Der gefallene Held

Michael Jackson

Michael Jackson
Popstar Michael Jackson
Michael Jackson bei den Grammys

Mittlerweile hat es wohl jeder mitbekommen: Michael Jackson, der King of Pop, ist tot. 50 Jahre ist er alt geworden, der Mann, der nie erwachsen werden wollte. Der Mann, der im Laufe seines Lebens geschätzte 300 Millionen Platten verkauft hat, damit unglaublich viel Geld verdient hat und dann pleite gegangen ist. Der Mann, der wegen Kindesmissbrauch angeklagt wurde und mit Freispruch davonkam. Dass Michael Jackson tot ist, ist eine Tragödie – aber war er wirklich der Held, zu dem er jetzt gemacht wird?

Keine Frage: Michael Jackson hat sich als „King of Pop“ auf jeden Fall einen Platz im Pop-Olymp gesichert. Er hat mit seinem Hit-Album Thriller Musikgeschichte geschrieben und tausende Fans zum Weinen und Kreischen gebracht. Er war einmalig, aber er war nicht ohne Makel. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich noch nie ein besonders großer Fan von ihm war, aber ich kann verstehen, dass man seine Musik mag. Der Mensch Michael Jackson wird mir aber für immer ein Rätsel bleiben.

Deswegen verstehe ich den Hype auch nicht, den alle Welt jetzt um ihn macht. Egal welchen Radiosender man einstellt, überall schallt Michael Jackson aus den Boxen. Er musste scheinbar erst sterben, um endlich wieder die positive PR bekommen, die ihm zuletzt so sehr gefehlt hat. Michael Jackson hat in den letzten Jahren eigentlich nur Negativ-Schlagzeilen gemacht. Sei es mit seinem Prozess wegen Kindesmissbrauch, seiner Pleite oder zuletzt mit seiner immer schlechter werdenden Gesundheit.

Da half wohl auch das groß angekündigte Comeback nichts mehr, zumal ich mich gleich gefragt habe, ob er die fünfzig Konzerte in London überhaupt durchstehen kann. Wer möchte schon einen kranken und gesichtslosen Mann auf der Bühne leiden sehen? Ich bestimmt nicht. Trotz allem waren die Karten für seine Tour in Windeseile ausverkauft. Es ist toll und bewundernswert, dass Michael Jacksons Fans über die Jahre so zu ihm gestanden haben, auch wenn er für mich immer irgendwie undurchsichtig geblieben ist.

Der King of Pop Michael Jackson
Der "King of Pop" Michael Jackson vor seinen Operationen

Einerseits engagierte er sich mit seiner Stiftung „Heal the World“ für Kinder, andererseits wurde ihm seine Vorliebe für kleine Jungen fast zum Verhängnis. Auch seine immer heller werdende Haut gab genügend Anlass für Spekulationen: Hatte er nun die seltene Hautkrankheit „Vitiligo“, die die Haut erblassen lässt, oder hat er sich seine Haut aufhellen lassen? Die Wahrheit nimmt „Jacko“ wohl mit ins Grab.

Michael Jackson war für mich im Grunde kein beneidenswerter Mann. Eigentlich konnte er einem fast schon leid tun. Seine über 50 Schönheitsoperationen begründete er damit, seinem Vater nicht mehr ähnlich sehen zu wollen. Das gelang ihm so gut, dass sein Gesicht am Ende mehr einer Maske als dem Antlitz eines Menschen glich. Gruselig!

Er war ein sehr exzentrischer Mensch. In seinem Wunsch, nie erwachsen zu werden, identifizierte er sich mit Peter Pan und seiner Fantasiewelt „Neverland“. Das ging so weit, dass sich Jackson mit seiner „Neverland Ranch“ einen eigenen Vergnügungspark bauen ließ, in dem er nie gelebte Kindheitsträume verwirklichen konnte. Treu an seiner Seite war seit 1985 immer der Affe Bubbles, den Jackson aus einem Versuchslabor gerettet hat und mit dem er sich Gerüchten zufolge sogar das Bett geteilt haben soll. Die Welt hat mit Michael Jackson einen ganz Großen verloren, auch wenn hier Genie und Wahnsinn sehr nahe beieinander lagen.

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