Lecktuch
Birte Imme am 30.12.2014

Beim Oralsex zu verhüten halten viele für überflüssig, schließlich kann man davon nicht schwanger werden. Doch eine Reihe von Geschlechtskrankheiten, HIV und HPV können nicht nur beim Vaginal- und Analverkehr, sondern auch beim Oralsex übertragen werden. Während das Kondom als Schutz weitreichend bekannt ist, ist das Lecktuch – im wahrsten Sinne des Wortes – noch relativ unbeleckt. Nur wenige Menschen haben schon einmal etwas davon gehört. Damit sich das ändert, haben wir hier die wichtigsten Facts zum Lecktuch für Dich zusammengetragen.

Dass Safer Sex eine Selbstverständlichkeit sein sollte, wissen wir, doch wenn man sich mal im Freundeskreis umhört, fällt auf, dass die wenigsten wissen, dass auch beim Oralsex eine Menge von Krankheitserregern übertragen werden können. Beim Blowjob schützen Kondome – doch was ist mit oraler Befriedigung von Frauen? Was benutzen wir, um zu verhindern, dass Vaginalsekret oder Menstruationsblut in den Mund unseres Partners gelangt? Abhilfe schafft das Lecktuch, auch unter der englischen Bezeichnung „Dental Dam“ oder dem holländischen Wort „Lollyes“ bekannt. Dabei handelt es sich um ein hauchdünnes, etwa 15 cm breites und 15 bis 25 cm langes Tuch aus Latex, das zum Lecken auf die Vulva oder den Anus gelegt wird. Bei richtiger Anwendung schützt das Lecktuch beide Partner gleichermaßen vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Vor welchen Krankheiten schützt das Lecktuch?

Entgegen der weitläufigen Meinung werden viele sexuell übertragbare Krankheiten nicht nur durch Geschlechtsverkehr sondern auch durch Oralverkehr übertragen. Dazu gehören unter anderem HIV, Hepatitis B, Genitalherpes, Tripper, Chlamydien und HPV (Humane Papillomviren), welche krebserregend sein können – bei Männern und Frauen! Ein Lecktuch kann also in vielerlei Hinsicht lebensrettend sein. Schauspieler Michael Douglas ist ein berühmtes Beispiel für einen Mann, der durch beim Oralsex übertragene HPV-Erreger an Kehlkopfkrebs erkrankt ist. Dabei infiziert sich laut Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit HPV – das Immunsystem ist in den meisten Fällen jedoch stark genug, das Virus erfolgreich zurückzudrängen und einen Ausbruch von Krebs zu verhindern.

Um eine Ansteckung zu vermeiden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalsekret oder Menstruationsblut nicht in den Mundraum gelangen – das Lecktuch ermöglicht einen solchen Schutz. Verletzungen in der Mundhöhle wie Zahnfleischbluten erhöhen das Risiko einer Infektion. Und auch andersherum können Krankheitserreger aus dem Mund Entzündungen und Infektionen an den Geschlechtsorganen begünstigen. Auch für den oralen Analverkehr (Anilingus) ist das Lecktuch eine wichtige Schutzmaßnahme, da der aktive Partner bei oroanalen Kontakten neben den bereits genannten Krankheiten zusätzlichen Infektionsrisiken, zum Beispiel durch Hepatitis A, Darmparasiten oder Darmbakterien ausgesetzt ist.

Lecktuch: Wie sicher ist es?

Auch wenn das Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Krankheiten bei Oralsex deutlich geringer ist als bei Vaginal- oder Analverkehr, besteht dennoch die Gefahr einer Ansteckung. Kondome bieten zwar einen gewissen Schutz, decken aber nur einen begrenzten Bereich des Penis ab. Das Lecktuch hingegen wird einfach auf den Genital- oder Analbereich gelegt und deckt ihn weiträumig ab. Eine Infektion ist damit so gut wie ausgeschlossen.

Lecktuch: Was gibt es zu beachten?

