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Ändert die Erzieherinnen-Ausbildung

Ändert die Erzieherinnen-Ausbildung

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) fordert mehr Geld für Erzieherinnen: Sie will, dass das Gehalt dem von Lehrerinnen angeglichen wird. Doch dies ist, bei dem aktuellen Stand des Berufes und der Ausbildung, in meinen Augen unangemessen.

In den deutschen Kindertagesstätten läuft sicherlich vieles nicht optimal: Neben mangelnder Ausstattung gibt es viel zu wenig Erzieherinnen. Das hat auch die Große Koalition aus Union und SPD eingesehen. Giffey forderte in der Bild am Sonntag, dass Erzieherinnen das gleiche Gehalt wie eine Grundschullehrerin verdienen sollte.

Aktuell verdienen Erzieherinnen etwa 2.600 Euro brutto im Monat. Das Einstiegsgehalt von Grundschullehrerinnen liegt bei durchschnittlich 3.140 Euro. Bei Lehrerinnen gilt zudem die Dienstältestenregel, die besagt, dass ihr Gehalt mit den Jahren ansteigt. Ich würde mir sehr wünschen, dass Erzieherinnen pädagogisch so qualifiziert sind, wie Lehrerinnen. Momentan ist das in Deutschland nicht der Fall. Deshalb bin ich der Meinung, dass sich zuerst die Berufsausbildung verändern muss, bevor man über eine Gehaltsanpassung sprechen kann.

Kindergartenzeit: Die beste Zeit

Ich persönlich habe es geliebt in den Kindergarten zu gehen. Die Zeit bleibt mir in deutlich besserer Erinnerung als meine Schulzeit. Natürlich gibt es rückwirkend auch einiges, was ich als erwachsener Mensch kritisieren kann. Das Wichtigste war jedoch: Meine Erzieherinnen waren wunderbare Frauen (ja, nur Frauen), die sich um das Wohl aller Kinder gesorgt haben. Sie haben mit uns gespielt, uns vorgelesen, waren mit uns im Kletterwald und haben aufgepasst, dass wir nicht beim Spielen vom Baum fallen. Ich war in guten Händen.

Was passiert mit Härtefällen?

Aber ich schätze, dass ich auch ein „einfaches“ Kind gewesen bin. Ich kam aus einem Haushalt ohne Gewalt oder psychischen Problemen und war selbst nicht von körperlichen oder geistigen Leiden belastet. Wer sein Kind in den Kindergarten gibt, hofft doch, dass die Erzieherinnen wissen, wie sie ihm umgehen müssen. Das gilt vielleicht sogar noch mehr, wenn dein Kind vielleicht sehr in sich gekehrt ist oder aggressiv wirkt. Natürlich müssen die Kinder auch lernen, wie man vielleicht auf so einen Spielkameraden zugehen sollte. Denn bereits mit fünf Jahren entwickelt sich das moralische Empfinden bei uns Menschen. Es müssen Ursachen ermittelt, Hintergründe analysiert und Lösungsvorschläge eingebracht werden. Und dafür bedarf es nicht nur einer praktischen, sondern auch einer theoretischen Ausbildung.

Erzieherinnen haben viel Verantwortung.
Erzieherinnen haben viel Verantwortung, sowohl den Eltern, als auch den Kindern gegenüber.

Erzieher sind keine Pädagogen

Wenn du die Wahl hättest, wer sich um dein Kind kommt, würdest du dich vielleicht auch eher für die Aufsichtsperson entscheiden, die ein Grundwissen an Pädagogik und Psychologie hat. Diese werden jedoch in der Berufsausbildung zur Erzieherin in Deutschland nicht ausreichend vermittelt. In der DDR war der Beruf einer Erzieherin mit einem Pädagogikstudium verbunden, das auch Psychologie vermittelte. Auch heute  beschäftigen sich Lehramtsstudierende in ihrem Studium mit Pädagogik und praktischer Wissensvermittlung ihres Spezialgebietes. Da kleine Kinder eher im Sozialverhalten unterrichtet werden können, denke ich, dass die beiden Berufe eigentlich schwer zu vergleichen sind. Es geht mir auch gar nicht darum zu sagen: „Die haben studiert und die nicht, deswegen bekommen die mehr Geld.“ Erzieherinnen fehlt meinem Empfinden nach Kenntnisse der fachlichen Theorie. Deshalb muss sich das Berufsbild ändern.

Gegenbeispiel aus Spanien

In Spanien gibt es die Möglichkeit, sein Kind bereits im sehr frühen Kleinkindalter in eine Art Vorschule zu schicken. Hier gibt es Gruppen von Kindern, die bis zu einem Alter von sechs Jahren ebenfalls von Lehrerinnen betreut werden. Diese Vorschulgruppen gehören zu den staatlichen Grundschulen. Neben einer frühkindlichen Förderung steht ein spielerischer Alltag im Vordergrund. So ein Modell würde ich mir auch in Deutschland wünschen: Die Kinder würden von Anfang an pädagogisch betreut werden. Damit würde die Qualität der Leistung steigen und niemand würde sich mehr darüber beschweren, wenn eine Erzieherin genauso viel Geld bekäme wie eine Grundschullehrerin. Im Gegenteil: Es wäre ein absolutes Muss.

So ändert sich nichts

Helena Serbent
Helena Serbent

Ein Beruf und eine Leistung werden nicht dadurch besser, dass es ein höheres Gehalt gibt. Die Rahmenbedingungen müssen sich erst ändern. Dennoch finde ich die Debatte wichtig, weil wir uns darüber klar werden sollten, wie viel uns die frühkindliche Erziehung wert ist. Aktuell ist in meinen Augen gerechtfertigt, dass Lehrerinnen mehr verdienen als Erzieherinnen. Siehst du das anders? Diskutiere mit mir in den Kommentaren.

Bildquelle:

iStock/DGLimages,iStock/KatarzynaBialasiewicz,iStock/Nadezhda1906

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