der Sinti und Roma genutzt wird. Und was den „Negerkuss“ angeht, da brauche ich doch wohl hoffentlich gar nicht erst mit dem erhobenen Zeigefinger kommen…

Wie stehst du zu dem Namenswechsel der Schokotorte? Kannst du die Argumente unserer Autorin nachvollziehen oder findest du die Aufregung um den alten Namen übertrieben? Verrate es uns in den Kommentaren!

Bildquelle:

iStock/klug-photo

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