Urteil im Mordfall Anna

Pflegemutter bekommt lebenslänglich

Pflegemutter bekommt lebenslänglich

Am Donnerstag (24.11.2011) wurde in Bonn das Urteil gegen eine 52-jährige Pflegemutter gesprochen. Die Frau aus Bad Honnef hatte die neunjährige Anna in der Badewanne ertränkt.

Das Landgericht Bonn verurteilte die Pflegemutter der neunjährigen Anna wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Ihr Ehemann wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechseinhalb Jahren verurteilt. Darüber hinaus befand der Vorsitzende Richter Josef Janssen beide Pflegeelternteile der Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie der Freiheitsberaubung mit Todesfolge für schuldig. Die Anwälte der Pflegemutter kündigten Revision an.

Pflegemutter drückte Anna drei Minuten lang unter Wasser

Bereits vor dem Mord im Juli 2010 wurde Anna, die insgesamt zwei Jahre in der Pflegefamilie lebte, systematisch von ihrer Pflegemutter Petra W. und deren Ehemann gequält.
Um Anna zum Essen zu zwingen, wurde sie in der Badewanne abgeduscht, wo sie anschließend essen musste. Der Mann beteiligte sich nicht an den Taten, verhinderte sie jedoch auch nicht. Am 22. Juli 2010 schließlich fesselten die Pflegeeltern Anna, nachdem diese ihr Essen erbrochen hatte und setzten sie in die Badewanne. Als die Neunjährige sich wehrte, drückte ihre Pflegemutter sie mindestens drei Minuten lang unter Wasser. Der Pflegevater kam zurück ins Bad, stieß die Pflegemutter zur Seite und zog die leblose Anna aus dem Wasser. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg.

Pflegemutter der neunjährigen Anna bekommt lebenslänglich
Pflegemutter zu lebenslanger Haft verurteilt

Pflegemutter gab sich als „gute Tante“

Obwohl das Jugendamt in den Jahren vor Annas Tod bereits zweimal über die Probleme in der Pflegefamilie informiert worden war, schaffte es die Pflegemutter Petra W. immer wieder, sich als die liebe Tante von Anna darzustellen. Neben den Behörden machte Richter Janßen auch den Nachbarn der Familie den Vorwurf, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben. Noch am Vortag des Mordes war Anna aus Angst vor ihrer Pflegemutter vom Balkon gesprungen, was mehrere Nachbarn gesehen hätten.

Pflegemutter handelte mit Vorsatz

In der Urteilsbegründung vom Donnerstag hieß es, dass die Pflegemutter alles dafür gegeben habe, Anna zu einzig und allein ihrem Kind zu machen. Es sei ihr um Machtausübung und die Befriedigung der eigenen Persönlichkeit gegangen. Nachdem sie einsehen musste, dass Anna sich ihr beständig widersetzen und sie nicht als Mutter anerkennen würde, habe sie am Mordtag im Badezimmer „eine Art Resümee gezogen“, so Janssen. Daraufhin habe sie Anna, mit dem Ziel, ihr Leben zu beenden und ihr eigenes Versagen zu vertuschen, untergetaucht. Annas leibliche Mutter nahm das Urteil mit Erleichterung auf und gab an, dass sie jeden Tag an Anna denke.

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