Wie das Kondom ist auch das Lecktuch in der Regel aus Latex gefertigt, für Allergiker gibt es allerdings auch latexfreie Varianten. Auch aus verschiedenen Geschmacksrichtungen kann man auswählen. Kaufen kann man die Lecktücher im Internet und in der Apotheke. Was die Haltbarkeit der dünnen Läppchen angeht, so kommt es auf das Material an, aus dem sie gefertigt sind. Das Lecktuch auf Latex-Basis ist üblicherweise zwei bis vier Jahre ab Herstellungsdatum haltbar, vorausgesetzt, die Verpackung ist unbeschädigt und die Lagerung erfolgt sachgerecht. Das Lecktuch aus Polyurethan hingegen hat sogar eine noch längere Haltbarkeit – hier kann man von drei bis sechs Jahren ausgehen! Bei der Anwendung ist ebenfalls wie beim männlichen Pendant, dem Kondom, darauf zu achten, dass das Produkt originalverpackt und unbeschädigt ist.

Lecktuch: So wendest Du den Rundumschutz an

Kurz vor dem Auflegen sollte das Lecktuch auf der der Vagina oder dem Anus zugewandten Seite mit einem für Latexprodukte geeigneten Gleitmittel benetzt und anschließend über den gewünschten Bereich ausgebreitet werden – das Gleitmittel sorgt für einen besseren Halt. Beim Oralsex muss das Lecktuch sicher an seinem Platz festgehalten werden, am besten mit beiden Händen. Die Schutzbarriere darf während des Cunnilingus auf keinen Fall gewendet werden!

Gibt es Alternativen zum Lecktuch?

Falls Du im Bedarfsfall kein Lecktuch zur Hand hast, kannst Du stattdessen auch mit einem der Länge nach aufgeschnittenen Kondom oder Femidom verhüten – als medizinische Produkte bieten sie ebenfalls eine gute Sicherheit und werden als selbstgemachte Lecktücher auch von Ärzten empfohlen. Sehr kreative Menschen zerschneiden auch andere feuchtigkeitsabweisende Gegenstände wie Gummihandschuhe, Gummitücher, Gymnastikbänder oder Frischhaltefolie, deren Sicherheit allerdings nicht erforscht ist und infolgedessen nicht vollständig gewährleistet werden kann. Insbesondere bei Frischhaltefolie muss man von Anwendungsrisiken ausgehen, da diese für Erreger erheblich durchlässiger sein kann und die Reißfestigkeit fraglich ist. Schneidest Du ein Lecktuch aus einem Kondom zurecht, solltest Du darauf achten, dass das Kondom keine Spermizid- oder Gleitmittelbeschichtung besitzt.

Lecktuch: Mit diesen Nachteilen musst Du leben

So unerlässlich ein Lecktuch auch ist – viele Menschen lehnen es dennoch ab, weil es den Spaß am Sex mindern kann. Nicht nur geruchliche und geschmackliche Wahrnehmungen werden unterbunden, obendrein wird auch das fühlbare Empfinden beeinträchtigt. Insbesondere bei häufig wechselnden Sexualpartnern, sollte das Risiko einer Infektion durch sexuell übertragbare Krankheiten unbedingt durch ein Kondom und/oder Lecktuch aufs Kleinste minimiert werden. So hauchdünn wie diese heutzutage sind, merkt man sie kaum. Denn was wäre die Alternative? Sich mit einer unangenehmen Krankheit anzustecken, unter der man im schlimmsten Fall sein ganzes Leben lang leidet? Dann doch lieber eine dünne Folie, die davor schützt.

Geschlechtskrankheiten werden oftmals zunächst unbemerkt oral weitergegeben, wenn einer der Partner ein entsprechendes Virus in sich trägt. Um dies zu vermeiden, sollten Kondom und Lecktuch zu selbstverständlichen Elementen von Blowjob und Cunnilingus werden! Und all jenen, die fürchten, dass die schützenden Helferlein den Spaß am Sex mindern könnten, sei ans Herz gelegt, sie erst einmal auszuprobieren!

Bildquelle:

iStock/egorr


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