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Schummeln

Plagiate in Schule und Studium

Plagiate in Schule und Studium

Die Plagiats-Affäre um den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat hohe Wellen geschlagen. Verstärkt stellt man sich nun wieder die Frage: Wie verbreitet sind Plagiate unter Schülern und Studenten wirklich? Ab wann spricht man von einem Plagiat und welche Konsequenzen drohen demjenigen, der sich beim Abkupfern erwischen lässt?

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Plagiats-Affäre
Mit der Plagiats-Affäre um zu Guttenbergstellt sich die Frage: Wie verwerflich sindPlagiate wirklich?

Glaubt man dem Dramatiker Wilson Mizner, so lässt sich das mehr oder weniger gut getarnte Abschreiben aus fremden Quellen folgendermaßen kategorisieren:

Aus einem Buch abschreiben = Plagiat;
aus zwei Büchern abschreiben = Essay;
aus drei = Kompilation;
aus vier = Dissertation.

Wie viel an dieser scherzhaft gemeinten Definition dran ist, beweist das aktuelle Beispiel zu Guttenberg – obwohl dieser sich noch weitaus großzügiger an fremdem geistigem Eigentum bediente. Auf über 70 Prozent der Seiten seiner Doktorarbeit fanden sich Plagiate, also Textstellen, die nahezu wörtlich oder dem Sinn nach aus fremden Arbeiten übernommen wurden, ohne dass die Ursprungsquelle korrekt zitiert wurde. Angesichts solcher Zahlen scheint es kaum übertrieben, wenn der Bayreuther Jura-Professor Dr. Oliver Lepsius Guttenbergs Doktorarbeit schlichtweg als „Collage“ bezeichnet.

Dabei ist Karl-Theodor zu Guttenberg in bester Gesellschaft: Die Mehrzahl deutscher Studenten habe doch schon mal geschummelt, das sei gang und gäbe, wiegeln die Verteidiger des in Ungnade gefallenen Ministers ab. Doch macht es das wirklich besser? Sind Plagiate ein Kavaliersdelikt oder handfester Betrug?

Plagiate bei Referaten und Hausarbeiten

Lehrende an Schulen und Hochschulen sind sich einig, dass die Zahl der Plagiate in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Möglich ist aber auch, dass dieser Eindruck nur daher rührt, dass geklaute Textpassagen heutzutage leichter gefunden werden. Denn eines steht fest: In Zeiten des Internets ist nicht nur das Abschreiben leichter geworden, sondern auch das Überführen der Schummler.

Dem schreibfaulen Schüler und Studenten präsentiert das Netz wie auf dem Silbertablett eine schier endlose Masse an fertigen Texten. Plattformen wie hausarbeiten.de oder referate.de laden dazu ein, sich an dem zu bedienen, was andere vor einem schon wortgewandt auf den Punkt gebracht haben. Die „Copy&Paste“-Methode ist dieser Tage zum geflügelten Wort geworden.

Schummeleien enden nicht mit dem Schulabschluss
Schummeleien sind leider noch immer alltäglich

Immer mehr junge Lernende erliegen dieser Versuchung und klauben für Aufsätze, Hausarbeiten oder Referate geklaute Textpassagen zusammen. Oft geht den „Plagiatssündern“ dabei jedes Bewusstsein dafür ab, dass sie ein Unrecht begehen – auf zwei, drei übernommene Absätze kommt es doch nun wirklich nicht an, wenn man den Rest der Arbeit selbst verfasst hat. Oder?

Bewertung und Sanktionierung der Plagiate

In der Beurteilung eines Plagiatsfalles spielt das Ausmaß des Textdiebstahls aber durchaus eine Rolle. Wer in einer Hausarbeit eine Fußnote vergisst oder eine prägnante Formulierung aus einem fremden Text „borgt“, muss nicht gleich mit der Exmatrikulation rechnen – allerdings genügt in den meisten Fällen auch ein solcher, vermeintlich harmloser Fehltritt schon zum Nichtbestehen einer Prüfungsleistung. Wird dagegen seitenweise und systematisch abgekupfert, kann dies für einen Studenten das Ende der wissenschaftlichen Karriere bedeuten – und für einen Minister wie zu Guttenberg das vorläufige Ende seiner politischen Laufbahn. Das Hochschulgesetz von Nordrhein-Westfalen sieht für Plagiate sogar Bußgelder von bis zu 50.000 Euro vor.

Dass Plagiate alles andere als ein Kavaliersdelikt sind, zeigt auch der Umgang mit diesem Themain den USA. Dort geht man mit Abschreibern wenig zimperlich um: Wird ein Student beim Abkupfern erwischt, bedeutet dies in den meisten Fällen den unwiderruflichen Rausschmiss aus der Universität.

Bildquelle: gettyimages, iStockphoto / Fotosmurf03

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